Aktuelles

 

Miteinander verbunden bleiben

Aktuelle Information:

Gruppen und Kreise können unter den  Hygieneschutzregeln ab sofort wieder starten

Gottesdienste finden bei guten Wetter auch im Freien statt

(Termine: siehe Kirche/ Gottesdienste/Terminkalender)


Unsere wöchentlichen Sonntagsgottesdienste um 10.30 Uhr
feiern wir unter folgenden Auflagen in der Corona-Zeit:

          - Die Gottesdienstdauer ist verkürzt.

          - Es gilt ein 2 m Abstands-Gebot          

          - Die Besucherzahl ist beschränkt.

          - Eine medizinische oder FFP2-Maske muss im Kirchenraum über die Dauer des
            Gottesdienstes getragen werden, im Freien während des gemeinsam Sprechens
            und Singens.

          - Gemeindegesang ist möglich.

          - Das Abendmahl wird in kleinen Runden unter Einhaltung der AHA-Regeln gefeiert.

          - Zur Nachverfolgung etwaiger Infektionsketten ist die
            Abgabe der Kontaktdaten erforderlich.

         - Wer mit Menschen, die unter Quarantäne stehen, Kontakt hatte oder selbst an
            Symptomen leidet, die auf Covid-19 hinweisen,
ist gebeten, auf den
            Gottesdienstbesuch verzichten.

             

 Unsere Leseandachten zu den Sonntagen finden Sie auf dieser homepage.

Weitere digitale Gottesdienst-Angebote unter:
www.kirche-heilbronn.de

Gerne werfen wir Ihnen die Andacht
auch in den
Briefkasten.
Bitte geben Sie dazu im Pfarramt Bescheid (Tel. 571485).

Unsere gesamte Gemeindearbeit finanzieren wir über Opfer und Spenden.
Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.
Konto-Nr. IBAN: DE75 6205 0000 0000 1021 80


      

Andachten

Familiengottesdienst mit den Konfi-3 Kindern

Verbunden durch Liebe und Internet/ 8. Sonntag nach Trinitatis, 25. 7. 2021,
Familiengottesdienst mit den Konfi-3 Kindern zum Abschluss ihrer Konfi-3 Zeit
Pfarrerin Anette Prinz, Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

 

Licht macht es hell um uns. Licht macht es hell in uns. Licht wärmt uns. Licht breitet sich aus.
Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Gottes Liebe ist mitten unter uns.

Gebet Gott, du hast dein Lebenslicht allen Menschen geschenkt. Mit dem Licht des Glaubens willst du unser Leben hell machen. Wir bitten dich: Öffne unsere Augen und Herzen, damit wir erkennen, wie gut du es mit uns meinst. Mach uns selbst zum Licht für andere Menschen. Amen

Psalm 23: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

EG 515
Refrain //: Laudato Si, o mi signore. Laudato Si, o mi signore ://
1. Sei gepriesen, du hast die Welt geschaffen, sei gepriesen für Sonne, Mond und Sterne, sei gepriesen, für Meer und Kontinente, sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Herr! Laudato Si …
2. Sei gepriesen für deine hohen Berge, sei gepriesen für Feld und Wald und Täler, sei gepriesen für deiner Bäume Schatten, sei gepriesen, denn du bist wunderbar Herr! Laudato Si …
3. Sei gepriesen du lässt die Vögel singen, sei gepriesen du lässt die Fische spielen, sei gepriesen für alle deine Tiere, sei gepriesen, denn du bist wunderbar Herr! Laudato Si ...
4. Sei gepriesen denn du Herr schufst die Menschen, sei gepriesen er ist dein Bild der Liebe, sei gepriesen für jedes Volk der Erde, sei gepriesen, denn du bist wunderbar Herr! Laudato Si, ...

