Lese-Gottesdienst am 6. Jan. 2021

Lese-Gottesdienst am 6. Jan. 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Oft übersehen wir über dem Negativen das Positive:Die Finsternis vergeht, das wahre Licht scheint schon.“

70 Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse. Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen; lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben.

714 Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?

Er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, Gott birgt michE im Schutz seines Zeltes
Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, du bist meine Hilfe, lass mich nicht im Stich. (aus Psalm 27)

Gott, dein Licht erstrahle unter uns. Bewahre das Vergangene im Frieden und schenke uns Zuversicht für das Kommende. Öffne unsere Herzen und Sinne für Jesus Christus, in dem dein Heil erschienen ist.

Matth 2,1-12 … Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut ….

656    

Das Volk, das noch im Finstern wandelt – bald sieht es Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel dein Gesicht und steh und lausche, weil Gott handelt.

Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen, wo Tod den schwarzen Schatten wirft:
Schon hört ihr Gottes Schritt, ihr dürft euch jetzt nicht mehr verlassen wähnen.

Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen, nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit, weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.

Die Liebe geht nicht mehr verloren. Das Unrecht stürzt in vollem Lauf.
Der Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf und ruft: »Uns ist ein Kind geboren!«

Dann stehen Mensch und Mensch zusammen vor eines Herren Angesicht,
und alle, alle schaun ins Licht, und er kennt jedermann mit Namen.

Jes 60,1-6 Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt, der Glanz Gottes erstrahlt über dir.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. An vielen Redewendungen wird das deutlich. Wir sagen: „ich bin auf dem Weg der Besserung. Ich gehe vor Gericht. Mit diesem Problem müssen wir in die Öffentlichkeit gehen.“ Bei Rechenaufgaben reden wir vom Lösungsweg, bei der Berufsausübung vom Aufstieg in höhere Position, bei der Geschäftsführung vom steilen Weg zum Erfolg. Unseren Werdegang zeigen wir im Lebenslauf.

Ein Weg ist weit mehr als ein Streifen in der Landschaft. Ein Weg ist im Wesentlichen eine Bewegung, ein Prozess, ein Voranschreiten, ein Aufbrechen und Weitergehen. „Ohne Gehen läuft nichts.“ Das gilt es zu hören und zu tun; dazu fordert uns der Prophet heraus: Mache dich auf!
Was kann aus dem soeben begonnenen Jahr werden, wenn wir in Furcht, Sorge, Resignation erstarren?
Wie soll das Jahr in die Gänge kommen, wenn wir sitzen bleiben? Darum:
Mache dich auf!

Der Zuruf steigert sich: anstatt blindlings herumzuirren, anstatt im Dunkel zu tappen, hören wir: werde licht! Zukunft entsteht, wenn sie heute beginnt. Das Licht am Horizont legt einen Widerschein in unser Herz und ermutigt uns, schon heute Licht zu verbreiten: ein Signal der Solidarität, die Glut der Hilfsbereitschaft, das Feuer der Freude. Mache dich auf, werde licht. Tritt heraus aus dem Dunkel der Sorge, aus der Schattenwelt der Zweifel. Gib Raum der Hoffnung, reiß die Fenster auf, atme Zuversicht, geh mutig voran – werde licht!

Denn dein Licht kommt. Erst im dritten Zuruf wird klar, dass sich etwas Neues Bahn bricht: Licht kommt, das hell auf deinen Weg scheint. Das Licht ist unaufhaltsam. Sein Aufgang leidet keinen Zweifel. Ob es uns erreicht, erleuchtet, ob es uns verwandelt, das hängt davon ab, ob wir uns dem Licht öffnen.

M ache dich auf, werde licht, dein Licht kommt. Auf diese Frohe Botschaft könnte ich Amen sagen. Aber weil der Prophet sein Handwerk versteht, redet er weiter: „Finsternis liegt auf der Erde, Dunkel umhüllt die Völker, aber über dir geht auf der Herr, sein Glanz erstrahlt über dir.“ Der Weckruf führt uns in die Begegnung: Gott kommt! Wie die Sonne aufgeht, so erstrahlt seine heilende, belebende Kraft über uns. Das tut uns gut.

Ein schweres Jahr liegt hinter uns: manche sind glimpflich davongekommen, anderen hat die Lungenkrankheit hart zugesetzt. Was wir in jedem Alter brauchen, Nähe, Berührung, Umarmung, ist zur Lebensgefahr geworden: Freunde, Geschwister, Ehepartner haben einander angesteckt, Enkel ihre Eltern und Großeltern. Aber die Not hat viele auch erfinderisch gemacht, um zu helfen und zu ermutigen. Unsere medizinischen Fachkräfte haben mit großem Einsatz viele Kranke gesund gepflegt. Liebe und Mitverantwortung verpflichten uns zu striktem Schutz auch im neuen Jahr. Denn die Schatten des alten fallen weit voraus. Viele Gastwirte, Einzelhändler, Kulturschaffende, Dienstleistende und viele Beschäftigte fürchten, dass der Verdienstausfall sie ruiniert.

Ihre Sorgen bilden nur die Schaumkrone über vielen anderen Problemen: Verschwörungsfantasien, fake-news, Fanatismus. Produktion im Billiglohn, Massentierhaltung, Massentourismus - aber Flüchtlinge hausen in überfüllten Lagern und durchnässten Zelten – so muss kein Tier leben. Traurig, aber wahr.

Alarm auf allen Seiten. Doch nicht allein unser Wohlergehen ist bedroht, sondern die ganze Menschheit, samt der Tier- und Pflanzenwelt. Doch wir müssen nicht die Erde retten, sondern uns, wir müssen uns ändern.

