Lesegottesdienst Kantate 2. Mai 2021

Lesegottesdienst Kantate 2. Mai 2021

(Text: Ulrich Koring, Musik: Susanne Weingart-Fink)

GOTT sei mit dir: in der Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über, auch wenn es auf ungläubige Ohren trifft: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

326 Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut, dem Vater aller Güte, dem Gott, der alle Wunder tut, dem Gott, der mein Gemüte mit seinem reichen Trost erfüllt, dem Gott, der allen Jammer stillt. Gebt unserm Gott die Ehre!

Es danken dir die Himmelsheer, o Herrscher aller Thronen; und die auf Erden, Luft und Meer in deinem Schatten wohnen, die preisen deine Schöpfermacht, die alles also wohl bedacht. Gebt unserm Gott die Ehre!

Ich will dich all mein Leben lang, o Gott, von nun an ehren, man soll, Gott, deinen Lobgesang an allen Orten hören. Mein ganzes Herz ermuntre sich, mein Geist und Leib erfreue dich! Gebt unserm Gott die Ehre!

Ps 95 Kommt, lasst uns frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und ihm jauchzen!
Der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.
In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, die Höhen der Berge sind sein.
Sein ist das Meer, er hat's gemacht, auch das Trockene hat er bereitet.
Kommt, lasst uns anbeten und niederfallen vor dem HERRN
Er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide.

Gott, dich loben deine Werke, Wind und Regen, Sonnenschein und Blumen, der Tag und die Nacht. Wir kommen zu dir mit unser Freude und Dankbarkeit. Auch unsere Nöte und Sorgen breiten wir vor dir aus. Lass uns nicht stecken bleiben in Angst und Enttäuschung, dass wir nicht verstummen in Trauer und Bitterkeit, sondern mach unser Leben zu einem Lobgesang auf deine Güte.

Jesaja 62: Ich will nicht schweigen, von Jerusalem will ich verkünden, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel. Man soll dich nicht mehr nennen ‘Verlassene‘ und dein Land nicht mehr ‚Einsame‘, sondern du sollst heißen Meine Lust und dein Land Liebe Frau; denn der HERR hat Lust an dir. Siehe, dein Heil kommt! Man wird dich nennen
Heiliges Volk, Erlöste, Gesuchte und Nicht mehr verlassene Stadt.

611 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe… (1-3).

Luk 19, 37-40: „Friede vom Himmel her und Ehre in der Höhe“ – wer kann den Mund so voll nehmen und lauthals vor Freude Gottes Ehre ausrufen? Wer oder was gibt den Pilgern das Recht dazu? An der Spitze des Zuges geht nicht der Chor der Leviten und Musiker, ihnen folgen nicht die Priester und Ältesten. Das Jubelgeschrei geschieht spontan, aus Überzeugung und aufgrund von Erfahrung, eben angesichts der Taten, die sie gesehen hatten.

Kranke hat er geheilt, Ausgestoßene rehabilitiert, Sündern die Vergebung zugesprochen. Augenzeugen waren sie – nicht allein durch Sinneswahrnehmung, vielmehr haben sie mit dem Herzensauge gesehen, wie Geist und Liebe einen Menschen verwandeln. An seinen Taten haben sie den Messias erkannt, so dass sie voll Freude rufen: Friede vom Himmel her und Ehre in der Höhe!
Dieses Gotteslob sangen die Engel, die den Hirten die Geburt des Retters und Davidsohnes verkündeten: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, weil Gott sie liebt. Die Pilger steigen nicht träumerisch in den Himmel, weil sie sich irdischer Verantwortung entziehen. Vielmehr rufen sie Ehrerbietung hinauf und Frieden auf die Erde herab, weil sie gesehen haben, wie Friede aufblüht und Heilung zustande kommt.

Lukas lässt auch die Gegenstimmen zu Wort kommen, die das Jubelgeschrei ablehnen. Einige der Pilger gehören zu den Pharisäern. Sie wissen, was richtig und was falsch ist. Sie buchstabieren die Pflichten gegenüber Gott und den Mitmenschen vorwärts und rückwärts, doch die Hoffnung auf das Kommen des Erlösers begraben sie unter der geschuldeten Pflicht.