Biblische Spielerzählung (nach 1.Mose 27 und 33)
Isaak und Rebekka haben zwei Söhne: Esau und Jakob. Die beiden sind ganz unterschiedlich, obwohl sie Zwillinge sind. Esau ist groß und stark. Er zieht gerne mit den Viehhirten draußen herum oder geht mit seinem Vater auf die Jagd. Jakob ist lieber bei seiner Mutter und spielt bei den Zelten. Die Brüder verstehen sich nicht besonders gut. Wenn sie miteinander streiten, sagt Esau oft zu Jakob: „Feigling! Du traust dich nichts:“ Und Jakob gibt zurück: „Grobian! Du bist so grob! Esau ruft: „Mamasöhnchen!“ Und Jakob schreit: „Papas Liebling!“ So ist es tatsächlich. Isaak hat Esau besonders lieb und Rebekka hat Jakob besonders lieb. Und darum streiten sich Esau und Jakob manchmal. Aber manchmal vertragen sie sich auch. Esau hilft draußen, Jakob hilft zu Hause. Einmal aber hat Jakob den Esau ganz schlimm betrogen. Da hat er was genommen, was Esau gehörte. Und das kam so: Wenn früher ein alter Vater starb, dann schenkte er alle Tiere und alle Zelte dem Sohn, der zuerst geboren ist. Esau ist zuerst geboren. Wenn also Isaak alt und krank wird und stirbt, dann gehören alle seine Tiere und seine Zelte dem Esau. Als Isaak dann wirklich so alt ist, ruft er den Esau zu sich und sagt ihm: “Esau, geh los, schieß mir ein kleines Rehböckchen und brat es mir, ich will das mit dir essen und dann schenke ich dir alles, was bis jetzt mir gehört.“ Esau ist ganz traurig, aber nimmt Pfeil und Bogen und geht los. Rebekka hat alles gehört. Sie überlegt, was Jakob machen kann, damit sein Vater ihm alles schenkt. Schließlich sagt sie zu Jakob: „Nimm eine Ziege von unseren Herden. Koche du deinem Vater was. Und dann geh in deines Vaters Zelt. Issak ist blind geworden. Er wird dich nicht erkennen“. Jakob zweifelt: „Wenn mich der Vater anfasst? Esau hat so viele Haare auf den Armen. Und meine sind ganz glatt. Das merkt Vater doch“. Da hat Rebekka wieder eine Idee: „Binde dir das Fell von der Ziege um die Arme. Dann fühlen sich deine Arme an wie Esaus Arme. Zieh etwas von seinen Kleidern an. Dann riechst du wie er. Und wirklich: Isaak merkt nichts. Er wundert sich nur, dass alles so schnell geht. Und dann legt er Jakob die Hand auf den Kopf und sagt: Mein lieber Esau, Gott gebe dir alles, was du brauchst, Gott passe gut auf dich auf, Gott segne dich.“ Dann schenkt der Vater ihm alles, was ihm an Tieren und Zelten gehört. Jakob geht ganz glücklich aus dem Zelt. Er denkt: „Es hat geklappt. Jetzt gehört alles mir.“ Da kommt Esau zurück und geht mit seinem Stück Fleisch zum Vater und der ganze Schwindel fliegt auf. Aber den Segen, den der Vater Jakob gegeben hat, kann er nicht wieder zurückfordern. Esau wird schrecklich wütend. Er schreit laut. „Wenn ich dich kriege, Jakob, verhaue ich dich. Ich rede nie wieder mit dir.“ Esau ist so wütend, dass er Jakob am liebsten getötet hätte. Wieder hat Rebekka gelauscht. Sie warnt Jakob: „Hier hast du eine Tasche voller Zeug, Essen und Trinken und eine paar Decken. Nimm die Tasche und flieh!“ Jakob hat so eine Angst vor seinem Bruder, dass er wirklich flieht. Ganz allein wandert er in die Fremde aus. Aber Gott hat gut auf Jakob aufgepasst. Jakob hatte viele Abenteuer unterwegs. Aber immer hat Gott dafür gesorgt, dass ihm nichts passiert. Nach vielen Jahren muss Jakob immer öfters an seinen Bruder Esau denken. „Was macht wohl Esau? Ob es ihm gut geht? Ob er noch böse auf mich ist?“ Nein, Esau ist nicht mehr böse. Auch er denkt immer wieder an seinen Bruder. Gerne würde er sich wieder mit Jakob vertragen. Jakob macht sich mit seiner Familie auf den Weg, um Esau zu besuchen. Esau macht sich auch mit vielen Leuten auf den Weg, um Jakob zu besuchen. Schon von weitem sehen sie sich. Jakob wird es ganz mulmig. Er weiß ja nicht, in welcher Laune Esau ist. Er verbeugt sich und sagt: „Bitte, Esau, lass uns Freunde sein.“ Esau antwortet ihm: „Endlich! Ich hab dich so vermisst“. Er nimmt Jakob in den Arm und die beiden vertragen sich wieder. Und dann feiern sie ein großes Fest. Ein echtes Versöhnungsfest.

