Lese-Gottesdienst am 27. Dez. 2020

Lese-Gottesdienst am 27. Dez. 2020

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Das Unsichtbare sehen wir mit dem Auge des Herzens: „Wir sahen seine Herrlichkeit, voller Gnade und Wahrheit.“

 

33 Brich an, du schönes Morgenlicht, und lass den Himmel tagen! Du Hirtenvolk, erschrecke nicht,
weil dir die Engel sagen, dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein,
dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.

Willkommen, süßer Bräutigam, du König aller Ehren! Willkommen, Jesu, Gottes Lamm, ich will dein Lob
vermehren; ich will dir all mein Leben lang von Herzen sagen Preis und Dank,
dass du, da wir verloren, für uns bist Mensch geboren.

912 Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich, seine Treue verkünden für und für. Du hast gesagt:
„Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten; ich habe David geschworen:
‚Ich will dir festen Grund geben auf ewig, will deinen Thron erhalten für und für‘.
Ich will ihn zum erstgeborenen Sohn machen, zum Höchsten unter den Herrschern auf Erden.
Ich will ihm bewahren meine Gnade, ja, mein Bund soll ihm festbleiben.“ , (aus Psalm 89)

Gott, du hast dein Licht und dein Heil allen Menschen geschenkt. Das Licht des Glaubens hast du in uns entzündet. Öffne unsere Herzen und Sinne für Jesus Christus, in dem dein Heil erschienen ist.

Jes 49,13-16 … Gott ist dabei, sein Volk zu trösten; er will sich der Elenden erbarmen.

      

243 Kann und mag auch verlassen ein Mutter je ihr Kind und also gar verstoßen, dass es kein Gnad mehr find't?
Und ob sich's möcht begeben, dass sie so gar abfiel: Gott schwört bei seinem Leben, er dich nicht lassen will.

Es tut ihn nicht gereuen, was er vorlängst gedeut', sein Kirche zu erneuen in dieser fährlichn Zeit.
Er wird herzlich anschauen dein' Jammer und Elend, dich herrlich auferbauen durch Wort und Sakrament.

Luk 2, 25-38 …nun lässt du mich im Frieden sterben, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen …

Nachdem die ‚Schonzeit‘ für Maria verstrichen war und die Auslösung des Erstgeborenen stattzufinden hat, wandern Maria und Josef von Betlehem nach Jerusalem, um nach der Vorschrift ihren Sohn im Tempel darzustellen und ihn als Gottesgabe anerkennen. An jene Nacht vor sechs Wochen, als einige Hirten den Pferch aufsuchen, in dem das Kind zur Welt gekommen ist, daran erinnern sich Maria und Josef lebhaft. Dem Retter auf dem Thron Davids erweisen sie Ehre. Im Niedrigsten erkennen sie den Höchsten – Grund genug zur Freude. Was die Hirten von diesem Kind gesagt haben, bewegen die Eltern fortan in ihrem Herzen.

Nun begegnen sie im Tempel Simeon und Hanna. Ihrem Alter nach könnten sie die Ur.Ur.Ur-Großeltern sein. Von Simeon weiß Lukas zu berichten, dass er fromm und gottesfürchtig sei, also ein guter Mitmensch mit einem weiten, tiefen Herzen für Gott. Deshalb erkennt er das Besondere, das von diesem Kind zu sagen ist. Erneut fallen den Eltern Worte zu, die im Herzen bewegt werden wollen. Und als könne über diese Begegnung hinaus noch irgendein Zweifel bestehen, bestätigt die 84-jährige Prophetin Hanna zum vierten Male, was es mit diesem Kind auf sich habe.

Nachdem der Priester das Kind gesegnet hat, wie es Brauch ist, erfahren sich die Eltern um des Kindes willen gesegnet und auf den Weg der Erlösung gestellt: eben dazu gesegnet, dass sie die gehörte Verheißung beherzigen und in den Alltag übersetzen und so dem Kind zum Segen werden. Was am Rande der Zeremonie den Eltern zufällt, die Begegnung mit Simeon und Hanna, insbesondere deren Segenszuspruch, verdeutlicht den Eltern, welch große Aufgabe ihnen anvertraut ist.