Wahrscheinlich sind auch sie Augenzeugen und haben die gleichen Beispiele von Heilung gesehen, aber sie ziehen daraus andere Konsequenzen. Was ist die Heilung, die ein Einzelner erfährt, gegenüber der Tradition des ganzen Volkes, gegenüber der Tora und dem Tempel, gegenüber dem Segen, den Gott den Gerechten zukommen lässt. Sie mahnen zur Nüchternheit. Sie haben gut verstanden, was die Pilgerschar skandiert:

185,2 Gelobt sei, der da kommt, im Namen des Herrn!

Soll der unscheinbare Prediger aus Galiläa, der auf dem Esel reitet, der Messias sein? Ein gewöhnlicher Mensch, ein schlichter Bauarbeiter, ohne Macht, ohne politische Ambition? Dieser Mann kann nicht der Arm Gottes sein.

Doch die Pilger haben Recht. Ihre Freudenrufe heben den Kern des jüdischen Glaubens hervor. Ähnlich haben ihre Väter und Mütter gesungen; Leviten haben mit Pauken und Posaunen erschallen lassen: Gott kommt – er setzt Recht in Kraft und bringt so die Welt in Ordnung. Gott kommt – und richtet die Gebeugten auf. Gott kommt – und legt die Regierung in die Hand seines Gesalbten. In diesem Sinne wurde früher die Inthronisation des Königs gefeiert. Der Lobpreis der Pilger gehört zum Repertoire der Huldigung des Himmelskönigs, den der irdische König repräsentiert. Gelobt sei, der da kommt und den Thron besteigt im Namen des Herrn!

180.2 Gott in der Höh sei Preis und Ehr, den Menschen Fried auf Erden!

Die Geschicke Israels waren oft chaotisch, der Gott des Himmels und der Erde hatte oft nur einen gebrochenen Einfluss auf sein Volk. Die jüngste Vergangenheit war erfüllt von Krieg und Korruption; der Tempel wurde entweiht, die Stadt mehrfach beschädigt und wiederhergestellt. Streit und Feindschaft entzündete sich daran, dass die einen danach strebten, die Lebensweise der Umwelt anzunehmen, die anderen auf Absonderung und Reinhaltung Wert legten. Wie klar klingen die alten Prophetenworte gegenüber der zerzausten Gegenwart:

Ich will nicht schweigen, rufen will ich, bis deine Heilung
aufgehe wie ein Glanz, denn der HERR hat Lust an dir.

Wie tritt die Gottesherrschaft in Erscheinung? Wie können wir die von Gott gewirkte Heilung erfahren? Sie wird sich an einzelnen Menschen vollziehen, sie ergießt sich nicht wie eine Volksimpfung übers Land. Das Heil Gottes wird von denen erkannt, die mit dem Herzen sehen und hören können. Der Friede, der im Himmel entspringt, wird von Mensch zu Mensch weiterwachsen und dort leibhaftig werden, wo Böses nicht mit Bösem vergolten wird; wo Geltungssucht nicht in den Vordergrund drängt. Der Friede, der ein Stück vom Himmel auf die Erde bringt, nimmt dort Gestalt an, wo die Liebe im Erleiden des Unrechts die böse Zunge, die harten Ellbogen und das Schwert entmachtet.

611 Ehre sei Gott und den Menschen Frieden … auf Erden.

Wo immer die Gläubigen Pessach als Fest der Befreiung feiern, verabschieden sie sich mit dem Wunsch: „nächstes Jahr in Jerusalem“. Damit bezeichnen sie nicht die ehrwürdige Stadt, sondern ihre eigene Befindlichkeit: „noch leben wir eingeschränkt von innerer und äußerer Knechtschaft, noch leben wir in einer von Leid erfüllten Welt, bald aber im Licht; jetzt noch eingesperrt in Gewohnheit und Begehrlichkeit, nächstens aber frei.“ So gilt es, die Welt des Todes immer wieder zu verlassen und in eine Zukunft aufzubrechen, die von innen heraus gütig, barmherzig, sanftmütig ist und gerechte Lebensverhältnisse hervorbringt. Dann gehen wir auf den Wegen des Lichts.