EG 660
1. Wie ein Fest nach langer Trauer. Wie ein Feuer in der Nacht. Ein off′nes Tor in einer Mauer,
für die Sonne auf gemacht. Wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen, ein-ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.
//: So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. ://

2. Wie ein Regen in der Wüste, Frischer Tau auf dürrem Land. Heimatklänge für Vermisste,
alte Feinde Hand in Hand. Wie ein Schlüssel im Gefängnis,wie in Seenot - Land in Sicht.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis Wie ein strahlendes Gesicht.
//: So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. ://

3. Wie ein Wort von toten Lippen, wie ein Blick der Hoffung weckt. Wie ein Licht auf steilen Klippen,
wie ein Erdteil neu entdeckt. Wie der Frühling, wie der der Morgen, wie ein Lied wie ein Gedicht.
Wie das Leben, wie die Liebe, wie Gott selbst das wahre Licht.
//: So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. ://

Gedanken zur biblischen Erzählung:
Streit zwischen Geschwistern, Streit zwischen Menschen überhaupt wird es immer geben. Die Hauptursache ist wie bei diesem biblischen Geschwisterstreit die urmenschliche Angst zu kurz zu kommen. Streit wird es immer geben. Deshalb ist etwas anders so wichtig, was es darum auch geben muss: Versöhnung. Damit kein Streit im gegenseitigen Hass, in Rachegedanken, im Schweigen stecken bleibt. Versöhnung braucht es, damit das Leben wieder gut wird.

Die Bibel erzählt, dass der viele Streit und das unfriedliche Leben der Menschen Gott einmal so wütend gemacht haben, dass er alles Leben auf der Erde, alles was er geschaffen hat, wieder vernichten wollte mit einer großen Regenflut. Aber dann hat er sich besonnen; hat gedacht, als Gott muss ich doch mit gutem Bespiel vorangehen, muss den Menschen zeigen, dass man sich nach jedem Streit wieder versöhnen kann. Er hat die Erde trocknen, die Sonne wieder scheinen lassen. Und in den noch regenfeuchten Himmel hat er einen wunderschönen Regenbogen gesetzt. Seht, hat Gott zu den Menschen gesagt, dieser Regenbogen ist mein Versöhnungszeichen für euch. Wenn ihr ihn seht, soll er euch daran erinnern, dass ich die Erde und alles, was auf ihr lebt, bewahren will.
„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter. Tag und Nacht“, das waren seine Worte. Und immer wenn es stark regnet, so dass ihr euch fürchtet, dann schaut zum Himmel hinauf. In den Wolken wird mein Regenbogen stehen. Er ist das Zeichen dafür, dass ich mein Versprechen halte.

Wie eine große Brücke ist der Regenbogen. Eine Brücke vom Himmel auf die Erde. Eine Brücke von Gott zu den Menschen. Sie verbindet uns mit Gott und Gott mit uns. Wenn Menschen sich nach einem Streit wieder versöhnen, dann bauen sich auch so etwas wie eine Brücke zueinander, über die sie wieder zusammenkommen.

Einmal in unserer Menschheitsgeschichte ist Gott über diese Brücke zu uns auf die Erde gekommen, ist sichtbar und Mensch geworden in Jesus. Der hat mit seinen Worten und seinem Leben die Menschen daran erinnert, dass es nach jedem Streit eine Versöhnung braucht. Bevor Jesus zu Gott zurückgekehrt ist, hat er uns ein neues Versöhnungszeichen hinterlassen: Sein Abendmahl. Wie der Regenbogen erinnert dieses Mahl uns an die Liebe Gottes. „Hier empfangen wir Frieden mit Gott und Frieden untereinander“, so heißt es bei jeder Einladung an Jesu Tisch. Und die will ich jetzt aussprechen. Oder noch schöner. Die singen wir uns jetzt zu. Und dann feiern wir mit unseren Konfi 3-Kindern das Abendmahl.

