Gründonnerstag, 1. April 2021

Gründonnerstag, 1. April 2021 Predigt von Pfarrer i.R. Manfred Kuhn

 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Über dem Gründonnerstag steht das Wort aus Psalm 111: „Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR.“

Lied 545,1 Ach mein Herr Jesu, wenn ich dich nicht hätte, und wenn dein Blut nicht für die Sünder redte, wo sollt ich Ärmster unter den Elenden mich sonst hinwenden?

Gebet: Herr Jesus Christus, du bist uns zulieb und uns zugut den Weg ans Kreuz gegangen. Hab Dank dafür. Bitte lass uns die Kraft deiner Erlösung täglich erfahren. Danke, dass uns das Abendmahl Wegzehrung für unser irdisches Leben ist und Vorspeise auf das Festmahl in deinem Reich. Segne uns bitte, stärke unseren Glauben und die Gemeinschaft mit dir und miteinander. Amen

Lied 787.2 Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet.

Gottes Wort lesen wir im Matthäusevangelium 26, 17-30.

In dieser Woche feiert das Judentum das Passafest. Heute ist der 5. Tag. Das Passahfest erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Es wird auch Tag der ungesäuerten Brote genannt, weil das Volk Israel 7 Tage lang ungesäuertes Brot isst zur Erinnerung an den hektischen Aufbruch aus Ägypten. Das Passafest hat eine lange Tradition. Auch Jesus hat es mit seinen Jüngern gefeiert. Zuerst musste ein geeigneter Festsaal gefunden werden. Dazu schickte Jesus seine Jünger voraus, den Raum und das Passamahl vorzubereiten. Was gehört alles dazu?

Zu den Speisen des Sederabends, der den Auftakt des Passahfestes bildet, gehören bittere Kräuter, die an die bittere Zeit der Sklaverei in Ägypten erinnern. Und Salzwasser als Symbol für die Tränen, die das Volk Israel in Ägypten vergossen hat. Drittens ein Früchtebrei aus geriebenen Äpfeln, Nüssen Zimt und anderen Gewürzen, zur Erinnerung an die harte Zwangsarbeit, als die Israeliten aus Lehm Ziegel herstellen mussten für die Pyramiden und Paläste des Pharaos.

Ferner ein gebratener Lammknochen, der das Passahlamm abbildet, das für die Erstgeborenen starb. Sein Blut an den Türpfosten bedeutete Leben für den Erstgeborenen. Ganz wichtig die ungesäuerten Fladenbrote, hebräisch Mazzen, Brot des Elends. Beim Auszug war keine Zeit mehr, den Brotteig mit dem Sauerteig gehen zu lassen.

Grüne Kräuter z. B. Petersilie waren ein Zeichen für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auch das gekochte Ei ist ein Zeichen für die Hoffnung auf neues Leben und die Fruchtbarkeit. Und schließlich symbolisiert der Wein (4 Becher) die Freude auf die Zukunft, die Gott den Menschen eröffnet. Das Passamahl ist ein Erinnerungsmahl, aber auch ein Freudenmahl voller Jubel und Fröhlichkeit. Gott schenkt Leben in Freiheit, das ist der Tenor des Passahfestes.

Aber nun fällt ein Schatten auf dieses Festmahl. Jesus deutet es an mit den Worten: „Meine Zeit ist nahe!“ Wenige Stunden trennen Jesus noch vom Ziel seines irdischen Lebens, vom qualvollen Sterben am Fluchholz des Kreuzes. Die Jünger ahnen nicht, dass dies ihr letzter Abend mit Jesus hier auf Erden ist oder haben den Gedanken verdrängt. Dieses Mahl ist zugleich ein Abschiedsmahl.