Auch die Hörer des Propheten kennen ihre Fehler. Er bringt es kurz auf den Punkt: Finsternis auf der Erde, in Dunkel gehüllt die Völker. Wer kann die kranke Menschheit aus dem Taumel ihrer Selbstzerstörung reißen? Licht kommt rettend zu Hilfe: über dir geht auf der Herr.
Im Sinai habe ich ein solches Aufscheinen erlebt: Noch deckt der Himmel sein samtiges Nachtblau übers Tal, da flammt am Horizont ein schmales Morgenrot auf. Im Nu streckt der neue Tag seine goldenen Finger in den noch tiefblauen Himmel. Dann steigt die Sonne strahlend wie ein Sieger über den Zackenkranz der Bergspitzen. Das schlafende Tal füllt sich zusehends mit Licht, Felsflanken, Tamarisken und Wege zeichnen sich ab.

Unter klarem Nachthimmel erleben wir den anbrechenden Tag und sein strahlendes Licht anders als unter einem wolkenverhangenen undurchdringlichen Grau. Aber auch da gilt: Dein Licht kommt, Gott erstrahlt über dir. Über allem, was die Nachrichten vermelden, inmitten aller Alltagsprobleme geht Gott auf - wie die Sonne. Als Zuschauer werden wir das nicht wahrnehmen, wir müssen selber hellwerden, so wird er uns erscheinen.

Mit Gott flammt Freude und Zuversicht auf: Die düstere Vergangenheit - Vertreibung und Zerstreuung - sinkt selber ins Dunkel der Geschichte. Gemeinschaft entsteht, Selbstverwaltung, Kultur und Identität blühen auf. Wie in einer Prozession streben die Zerstreuten aus aller Welt an den Ort, wo Gottes Licht erstrahlt. Der große Zustrom würde jedoch die Stadt in eine neue Katastrophe stürzen, wenn nicht gleichzeitig mit den Heimkehrenden auch viele Güter ins Land flössen und den Lebensunterhalt aller sicherten. Der Prophet sieht Delegationen der Völker und Karawanen nach Jerusalem pilgern. Sie bringen, was die Erde Gutes bietet. neben Früchten und Gewürzen Gold für die Hand des Königs und Weihrauch für die Hand des Priesters.

Lieferketten sind der pragmatische Ausdruck für Segen und Wohlergehen. Die Konjunktur zieht an, die negative Handelsbilanz und wirtschaftliche Abhängigkeit sind überwunden. Zugleich florieren Religionsausübung und soziale Gerechtigkeit. Im Warenzustrom stehen Gold und Weihrauch an oberster Stelle, das bedeutet aber nicht Zuwachs an Privatvermögen; vielmehr weisen diese Schätze auf die Grundlage des Gemeinwohls hin. Gott gebührt Ehre und Lob, von Recht und Barmherzigkeit aber leben die Menschen. „Wenn du das Unrecht aus deiner Mitte verbannst, wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte“ mahnt der Prophet.

Unsere Regierung bietet riesige Summen auf, um uns vor Covid-19 zu schützen. Zugleich haben wir gelernt, wertzuschätzen, was uns trägt: frische Luft, gesunde Nahrung, nette Nachbarn, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl. Manche haben entdeckt, dass ein achtsames Familienleben interessanter ist als am Handy zu kleben.

In wacher Mitmenschlichkeit steckt mehr Leben als in der vermeintlichen Normalität. Darum lasst uns dem, der uns trägt, auch Gold und Weihrauch bringen. Befolgen wir den Ruf: Mache dich auf, werde selber zum Licht in dunkler Zeit. Denn der Glanz Gottes geht über dir auf.

Wir können nicht sagen: wir hätten nicht gewusst, was zu tun sei: Kranke pflegen, Einsame besuchen, Hungrige speisen, Nackte kleiden, Obdachlose ins Haus führen, Traurige trösten, die Mitmenschen lieben und demütig sein. Drum mache dich auf, werde licht, dein Gott kommt. Amen.

555 Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit, durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit.
Kehrvers: Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.

Ein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt, erfüllt den Tag, dass es jeder spürt. Licht der Liebe :/:

Ein Licht macht uns froh, wir sind nicht allein. An jedem Ort wird es bei uns sein. Licht der Liebe :/:

G ott, sei uns nahe an hellen und an dunklen Tagen. Scheine hell hinein in Einsamkeit und Trauer, Konflikt oder Trennung, Arbeitslosigkeit oder Stress. Hilf, Probleme anzupacken, statt sie auf die lange Bank zu schieben.

Für viele stellt das neue Jahr auch neue Aufgaben: Schulabschluss, Suche nach Arbeit, Neuorientierung.
Hilf ihnen, sich offen auf Neues einzulassen.

Erscheine uns mit Güte, damit wir die Schwachen stärken, die Traurigen trösten, die Verzagten ermutigen.
Erscheine uns im Feuer der Läuterung, wenn wir uns selbst gefallen und die Mitmenschen übergehen.

Erscheine mit Trost den Einsamen, den Kranken, den Sterbenden, den Trauernden.
Weil wir dir und deinem Frieden entgegen gehen, beten wir: Vater unser...

74 Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend'ger, hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt als Hilf und Hort uns zugesellt

Gott segne dein Aufbrechen und Weitergehen - er sei mit dir in allem Wandel.
Gott segne deine Liebe zu allem, was lebt. und deine Empörung über das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände.

Gott erleuchte dich, mache deinen Weg hell und segne dich - der Vater - durch den Sohn - im Heiligen Geist.