1. Bei Jesus sind wir heut zu Gast, weil er uns eingeladen hat. So kommen wir und bitten ihn: Verzeih, wo Unrecht ist geschehn! Wir teilen Brot, Hallelujah! Und spüren, Christus ist uns nah!

2. Bei Jesus sind wir heut zu Gast, weil er uns eingeladen hat.. An seinen Tisch lädt er uns ein, und Streit soll nun beendet sein. Wir teilen Brot, Hallelujah! Und spüren, Christus ist uns nah!

3. Bei Jesus sind wir heut zu Gast, weil er uns eingeladen hat. Wir wollen neue Wege gehen
und Gottes Frieden wachsen sehn. Wir teilen Brot, Hallelujah! Und spüren, Christus ist uns nah!

4. Bei Jesus sind wir heut zu Gast, weil er uns eingeladen hat. Er sagt: Ich lass euch nicht allein, ich werde immer bei euch sein! Wir teilen Brot, Hallelujah! Und spüren, Christus ist uns nah!

Gebet: Guter Gott, gib uns den Mut, uns zu versöhnen, wenn wir gestritten haben. Gib uns die Kraft, Frieden zu stiften, wenn andere sich streiten. Hilf uns, Frieden zu schließen in unseren Familien und in der Schule. Wir bitten dich in diesen Tagen der schlimmen Flutkatastrophe. Sei bei allen, die schwer von ihr getroffen wurde. Lass uns helfen wo wir können und tröste uns mit dem Gedanken, dass du die Erde nicht untergehen lässt, weil du willst, dass das Leben weitergeht. Dazu schenke uns deinen Segen. Amen. Vater unser

EG 662
Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern ,können nur zusammen das Leben besteh’n. Gottes Segen soll sie begleiten, wenn sie ihre Wege gehen.

Segen: Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse es leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott schaue liebend auf dich und schenke dir und aller Welt seinen Frieden.

7. Sonntag nach Trinitatis

 

 7. Sonntag nach Trinitatis, 18.7.2021

Pfarrer i.R. Manfred Kuhn

Musikeinspielung: Susanne Weingart-Fink

 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 500,1 Lobt Gott in allen Landen und lasst uns fröhlich sein: der Sommer ist vorhanden,

die Sonn gibt hellen Schein, der Winter ist vergangen, das Feld ist voller Frücht‘,

die wir von Gott empfangen, wie man vor Augen sieht.

Gebet: Lieber Herr und Gott, du weißt, was uns an diesem Sonntag bewegt. Du weißt, was uns in der vergangenen Woche gelungen ist und worüber wir uns gefreut haben, aber auch was unfertig geblieben ist und wo wir versagt haben. Du kennst unsere Sorgen, die uns bis tief in unsere Seele hinein bewegen, die Sorgen um Angehörige, Freunde, Nachbarn, auch um unsere Kirche. Wie gut, dass wir dir alles anvertrauen dürfen. Hilf uns, auf dein Wort zu hören, dass es uns zum Halt und zur Richtschnur für unser Leben wird. Amen

Lied: EG 320,1 Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben,

die wir empfangen haben.

Predigttext: 1. Könige 17, 1-16

Kam das in Ihrem Leben auch schon vor, dass Sie bildlich ausgedrückt am Abgrund standen, in einer aussichtslosen Lage, am Rande ihrer Kraft. Da drängt sich schon mal der Gedanke auf: Ich kann nicht mehr und will nicht mehr - leben. Da pocht die Frage in der Seele: Wo ist nun dein Gott? Von Gott keine Spur. Er scheint dem Bösen das Feld überlassen zu haben. Aber dem ist nicht so. Gott lässt die Welt nicht los.

Am Abgrund, einsam und allein, muss sich auch Elia gefühlt haben. Elia taucht in der Bibel wie aus dem Nichts auf. Er tritt vor den König Ahab hin und sagt ihm im Auftrag des Herrn: „So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe. Es soll dieses Jahr weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.“ Damit riskiert Elia sein Leben.

