Ostergottesdienst aus der Bonhoefferkirche

Verbunden durch Liebe und Internet/ Ostersonntag 

Pfarrerin Anette Prinz ,
 Musik: Susanne Weingart-Fink

zum Zuhören als Hörfassung :   

 

 

und zum Lesen:

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Ostern feiern wir, was uns Christus im Wochenspruch verspricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle“. (Offb Joh 1,18):

NL 219
1. Wir stehen im Morgen. Aus Gott ein Schein durchblitzt alle Gräber. Es bricht ein Stein.
Erstanden ist Christus. Ein Tanz setzt ein. Kehrvers: Halleluja, Halleluja, Halleluja, es bricht ein Stein.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, ein Tanz setzt ein.
2. Ein Tanz, der um Erde und Sonne kreist: der Reigen des Christus, voll Kraft und Geist.
Ein Tanz, der uns alle dem Tod entreißt. Halleluja …
3. An Ostern, o Tod, war das Weltgericht. Wir lachen dir frei in dein Angstgesicht.
Wir lachen dich an, du bedrohst uns nicht. Halleluja …
4. Wir folgen dem Christus, der mit uns zieht, stehn auf, wo der Tod und sein Werk geschieht,
im Aufstand erklingt unser Osterlied. Halleluja …

Psalm 118
Der Herr ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Gebet: Lebendiger, lebensschaffender Gott, verankere die Freude dieses Tages in meinem Herzen, damit sie nicht verfliegt im Alltag meines Lebens. Präge mir ins Herz, dass du den Tod überwunden hast, damit ich nicht versinke in Trauer, wenn ich loslassen muss, was und wer mir lieb ist. Spiel mir das Lied vom Leben, damit ich von Hoffnung singen kann, trotz so viel Sterbens in der Welt. Lass das Licht des Ostermorgens mich aufwecken aus Trägheit und Zweifeln. Lass es alle Düsternis aus mir vertreiben.

Lesung: Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. … Der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern, dass er auferstanden ist von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. … Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. (Matthäus 28,1-8)

EG 103
1. Gelobt sei Gott im höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, der für uns hat genug getan.
Halleluja, Halleluja, Halleluja.
2. Des Morgens früh am dritten Tag, da noch der Stein am Grabe lag, erstand er frei ohn alle Klag. Halleluja…
3. Der Engel sprach: »Nun fürcht’ euch nicht; denn ich weiß wohl, was euch gebricht. Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.« Halleluja ...
4. »Er ist erstanden von dem Tod, hat überwunden alle Not; kommt, seht, wo er gelegen hat.« Halleluja …
5. Nun bitten wir dich, Jesu Christ, weil du vom Tod erstanden bist, verleihe, was uns selig ist. Halleluja

 

Rettung ist eines der großen biblischen Themen. Vielleicht das größte überhaupt. Gott ist ein rettender Gott.
So erfährt und tradiert es sein auserwähltes Volk Israel, so erfahren und tradieren wir Christen:innen es seit dem Tod und der Auferstehung Christi.
Der Predigttext für dieses Osterfest erzählt, wie das Volk Israel nach 400 Jahren der Sklaverei in Ägypten von Gott gerettet und in die Freiheit geführt wird.

Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren unter der Macht einer starken Hand ausgezogen. Und die Ägypter jagten ihnen nach mit Rossen, Wagen und ihren Männern und mit dem ganzen Heer des Pharao und holten sie ein, als sie sich gelagert hatten am Meer. Und als der Pharao nahe herankam, fürchteten sich die Israeliten sehr und schrien zu dem HERRN und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast? Haben wir's dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.
Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. 14 Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein. Und die Ägypter sollen innewerden, dass ich der HERR bin. Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie.
Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels.
Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer, mitten ins Meer. Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Männer, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer. So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.
Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt. (2. Mose 14 +15 in Auszügen)

Eine ungewöhnliche Ostergeschichte ist das und doch nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheint.
An „die Rettung im Schilfmeer“ wird schon immer in den Osternachtsfeiern der Kirche erinnert. Die neue Predigttextordnung hat sie in die Textreihe für den Ostersonntag aufgenommen. Für mich ist das ein wichtiger Brückenschlag hin zu unseren jüdischen Geschwistern, die bis heute bei jedem Passahfest sich dieser Erzählung erinnern. Gemeinsame Erinnerung verbindet. Ich suche in ihr für uns die Osterspuren.

Die Rettung am Schilfmeer beginnt mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Den fliehenden Israeliten sitzt der Tod im Nacken in Form des ägyptischen Heeres. „Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?“, werfen die Israeliten Mose vor. Sie sehen keinen Sinn mehr in ihrem Vorhaben, ihr altes Leben in Ägypten verlassen zu haben.
Erinnern wir uns wie es den Freund:innen Jesu ging. Verzweiflung macht sich breit als Jesus am Kreuz hängt. Sie sind drauf und dran, ihn und seine Sache aufzugeben. Manche:r wird gedacht haben. „Warum nur habe ich für Jesus mein altes Leben verlassen. Und alle dachten sie: „Was soll jetzt bloß aus uns werden?“ Furcht begleitet sie in den Ostermorgen. Dem Volk am Schilfmeer und den Jünger:innen ist gemein: die Mutlosigkeit angesichts einer unlösbaren Situation.
„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird“, ruft Mose den verängstigten Menschen am Schilfmeer zu. „Fürchtet euch nicht“, sagt auch der Bote Gottes zu den Frauen am Ostermorgen. Fürchtet euch nicht! Gott selbst wird handeln. Das ist die Botschaft am Schilfmeer und an Jesu Grab. An der Grenze zum Tod wird die Gegenwart Gottes und sein rettendes Eingreifen zugesagt.
Dort am Meer, wo es weder nach vorn noch nach hinten Rettung zu geben scheint, schieben sich der Engel und die Wolkensäule Gottes zwischen das ägyptische Heer und die Israeliten. Hier vor dem Grab Jesu steht der Engel Gottes und weist den Frauen eine neue Blickrichtung: „Ihr werdet ihn sehen“- nicht tot im Grab, sondern lebendig vor euch hergehend.

