Lese-Gottesdienst am 28. März 2021 Palmsonntag

Lese-Gottesdienst am 28. März 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

GOTT sei mit dir: in der Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Aufsteigen im Beruf, Erfolg haben, Anerkennung ernten – so hätten wir‘s gern. Doch dabei kommen viele unter die Räder. Einer wird zum Spott herausgehoben und getötet. Von ihm sagt die Bibel: Der Menschensohn muss (ans Kreuz) erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

314 Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna! Alle Leute fangen auf der Straße an zu schrein:
Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh!

Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna! Kommt und legt ihm Zweige von den Bäumen auf den Weg!
Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh!

Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna! Kommt und breitet Kleider auf der Straße vor ihm aus!
Hosianna, Hosianna, Hosianna in der Höh!

731 Gott, hilf mir! Das Wasser geht mir bis zum Hals. Ich bin in tiefe Wasser geraten, die Flut will mich ersäufen.

Mein Hals ist heiser vom Schreien Ich bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade;

Gott, nach deiner Güte erhöre mich und hilf mir. Erhöre mich, Herr, wende dich zu mir und erlöse mich. (Ps 69)

Du großer Menschenfreund, du bist mitten unter uns. Die Sorgen des Alltags setzen uns zu, die Not anderer Menschen bedrückt uns, unsere Kraft erlahmt. Viele haben deinem Christus zugejubelt - und ihn bald im Stich gelassen.
Hosianna, hilf uns, bei dir zu bleiben und auch in Bedrängnis zu dir zu halten.

Lesung: Jes 50, 4-9 Gott hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott hat mir das Ohr geöffnet, ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück…..

374 Ich steh in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.

Er ist ein Fels, ein sichrer Hort, und Wunder sollen schauen, die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen. Er hat's gesagt, und darauf wagt mein Herz es froh und unverzagt und lässt sich gar nicht grauen.

Kaum auszudenken ist es, wie die Pandemie die Ereignisse vor 2000 Jahren verändert hätte: Zum großen Fest hätten keine Pilger nach Jerusalem kommen dürfen. Verboten wäre es, zum Passa-Abend Gäste einzuladen. Einen Festsaal für 13 Personen zu mieten – ausgeschlossen. Leergefegt die Straßen der Altstadt. Da wäre niemand gewesen, der sein Obergewand wie einen roten Teppich ausgebreitet hätte. Corona hätte den königlichen Einzug Jesu und das Palmzweige-Schwingen verhindert.

Oft stehen wir selber der Gottesherrschaft im Wege mit unser Angst, Trägheit und Hartherzigkeit. Umso mehr liegt es bei uns, Hosianna zu rufen: „Hilf, Herr, greif ins Geschehen ein, wend‘ alles zum Guten.“ Hoffen und Bangen spricht daraus, und Sehnsucht nach Frieden. Wer angesichts der Wirren der Welt Hosianna ruft, weiß um die eigene Tatkraft und Ohnmacht – und setzt deswegen sein Vertrauen auf Gott.

Hosianna – greif ein, wend alles zum Guten! Das erwarteten zur Zeit Jesu die jüdischen Pilger in Jerusalem - von Gott und seinem Messias. Die Prozession sah einem Volksaufstand ähnlich. Die Tempelpolizei hatte weggeschaut. Seit Wochen sehen wir, wie Menschen in Minsk und in Myanmar auf die Straße gehen und sich weder von Wasserwerfern noch von Knüppeln und Geschossen einschüchtern lassen, sondern Leib und Leben dafür einsetzen, dass Wahrheit, Recht und Freiheit sowie demokratisch kontrollierte Gewaltenteilung hergestellt werden. Auf ihren Gesichtern ist kein Hass, sondern Hoffnung zu lesen, Sehnsucht nach Frieden.

Was brauchen wir in den Wirren unserer Zeit? Menschen, in denen Gott uns nahekommt. Wir brauchen ein Auge, das uns sieht, ein Ohr, das uns zuhört, einen Mund, der uns tröstet; eine Hand, die uns aufrichtet, einen Arm, auf den wir uns stützen können. So möge Gott in, bei und um uns sein – uns einhüllen in sein Erbarmen wie in eine Wolke, uns leuchten in der Finsternis, wie er Israel vorangegangen ist als eine Feuersäule. Wie in einer Wolke sind auch die Gläubigen aller Zeiten um uns - unfassbar und dennoch wahrnehmbar. Davon spricht der Apostel im

Hebräerbrief (Kap 3,1-3): Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, alle Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist. Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.