Zur Info: Damals regierte König Ahab im Nordreich Israel. Aber eigentlich gab seine Frau Isebel den Ton an, eine heidnische Prinzessin aus Phönizien. Isebel krempelte das Land um, holte Baalspriester ins Land, ließ Heiligtümer für Baal errichten. Baal stand für Regen, Wachstum und Fruchtbarkeit. Ihn anzubeten verhieß gute Ernten und Wohlergehen. Neben dem Gott Israels an den Fruchtbarkeitsgott Baal zu glauben und ihn anzubeten, galt als fortschrittlich und modern. Toleranz wurde damals wie heute großgeschrieben. Elia war dem Gott Israels verpflichtet und orientierte sich am 1. Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Sein Name Elia war Programm, zu Deutsch „Jahwe ist mein Gott.“

Und heute? Gilt heute das 1. Gebot noch oder ist es überholt? Haben wir uns an die „anderen Götter“ gewöhnt und lassen sie gewähren? Heute gibt es einen noch nie dagewesenen religiösen und weltanschaulichen Supermarkt mit einem breiten Angebot: Narzisstischer Schönheitskult und Jugendwahn. Unersättliche Profitgier zu Lasten anderer. Immer größer- schneller- weiter. Hemmungslose Sexualisierung. Politischer Extremismus von rechts und links. Menschenrechte stehen über Gottesrecht. Ich bin autonom und setze mir selber die Maßstäbe.

All dem steht das 1. Gebot kompromisslos gegenüber. „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Warum? Weil nur dieser eine Gott Leben schenkt und ein gutes Miteinander ermöglicht.

Und Gott? Schaut er weg oder drückt er ein Auge zu, wenn seine Gebote mit Füßen getreten werden. Nein, Gott schweigt nicht. Er greift warnend und strafend ein. Er hält den Regen zurück. Eine Dürre, ein radikaler Klimawandel wird im Land Israel zur Katastrophe für Mensch und Tier. Eine Hungersnot ist die Folge. Das zeigt: Nicht der Naturgott Baal, sondern der Gott Israels und Schöpfer der Welt, ist für den Regen verantwortlich. Diese Strafe hat den Sinn, König und Volk zur Umkehr zu dem wahren Gott zu bewegen. Werden König und Volk lernfähig sein und zur Besinnung kommen und vom falschen Weg umkehren?

Was besonders schlimm ist: Unschuldige trifft es auch. Elia und die Witwe mit ihrem Sohn sind an ihrer Notlage ja nicht selber schuld. Sie leiden mit.

Das ist auch heute noch so: Wenn Menschen von Gott abfallen und unter den Einfluss böser Mächte geraten, haben Unschuldige darunter zu leiden. Da wird ein Mensch schwer verletzt und für sein Leben gezeichnet, weil ihn ein Betrunkener angefahren hat. Wie viele unschuldige Opfer gibt es durch Korruption. Kinder leiden unter der Scheidung der Eltern. In Jesus packt Gott noch eins drauf. Jesus, der ohne Sünde war, erleidet die Strafe an unserer Statt.

Gott bringt seinen Diener Elia am Bach Krith im Ostjordanland in Sicherheit. Essen kommt per Luftfracht. Raben versorgen ihn morgens und abends mit Brot und Fleisch. Wasser trinkt er aus einem Bach. Die Gefahr einer Übersättigung besteht nicht. Gott sorgt für Elia. Aber eines schönen Sommertages ist der Bach ausgetrocknet. Das Ende scheint nun für Elia gekommen.

Da erging das Wort des Herrn an Elia: „Mach dich auf und geh nach Sarepta bei Sidon in Phönizien und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dich zu versorgen.“

Elia wird sich damals gefragt haben: Soll das allen Ernstes der Wille Gottes sein? Habe ich nicht schon genug gelitten und mitgemacht? Elia muss sein getarntes Versteck aufgeben und mindestens 6 Tage lang durch das Staatsgebiet seiner Todfeindin Isebel marschieren. Der Polizeiapparat, die Gestapo, die Stasi suchen ihn überall. Sein Verstand muss ihm einhämmern, dass er da nicht heil durchkommt. Das fühlt sich nicht als Rettungsweg an, sondern als Todesfalle.