Am Schilfmeer ist es die wundersame Teilung des Meeres, mit der Gott den Israeliten den Weg aus der Sklaverei in ein neues Leben in Freiheit bahnt. Am ersten Ostertag führt die Auferstehung Jesu den Jünger:innen vor Augen, dass Gott aus dem Tod rettet; dass er stärker ist als alles was, den Tod in sich trägt.

Wie am Schilfmeer so sind es auch am ersten Ostermorgen die Frauen, die nach der Überwindung ihrer Schrecken der Größe und Macht Gottes gewahr werden, das Erlebte in Worte fassen und weitertragen.

Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt“.
In diesem nach der Rettung aufbrausenden Jubel hören wir von der größten Hoffnung des jüdischen Volkes:
Unser Gott, der eine Gott, ist größer als alles; er ist größer als die ganze Welt und mächtiger als alles, was lebt und dem Tode verfallen ist. 
In diesen Jubel stimmen wir am Osterfest mit vollem Herzen ein. Wie für das jüdische Volk ihre Errettung am Schilfmeer, so ist die Auferstehung Jesu für uns Christ:innen der größte Machtbeweis, den Gott uns für immer geben konnte.
Und doch liegt im Klang unseres Osterjubels ein Unterschied zum Lied der Mirjam. Denn die Freiheit, die dem Volk Israel geschenkt wird, hat einen hohen Preis: am Schilfmeer wird das ganze Heer des Pharao vernichtet.
Dieser gnadenlose Härte verdunkelt die besungene neu gewonnene Freiheit.
Dagegen erzählt das Osterevangelium, dass nur einer stirbt, damit viele die Freiheit gewinnen: der Tod. Und alle gewinnen das Leben. Selbst der gekreuzigte Übeltäter neben Jesus ist von diesem neuen Leben nicht ausgenommen: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“, an jenem Ort, wo Leben ein für allemal heil ist und gut.

Ostern stirbt nur einer: der Tod. Und wir dürfen leben! Wir kommen nicht immer trockenen Fußes durch das Schilfmeer. Manches, was unser Leben verdunkelt, wird nicht so einfach weggeschwemmt. In diesen Ostertagen liegt ein Jahr Pandemieerfahrung hinter uns und noch nicht die Freiheit vor uns. Überall in unser Gesellschaft sehen wir die unterschiedlichen Panikreaktionen: Verleugnung, Verweigerung, Resignation, Rückzug, offene Aggression, bittere Vorwürfe an Verantwortliche. Der Druck entlädt sich auf viele Arten. Auch deshalb setzte ich ans Ende meiner Gedanken noch einmal Gottes Wort, das den Verängstigten am Schilfmeer, am ersten Ostermorgen und uns heute Morgen zugerufen ist: „Fürchtet euch nicht!“
Ich höre das in diesen Tagen so: „Kein Angst. Traut euch das Leben neu zu. Fallt nicht wieder in eure alten Gewohnheiten zurück. Die Fleischtöpfe Ägyptens sind Vergangenheit, euer Leben führt nicht mehr zurück in ein Leben mit dem irdischen Jesu, genauso wenig wie in das Leben vor Corona. Sucht mutig und kreativ einen Neuanfang, damit das Leben für alle Menschen und Tiere lebenswerter wird. Seid lebendige Zeichen der Osterhoffnung, denn dort wie hier bin ich, der lebendige Gott, derselbe, der euch leitet, schützt und trägt“.

EG 656
1. Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen, Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen. Kehrvers: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen
Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.
2. Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet, Sklaven, die durch das Wasser gehn,
das die Herren überflutet. Zeichen und Wunder…
3. Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten, wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen. Zeichen und Wunder …

Gebet: Auferstandener, lebendiger Christus! Ich feiere mit dir den Sieg des Lebens und freue mich an der festen Hoffnung, dass die Schatten des Todes weichen müssen aus unserer Welt. Bewahre mir den großen Trost dieses Tages, wenn ich in meinem Alltag erlebe, wie zerbrechlich alles ist, was mir viel bedeutet: Glück, Gesundheit, Kraft. Dein Sieg über den Tod eröffnet mir die Zukunft neu. Dafür danke ich dir. Darum bitte ich dich: Lass uns aus den Fehlern lernen, die nicht zuletzt durch die Pandemie an unserem Lebenstil sichtbar wurden. Lass uns bescheidener werden in unseren Ansprüchen, achtsamer im Umgang miteinander und respektvoller gegenüber der Schöpfung. Du, der du lebendig bist von Ewigkeit zu Ewigkeit und die Schlüssel des Todes und der Hölle hast, hilf, dass sich auch auf der Erde die Pforten der Hölle schließen werden. Vater unser  

EG 549
1. Christus ist auferstanden Freud ist in allen Landen. Lasst uns auch fröhlich singen und Halleluja klingen.
In cymbalis, in cymbalis bene sonantibus: Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halle-----------luja
2. Er hat den Tod bezwungen, das Leben uns errungen. Drum lasst uns fröhlich singen und Halleluja klingen.
In cymbalis, in cymbalis bene sonantibus: Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halle-----------luja

Segen: Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse es leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott schaue lieben auf dich und schenke dir und aller Welt seinen Frieden.