Mit einem kurzen Ausblick schließt Lukas die Erzählung ab: Sie kehren zurück. In Nazaret erwartet sie der raue Alltag. Doch fortan liegt der Glanz, der von den zugefallenen Segensworten ausgeht, über dem Berufs- und Familienleben: „das Kind wuchs und wurde stark, voller Weisheit - Gottes Gnade war bei ihm“.

Eine besondere Hellhörigkeit zeichnet das Kind aus: es soll sein Volk retten aus Selbstentfremdung und Gottesferne. Es soll heilen und verbinden, soll Frieden und Gemeinschaft stiften unter den Menschen und mit Gott. Der Heilige Geist wird durch Jesus sprechen, wie er durch die Propheten gesprochen hat. Maria und Josef sind die ersten Empfänger der Botschaft.
Wenn der Alltag Fragen aufwirft, braucht man eine verlässliche Orientierungshilfe. Auch wir brauchen Worte, die zum Glauben einladen und im Glauben festigen. Worte, die in Gang setzen, was sie ankündigen: Heil.

Simeon wartet auf den Trost Israels. Er ist im hohen Alter ein wacher Mensch mit Erwartung. Er ist weder abgestumpft noch übersättigt; viel­mehr hält er Ausschau, wann und wie die Zeit des Friedens anbricht.
Wenn wir von Lebenserwartung sprechen, meinen wir vordergründig die Anzahl der Jahre, Gesundheit, auch Erlebnishunger. Jeder möchte so viel vom Leben mitbekommen wie möglich. Simeons Lebenserwartung richtet sich nicht nur auf die Erfüllung seines eigenen Lebenswegs. Er erwartet den, der die Quelle des Lebens ist und der Leben stiftet, der den Traurigen Freude schenkt, in den Verzweifelten Hoffnung weckt, die Niedergeschlagenen aufrichtet, der den Niedrigen und Demütigen den Himmel auf die Erde bringt.

Simeon erwartet den heilenden Gott, der den glimmenden Docht nicht auslöscht und das geknickte Rohr nicht zerstößt. Er erwartet den Heiland so, wie die Propheten die Weichen für sein Kommen gestellt haben:
Gott mitten unter den Menschen, Gott menschenfreundlich mit Leib und Seele, einen Gott, der mitfühlt, mitleidet, der mit uns jubelt, wenn unter uns das Heil und der Friede erblühen.

Simeon und Hanna sind realistisch genug, um zu sehen, dass die Alltagserfahrung immer ein gerüttelt Maß an Leid und Schmerz aufweist. Doch das nicht allein: Simeon und Hanna tragen Hoffnung in sich wie ein Licht. Sie atmen die Zuversicht, dass alles Leid gewendet wird zur Freude. Sie blicken auf eine heilvolle Zukunft voraus, das lässt sie in ihrem hohen Alter geradezu jugendlich erscheinen.

Menschen wie Simeon und Hanna leben zahlreich unter uns, Menschen, in denen ein Feuer brennt, die ein Licht in die Welt tragen. Sie vereinsamen nicht in den dunklen Zeiten der Kontaktbeschränkung. Viele von ihnen haben Krieg, Flucht, Zerstörung und bittere Not erlebt – und sind innerlich stark geworden.

Menschen mit Glaubenserfahrung braucht unsere Welt angesichts der geistigen Vergiftung durch düstere Fantasien. Menschen mit Gottvertrauen, geistige Lokomotiven braucht unsere Welt angesichts der wirtschaftlichen Sackgassen, die wir uns schaffen.
Wir, die ältere Generation, hinterlassen unseren Kindern und Enkeln Häuser, Weinberge, Sparguthaben – und einen Berg von Problemen. Das reicht aber nicht zum Leben. Unsere Nachkommen brauchen unsere Lebenserfahrung. Erst recht soll das Licht, das unsere Hoffnung nährt, auf ihren Weg vorausleuchten.

Und darüber muss geredet werden:
Was bedeutet es inmitten von Pandemie, sozialer Zerrissenheit, militärischen Konflikten, Umweltschäden und der Trägheit, unseren Lebensstil zu ändern, dass in dem Kind der Maria der Retter der Welt vor uns steht?