Jeder Christ kennt diese Situation: Zu einer großen Not kommt noch eine größere Not hinzu. Da sind wir wie gelähmt und fragen uns: Wie soll es weitergehen? Elia vertraute Gott. Gott wird mich da durchbringen. Elia hat nichts in der Hand als die Zusage, dass Gott handelt und für Rettung sorgt.

Gott lässt die Glaubenden in der Tiefe Wunder erfahren. Beide Elia und die Witwe folgen der Weisung Gottes und überleben. Gott benützt dazu diese Witwe, eine Ausländerin. Sie steht dem Rat und Plan Gottes zur Verfügung und hilft Elia. Ihr Vertrauen zu dem ihr fremden Gott wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Das letzte Stück Brot soll sie nicht für sich und ihren Sohn verwenden, sondern diesem Fremden geben.

Und das Wunder geschieht: Wider alle Erfahrung gehen Mehl und Öl nicht zur Neige. Gott gibt das tägliche Brot. Die Freigiebigkeit und Gastfreundschaft der Witwe wird ihr zum Segen. Auch sie und ihr Sohn bleiben am Leben. Wer sich auf den Weg des Glaubensgehorsams macht, der erlebt die Wunder Gottes. Ich wünsche Ihnen diesen Glauben.

Diese Geschichte bietet viel Kraftstoff für unseren Glauben. Das 1. Gebot gilt heute wie damals. Elia hat an Gott und seinem guten Gebot festgehalten und sich nicht vom Zeitgeist bestimmen lassen. Sind wir auch bereit, den Willen Gottes zu tun und den falschen Göttern mutig entgegen-zutreten und Widerstand zu leisten? Gott versorgt Elia in dieser Hungersnot im In- und Ausland auf wunderbare Weise und bewahrt ihn vor Verfolgung. Elia hat der Führung Gottes vertraut und Wunder erlebt. Wer glaubt, erlebt Wunder, dass Gott für uns sorgt. Amen.

Lied 369, 1 Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

Gebet: Barmherziger Gott und Herr, du hast Elia nicht hängen lassen, sondern in wunderbarer Weise für ihn und die Witwe mit ihrem Sohn gesorgt. Bei dir ist Hilfe in jeder Lebenslage und in jedem Augenblick. Weil du die Macht hast, wollen wir nicht auf unsere Schwachheit starren, sondern mit deinen Möglichkeiten rechnen. Bitte statte uns aus mit Liebe und Humor, mit Geduld und Fantasie, mit Verstand und einem kühnen Glauben, der dir alles zutraut.

Gib uns offene Augen und Hände für die Menschen in Not und Bedrängnis besonders in den Hungergebieten. Wir bitten dich für die Kranken um neue Kraft und Heilung. Zeige jedem von uns, für wen er da sein soll und für wen er beten kann. Amen Vater unser

Lied 171,1 Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unseren Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

Segen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und

sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Lese-Gottesdienst am 11.Juli 2021

Lese-Gottesdienst am 11.Juli 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Ich bin getauft – wozu? Fürchte dich nicht. Ich bin’s, der dich erlöst. Ich rufe dich bei deinem Namen, du bist mein.

NL 209 Wasser des Lebens, Worte des Himmels, die sich verbinden, mächtig sie sind,
denn Gottes Segen fließt überströmend: Du wirst getauft, du bist Gottes Kind!

Klar wie das Wasser, rein wie sein Segen tut sich der Himmel über dir auf,
du bist gehalten in Gottes Nähe, nichts trennt dich wieder vom Lebenshauch.

Dank sei dir Gott, für bergende Nähe, Dank sei für Schutz und für dein Geleit,
du bist der Anfang, füllst alles Leben, zeigst einen Weg, gehst mit durch die Zeit.

Schick deine Engel, Hüter des Lebens, sende uns deine Kraft, deinen Geist,
damit durch Wasser und deine Worte du alles neu machst, segnest und heilst.

Ps 139 Ich sitze oder stehe, ich liege oder gehe, du weißt es.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.,.