Als der Arzt und Schriftsteller Lukas vom Wirken der Apostel in der jüdischen Heimat und von der Ausbreitung der Frohen Botschaft bis nach Griechenland erzählt, hatte der Ostergruß „Nächstes Jahr in Jerusalem“ einen bitteren Geschmack angenommen. Denn Jerusalem lag in Schutt und Asche. Der römische General Titus hatte den jüdischen Aufstand niedergeschlagen, die Mauern zerbrochen, die Stadt niedergebrannt. Kein Pilger, kein Levit, allein die Trümmer des Tempels riefen die Ehre Gottes aus.

326,8 Ihr, die ihr Gottes Macht bekennt

Die schreienden Steine geben Lukas Anlass, diese Begebenheit so zu erzählen, dass trotz äußerer Zerstörung die innere Freiheit zur Geltung kommt. Der Lobpreis der Pilger und die Huldigung des Messias lassen nicht nur den Glanz vergangener Tage, sondern das göttliche Heil heute und morgen aufscheinen.

Friede ist, wo sich der Himmel ausbreitet, und Ehre erschallt in der Höhe. So riefen die Pilger, erfüllt von Hoffnung und Vorfreude. Doch diese Proklamation halten die Pharisäer für brandgefährlich. Sie wollen dem Treiben Einhalt gebieten. Es sei nicht die Zeit, von Befreiung zu reden, schon gar nicht vor den Ohren des römischen Kommandeurs. Sie fordern Jesus auf: „Bring deine Fangemeinde zum Schweigen. Andernfalls machst du dich schuldig, weil du dich zum König ausrufen lässt und dir anmaßt zu sein, was du nicht bist. Jesus weist die Forderung zurück: Das Reich Gottes besteht nicht in der Verbindung von Thron und Altar. „Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

Wenn Steine reden, waren die Ohren vermauert und die Herzen versteinert. Die Trümmer Jerusalems bezeugen, dass eine Verständigung gescheitert ist, die gerade hier hätte glücken müssen. Alte Verheißungen haben in Aussicht gestellt, dass hier das Himmelreich auf Erden anbrechen solle. Nicht nur die Völker der Erde sollten hier zur Verständigung miteinander kommen, sondern an diesem Ort sollte es zum Einklang zwischen Gott und Mensch kommen und so unzerstörbarer Friede werden.

Wer Frieden empfängt, der empfängt Gott. Mit Frieden umschreiben wir, wie ein Leben zur Erfüllung kommt, wenn eine Beziehung gelingt. Wo dagegen ein verkrampftes Ich sich um sich selber dreht, da kann Leben nicht gelingen.

170, 3 Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden…

Durch Christus befreit zu leben bedeutet, dass wir uns einander zuwenden, dass die einen von ihrem Sockel herabsteigen, die anderen aus ihrer Erniedrigung aufstehen. Frieden gründet auf Respekt und Anerkennung, das bedeutet, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Frieden ist möglich, wo auf Gewalt verzichtet wird und Benachteiligung aufgehoben und Unrecht vermieden wird.

Wo solche Friedensarbeit geschieht, wird mit Freude und Zuversicht jubiliert und ausgerufen: Weicht, ihr Trauergeister, weicht, Corona-Schrecken. Wir sind geliebt. Gott will, dass wir leben und uns um einander kümmern. Amen.

NL56 Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben Dir sing ich mein Lied.

Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens,..

Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst, du Hüter des Lebens …

Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden, du Wunder des Lebens…

Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben.
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung, du Freundin des Lebens…

Gott, In den Schwachen bist Du mächtig, in den Geringen groß.
In Verzweiflung schenkst du neue Kraft und Zuversicht.
Lass Halt finden und Kraft schöpfen, die in diesem Hause ein- und ausgehen.

Öffne unser Herz für das Unsichtbare,
damit wir mit sicherer Hand das Sichtbare gestalten.

Lass Glaube, Hoffnung und Lieben in uns wachsen, dann kann jeder Tag ein Lobgesang werden, von dir kommt unsere Freude, zu dir geht unser Dank.

Sei den Einsamen nahe, steh den Kranken bei, nimm die Sterbenden auf in deinen Frieden. Hilf uns, Not und Unrecht zu überwinden, damit alle Menschen Arbeit und Brot haben, ihr Leben teilen und in Frieden leben. Vater unser…

NL86 Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht,
und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir
heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, :/:

Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält,
und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott…

Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist,
und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, dann hat Gott …

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte,
die Kraft deiner Hände und gebe dir Frieden. Amen.