Simeon sieht die Zeit des Heils anbrechen - denn dieses Kind weist auf die Chancen des Kindseins eines jeden Menschen hin. In dem Kind bahnt sich die Zukunft an. Unser Heil beginnt da, wo wir beginnen, kindlich zu sein - angewiesen, bedürftig, arglos und verletzlich. Gerade so wachsen wir im Glauben der Zukunft Gottes entgegen. Simeon wartet auf das Heil, die Eltern wundern sich darüber. Das Kind wächst daran.

Was kann man in einem Kind erkennen? Nicht, ob es einmal ein Fußballstar oder ein Nobelpreisträger werden wird. Aber dies kann man in jedem Kind sehen: die Chance, ein Mensch zu werden,
der mit sich selbst einig, mit anderen im Frieden und mit Gott in Gemeinschaft lebt.

Wenn wir ein Kind anschauen, können wir uns nur wundern. An seinem Gesicht können wir seine Zukunft nicht ablesen. Aber in sein Herz und in seine Seele können wir Gutes - oder Schlechtes - hinein-schreiben - und damit Gaben entwickeln (oder hindern), mit denen das Kind einmal selber fähig wird, Leben zu fördern. Was Kinder brauchen ist Nähe, Zeit, Wärme, Offenheit. Kinder brauchen Achtung vor ihrem Kindsein, d.h. vor der Eigenständigkeit ihres noch unselbständigen Lebens.

Was wir den Kindern vorleben müssen, ist das Staunen, die Freude an den kleinen Dingen, die Zuwendung zu dem Schwachen. Denn das Gute und Schöne ist zart und leicht zu verletzen. Was die Kinder uns vorleben, ist dies: Sie leben im Vertrauen. Das kann uns helfen, frei zu werden von Selbstüberhebung und Selbst­überforderung. Das hilft uns, menschlich zu werden.
An Jesus fällt - wie an jedem Kind - die Entscheidung: ob wir durch das Kind-Sein tieferes Leben finden oder ob wir in Geschäftigkeit, Fürsorge und projizierten Wünschen Erfüllung suchen - und verfehlen.

Simeon wartet, nimmt wahr und segnet. Die Eltern wundern sich über seine Worte. Das Kind wächst daran. Worte, die Zukunft ansagen, sind wie Schlüssel, die Türen aufschließen. Mit zukunftweisenden Worten können wir getrost in den Alltag zurückkehren. Und unseren Kindern können wir vorleben, dass der Friede, der in der Welt immer wieder gekreuzigt wird, in unseren Herzen beginnt.
Ausgesät ist er über die Welt. Von schützenden, segnenden Händen wird er verbreitet. Die Gnade Gottes hat in dieser gnadenlosen Welt eine Chance. Das macht Mut. Das lässt uns hoffen. Amen.

 

37 Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.
O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!

Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen:
dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen.
So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.

Gott, dein Licht gibt der Welt Leben – doch wir verbreiten so viel Finsternis. Lass dein Licht hell erstrahlen, damit wir zur Einsicht kommen, Hoffnung schöpfen und tun, was dem Frieden dient.

Du Kind in der Krippe, werd‘ auch in uns nun geboren - und lass uns neu geboren werden in dir.
Hilf uns, in deinem Licht die Menschen zu sehen, wie du sie gemeint hat, nicht entstellt durch Misstrauen, Ichsucht und Hass, sondern als Ebenbilder deiner Güte und Boten deiner Liebe.

Hilf uns, in deinem Licht die Erde zu sehen, wie du sie geschaffen hast, nicht zerstört durch unsre Habgier,
sondern als Wunderwerk deiner Weisheit, als Lebensraum für alle Lebewesen.

Hilf uns, im Vertrauen auf dich Geduld zu üben, Mut zu wecken, Wunden zu heilen, Gebeugte aufzurichten, Einsame zu begleiten, Traurige zu trösten. Bewahre die Verstorbenen in deiner Liebe. Darum beten wir: Vater unser...

 

222 Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen. Wie mir dein Mund gegeben kund,
schenkst Gnad du ohne Maßen, hast mein Gesicht das sel'ge Licht, den Heiland, schauen lassen.

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden. Amen.