Gott, wie schön ist dein Name, voll Feuer und Wind, voll Erbarmen und Hoffnung, ewige Liebe und tägliche Kraft. Rufe uns heute bei unserem Namen, so werden wir dein sein.
Du liebst uns – hilf, dass wir auch einander lieben.
Erfülle uns mit deinem Geist, so dass wir Jesus ähnlich und mit ihm zu neuen Menschen werden

1.Ptr 2Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Auch ihr, als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause …Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht.

NL 158 Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf. Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf,
zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt, und der auch mich in seinen Händen hält.

Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt und aus dem Tod zum Leben auferstand
und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist für uns zum Freund und Bruder wor-den ist.

Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist, zum Weg der Liebe, den er uns verheißt,
zu wagen Frieden und Gerechtigkeit in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung. Zeichen, Zuspruch in der Not.
Ich sage Ja und Amen, weil gewiss: Ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

Matth 28,16-20 …Geht hinaus in die Welt. Macht zu Jüngern = nehmt in eure Schulen auf alle Völker.
Tauft sie.in den Namen Gottes …und lehrt sie halten, was ich euch gesagt habe. Ich bin bei euch alle Tage…

1. Wie kommt Gott zur Macht? In den Augen der Vierjährigen können Eltern alles. Ihre Macht scheint unbegrenzt, sie ist so groß wie ihre Fürsorge. Später lernen wir die Naturkräfte kennen und merken: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren.“ Noch größer als die Natur ist die Macht des Schöpfers, darum nennen wir ihn all-mächtig, bedenken aber nicht, dass dies eine Schlussfolgerung ist, also eine Vergrößerung unseres kleinen Ich.

Auf die Zweifler müssen wir nicht lange warten: Wenn Gott der Inbegriff von Stärke ist, wo ist seine starke Hand im Weltgeschehen zu erkennen? Wo ist er in unserem Leben mächtig? Bewahrt er vor Not, kommt er wie eine Versicherung für Unfall und Krankheit auf? Garantiert er uns Erfolg in allem, was wir uns vornehmen?
Was Gott in unserem Leben zustande bringt, ist dies: Er wirkt Dankbarkeit für alles Gute. Er hilft, Krisen durchzustehen. Er macht uns fähig, neu anzufangen. Er leitet uns zur Versöhnung. Er hilft zu glauben, zu hoffen, zu lieben. Das sind seine Regierungsgeschäfte - wie im Himmel, so auf Erden.

2. Die Voll-Macht dazu ist Jesus Christus übertragen. Sein Wort wirkt Heilung. Gebeugte richten sich auf, Aussätzige werden rein, Lahme lernen gehen, Taube hören, Blinde lernen ihr Leben mit eigenen Augen ansehen, Hungrigen beginnen zu teilen und werden satt, sogar der reiche Zöllner lernt etwas, nämlich Wahrheit und Gerechtigkeit, er öffnet seine Schatztruhen und teilt seinen Überfluss mit den Armen. Gott legt seine Macht nicht nur seinem Christus in die Hände. Gott wagt sogar, seine Macht regelrecht an Menschen aus-zuteilen, an jeden, der sich von der Macht der Liebe leiten lässt.
Wie kann das gut gehen, wenn Men­schen an der Ausübung der göttlichen Macht beteiligt werden! Da ist der Missbrauch vorprogrammiert, ein schlimmes Verwirrspiel zwischen göttlicher Macht und menschlicher Selbstherrlichkeit. Gott jedenfalls teilt seine Macht mit uns, und riskiert, durch uns entstellt zu werden.

Aus der Ehe von Religion und Macht sind Tempel und Kathedralen hervorgegangen, Bibelausgaben, Mosaiken und Fresken und großartige Musikwerke, Kantaten und Oratorien, auch Diakonie und Bildung. Die Ehe von Religion und Macht hat aber auch eine beschämende Schattenseite voll Schmerz und Unrecht. Die Schar der blutigen Kinder ist groß: Glaubenskriege nach außen, Inquisition nach innen, Unterdrückung von Forschung und Lehre, Diskriminierung von Menschen und ihrer Lebensweise, die Verteufelung von Juden, Hexen, Homosexuellen. In diesem Schatten gedieh auch der Kindesmissbrauch. Fundamentalistische Strömungen zeigen faschistoide Züge der Volksverhetzung. Jedoch - von einer Kirche, die polarisiert, die vorschreibt, was man zu denken und wie man zu leben habe, distanzieren sich die Mitglieder. Die Volkskirche schrumpft zu einer Minderheit.