Wolken entziehen unserem Blick, was sie einhüllen. Sie können die Sonne verbergen, das Leben verdunkeln, Unwetter ankündigen. Damals, am Ende des ersten Jahrhunderts, als der Hebräerbrief geschrieben wurde, fielen düstere Schatten der Verfolgung auf die christliche Gemeinde. Die ihren Glauben nicht preisgaben und ihren Herrn nicht verleugneten, haben dafür oft mit dem Leben bezahlt; sie wurden Zeugen genannt, auf Griechisch: Märtyrer.

Der Apostel erinnert an leuchtende Beispiele: Abraham, der alles aufgab und sich ganz auf Gottes Zusage verließ. Sara, die allen Grund hatte, zu zweifeln, sie gebar den Sohn der Verheißung. Jakob, der den Segen suchte, alles verlor und mehr gewann, als er sich erträumte. Alle, die ihr Leben auf das Kommen Gottes ausgerichtet haben; gehören in die große Schar der Glaubenszeugen: Mirjam und Mose, David und die Propheten, Rut und Hanna, Elisabet und Zacharias, Maria, Magdalena, die Frau am Jakobsbrunnen, Lydia, Stephanus, Jakobus, Petrus, Paulus – sie alle bilden die Schar der Zeugen, eine Wolke voller Glaubensenergie. Sie alle tragen das Wesen der Wolke in sich: den Schatten des Leidens und das Licht des neuen Lebens.

Im Leiden und Hoffen sind sie uns vorangegangen. Als Zeugen der Kraft Gottes sind sie uns gegenwärtig. Die vielen Menschen, die den Glauben gelebt und bezeugt haben, umhüllen uns wie eine Wolke.

Dazu gehören die Dichter unserer Lieder: Am­brosius, Luther, Elisabeth Kreuziger, Paul Gerhardt, Gerhard Tersteegen, Hedwig von Redern, Jochen Klepper und die Liedermacher von heute.
Zu den Müttern und Vätern unseres Glaubens gehören unsere Großeltern, Eltern und Paten, alle Menschen, die uns inneren Halt gegeben haben und uns zum Vorbild geworden sind. Auch die Menschen, die an unserer Seite gelebt und uns durchs Leben begleitet haben, gehören mit hinein in die Wolke derer, die Zeugen sind für das Wirken Gottes, Zeugen der Barmherzigkeit, der Vergebung, des Friedens. Sie alle helfen uns, die Verheißung Gottes zu glauben, uns für sein Kom­men zu öffnen, ihm auf dem Weg durch Bedrängnisse und Leiden zu folgen.

In Zeiten des Wohlstandes erinnern sie uns daran, dass wir nicht vom Brot allein leben, sondern von einem jeden Wort, in dem wir uns selbst erkennen, Gottes Liebe empfangen und uns den Mitmenschen verbinden. In Zeiten der Krise warnen sie uns davor, ängstlich auf den eigenen Nutzen bedacht zu sein und machen uns Mut zum Teilen.

Wirft die Trauer ihre Schatten auf uns, füllen Sorgen das Herz, dürfen wir wissen, dass die Glaubenszeugen unsere Angst, unsere Traurigkeit mit uns teilen und in unserer Bedrängnis neben uns stehen. Auf schwierigen Wegen begleiten sie uns ermutigend. Erst recht brauchen wir sie als Vorbilder, wenn alles glatt läuft, wenn wir mitschwimmen im Strom, wenn wir erstarren in Gewohnheiten und an Formen festhalten, aus denen das Leben geschwunden ist. Am Leben der Glaubenszeugen können wir erkennen, worauf es in unserem Leben ankommt: von selbstsüchtigem Verhalten ablassen, uns Gott hingeben, dem Nächsten Liebe erweisen. Lasst uns ablegen, lasst uns laufen, lasst uns aufsehen. Drei Leitlinien der Nachfolge.

„Lasst uns ablegen, was uns beschwert.“ Unnötiger Ballast verzehrt Kräfte und lähmt. Sorgen im Kopf und Ehrgeiz im Herzen, Zweifel und das ängstliche Schielen auf das Urteil anderer, tote Buchstaben, tödliche Vorschriften - das alles beschwert. Denn es ist Menschenkram. Darum hat Jesus uns beten gelehrt: Geheiligt werde dein Name.

„Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist.“ Laufen, nicht stehenbleiben. Laufen, nicht warten, bis andere den Karren ziehen. Aber: mit Geduld; nichts erzwingen. Unsere Sache ist es, unterwegs zu sein. Und das wird oftmals zum Kampf - nicht nur ein Wettkampf zum Kräfte-messen, sondern ein Kampf um die Wahrheit, ein Kampf gegen erhebliche Widerstände.

Die Gläubigen damals hatten zu kämpfen mit religiösen Anfeindungen durch das pharisäische Judentum, andererseits mit der politischen Unterdrückung im römischen Reich. Sie hatten auch mit sich selbst zu kämpfen: mit dem Sowohl-als auch, mit der Anpassung nach allen Seiten. Das kennen wir ja auch. Noch schwerer ist der Kampf mit der eigenen Lebensprägung und Persönlichkeit, hier geht es um einen Kampf, der uns einübt ins Sterben und Auferstehen, ins Aufgeben von Selbstgefälligkeit und selbstgelegten Fundamenten. Darum hat Jesus uns zu beten gelehrt: Dein Reich komme.

Er ist unser Ziel. Darum lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Urheber und Vollender des Glaubens. Für ihn bedeutete das Leben im Einklang mit Gott Unrecht leiden und sterben. Unversehrt durchzukommen, das Leben in vollen Zügen zu genießen, das waren für ihn keine Maßstäbe. Sein Tod am Kreuz hat Gott in den Abgrund der Verlassenheit getrieben und den Tod zum Eintritt ins Leben gemacht. Sein Weg ist unnachahmlich - und doch das Urbild des Glaubens. Nur an ihm, dem Gekreuzigten, können wir uns orientieren. Mit seinem Ringen in Getsemane ist er uns ganz nahe und lehrt uns beten: Dein Wille geschehe.

Jesus, du Blutzeuge aller Zeugen: Komm in unser Denken und Wollen, komm in unser Fühlen und Handeln, komm in unser Leiden und Lieben. Du, gekreuzigt und auferweckt, stärke unseren Glauben. Amen.

137 Gib uns Abrahams gewisse, feste Glaubenszuversicht, die durch alle Hindernisse, alle Zweifel siegend bricht; die nicht bloß dem Gnadenbunde trauet froh und unbewegt, auch das Liebste jede Stunde Gott zu Füßen niederlegt.

Schenk gleich Stephanus uns Frieden mitten in der Angst der Welt, wenn das Los, das uns beschieden, in den schwersten Kampf uns stellt. In dem rasenden Getümmel schenk uns Glaubensheiterkeit, öffn im Sterben uns den Himmel, zeig uns Jesu Herrlichkeit.

Hosianna, wende alles zum Guten:
sei in Angst unsere Zuflucht, in Schwachheit unsere Stärke, im Leiden unser Licht.

Öffne unser Auge und Ohr für die Not der Mitgeschöpfe, damit wir barmherzig handeln. Wir bitten dich für alle, die Halt suchen: lass Menschen an ihre Seite treten, die sie zart wie eine Wolke begleiten und sie ermutigen.

Hilf uns zu heilen den Mangel an Arbeit und Einkommen, den Mangel an Bescheidenheit und Solidarität.

Hilf uns zu heilen das Unrecht in der Verteilung der Lebenschancen, im Umgang mit Tieren, mit Wasser und Luft.
Hilf uns ablegen Hass, Neid, Größenwahn, Egoismus, Angst. Gib uns deine Liebe, so dass wir glauben und bekennen und beten:
Vater unser

Wwdl 20 Die Heiligen, uns weit voran, haben hier nichts erworben, sie sind am Ende ihrer Bahn als Fremdlinge gestorben. Und glaubten doch, dass Gottes Hand, die sie bis dort geleitet, in einem bessren Vaterland die Stadt für sie bereitet.

Sie zogen aus wie Abraham, als er den Ruf vernommen; der wusste nicht, wohin es ging und wann dort anzukommen. In Gottes Namen starben sie und wussten nur das eine: Gott schämt sich nicht, ihr Gott zu sein, ihr Weg ist auch der seine. :

Vom Dienst der Erde freigekauft ruhn sie von ihren Werken. Doch reden sie und zeugen noch, den Glauben uns zu stärken, dass wir in Hoffnung und Geduld den Weg zu Ende gehen, eins mit dem heilgen Wandervolk, und Gottes Liebe sehen.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott segne deine Liebe zu allem, was lebt. und deine Empörung über das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände und gebe dir Frieden. Amen.