Und noch ein Schatten liegt auf diesem Passahmahl, der Schatten des Verrats. Der Verräter sitzt mit am Tisch. Die Jünger sind darüber sehr betrübt. Sie fragen Jesus: „Herr, bin ich’s?“ Jesus nennt keinen Namen. Auch Judas fragt mit einer Unschuldsmiene: „Bin ich‘s, Rabbi?“ Warum eigentlich? Judas hat doch längst den Verrat eingefädelt. Mit den Hohepriestern hat er ein Kopfgeld von 30 Silberlinge ausgehandelt. Jesus sagt kurz und knapp: „Du sagst es.“ Aber Jesus schließt ihn nicht vom gemeinsamen Mahl aus und wirft ihn hinaus. Er stellt ihn nicht einmal zur Rede. Was hab ich dir getan? Er bricht die Gemeinschaft zu Judas nicht ab. Er bleibt treu.

Zur großen Überraschung der Jünger gibt Jesus dem Passahmal einen neuen Sinn. Jesus brach das Brot, dankte und brach‘s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset, das ist mein Leib. Dann nahm er den Weinkelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des neuen Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Aus dem Passamahl wird das Mahl der innigen Verbundenheit mit Jesus, das Mahl der gelebten Gegenwart Gottes.

Jesu irdisches Leben geht zwar am Kreuz bitter zu Ende, wo er alle Last und Sünde auf sich genommen hat. Aber in Wirklichkeit ist gar nichts zu Ende. Sein Leben geht hinein in einen neuen Anfang, wo er ohne Ende bei Gott für uns eintritt. Er ist unsere Lebens-versicherung, er schenkt uns Leben in Freiheit. Unsere Sündenschuld dürfen wir an seinem Kreuz niederlegen. Auch die Gemeinschaft mit seinen Jüngern geht nicht zu Ende, sondern wird nach der Auferstehung mit dem Auferstandenen fortgesetzt.

Uns ist gesagt: Für euch, ja für viele, zur Vergebung eurer Sünden. Im Abendmahl wendet sich Christus jedem von uns ganz persönlich zu: Nichts trennt dich mehr von Gott, denn für deine Schuld und dein Versagen komme ich mit meinem Leben und Sterben auf. Mein ewiges Leben gehört jetzt auch dir. Das Abendmahl ist das Mahl der Befreiung von der Sklaverei der Sünde.

Auch für uns heißt es: Nimm und iss und glaube, dass Gott dir deine Sünden vergibt und dir ewiges Leben schenkt. Überlass ihm, was dein Gewissen beschwert. Wir dürfen vom Abendmahl befreit von der Sünde und mit seiner Kraft auf den Weg des Glaubens und der Nachfolge gehen.

Das Abendmahl ist auch Zukunftsmahl. Die nachösterliche Kirche kommt hier schon in den Blick. Und das Abendmahl ist ein Wiedersehensmahl. Jesus wird mit seinen Jüngern ein gemeinsames Freudenfest im Reich seines Vaters feiern. Auch mit uns. Das ist das Ziel. Leben, Freude, Liebe, Gemeinschaft.

Am Ende des Abendmahls sangen Jesus und seine Jünger den Lobgesang miteinander, bevor sie an den Ölberg hinausgingen. Der Lobgesang ist Psalm 118, Nr. 747 der vom Jubel über die Hilfe Gottes erfüllt ist.

Lied 228,1 Er ist das Brot, er ist der Wein, steht auf und esst, der Weg ist weit. Es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein…

Herr, wir sind nicht besser als deine Jünger damals. Wir haben keine weiße Weste, kein reines Gewissen. Sünde und Schuld haftet uns an. Wir bitten dich: Vergib uns unsere Schuld, befreie uns aus der Sklaverei der Sünde und erneuere unser Leben.

Bitte hilf uns, dass wir uns an deinem Wort orientieren.

Wir bitten dich um dein Erbarmen für alle, die leiden, die krank sind, die Angst haben. Bitte mach der Pandemie ein Ende. Hilf denen, die um ihre Existenz fürchten, verzweifelt sind und unter großen seelischen Belastungen leiden. Schenke allen, die Kranke, Alte und Behinderte pflegen, Kraft für ihren Dienst. Hilf den Politikern und Wirtschaftsleuten, Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu finden, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen und nicht ihre eigenen Taschen vollzustopfen. Amen Vater unser

Segen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Einen guten Karfreitag und gesegnete, frohe Ostern wünscht Ihnen Pfr. Manfred Kuhn