So hatte sich der, der selber Opfer des Faschis­mus der Priester geworden war – Jesus, der Sohn der Maria – den Weg des Glaubens nicht vorgestellt, als er seine Jünger mit Froher Botschaft in die Welt sandte. „Er verkündete das Himmelreich, aber gekommen ist die Kirche“ lautet die Kritik des kath. Theologen Alfred Loisy an der römischen Kirche. Jesus hat weder eine Papst- noch eine Konventikel-Kirche im Sinn gehabt, sondern eine kommunikative Gemeinschaft, in der das Evangelium weitererzählt wird - also genau das, was seit jeher, von den Wüstenvätern angefangen über die Mystik von Hildegard, Meister Eckart, Scheffler und Zinsendorf bis zur Kirchentagsbewegung und der kreativen Bibelauslegung als Blumenwiese des Heiligen Geistes zwischen Glanz und Schrecken lebt und leben wird.

3. Wie leichtsinnig bist du, Gott, so unzuverlässige Leute wie uns zu

deinen Mitarbeitern zu machen! Du vermagst, Güte und Erbarmen zu üben – und das traust du auch uns zu? Genau das ist Gottes Weg: seine Sehnsucht ist der Mensch! Er gibt uns, was sein ist, und nimmt auf sich, was unser ist.

Weil es in seiner Macht steht, unsre Angst in Vertrauen und unsre Traurigkeit in Freude zu wandeln, darum kann er uns senden: „Gehet hin in alle Welt.“ Der Kleinglaube sagt: das ist mir eine Nummer zu groß. Vertrauen wir auf sein Wort, werden wir frei von Unterschätzung und Überschätzung – und können im Glauben bei Gott und in der Liebe bei den Menschen sein. Seine himmlische Herrschaft will Christus auf Erden zuerst in unseren Herzen ausüben: niemals an uns vorbei, sondern grundsätzlich in uns und durch uns hindurch.

Himmlisch herrscht er, indem er den Himmel zur Erde bringt. Christus kommt der Vergeltung zuvor, indem er vergibt: er lässt den Petrus, der ihn verleugnet, nicht fallen, er bringt den frommen Eiferer Paulus zur Umkehr, uns Kleingläubige richtet er immer wieder auf. Christus herrscht mit Güte in der Welt. Wir dürfen sie an uns selbst erfahren und mit anderen teilen. Und jeden kann er dabei brauchen, um seiner Güte Hand und Fuß zu geben. Christus herrscht durch Liebe zu allen Menschen, gleichwie wir sie an uns selbst erfahren. Die Liebe teilt nicht ein in Freund und Feind, sie macht nicht Gegenliebe zur Bedingung.

4 Die Macht Jesu Christi zielt darauf, Gebeugte aufzurichten; sie stützt die Schwachen; sie bringt Verirrte wieder auf den Weg; sie setzt Müde wieder in Schwung. Seine Macht belebt, sie lässt uns das Schwie­rige anpacken. Seine Macht hilft, Lasten zu tragen und das Böse mit Gutem zu überwinden. Obwohl wir an den Kräften des Himmels teilhaben, sind wir nicht die Retter der Welt. Wir sind berufen zu dienen, im Vertrauen auf sein Versprechen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage.“ Gott legt seine Herrschaft in unsere Hände, damit er durch uns die Menschen neben uns erreichen kann. Der Ehepartner, das Kind, der Arbeitskollege, der Nachbar, der Mitschüler - sie alle sollen durch uns Güte und Freundlichkeit, Achtung und Hilfe erfahren.

5. Im Vier-Viertel-Takt will Christus seine göttliche Herrschaft durch uns entfalten: mit Hingehen, Taufen, Lehren, Handeln. Christen leben nicht auf Standpunkten, sondern unterwegs. Sie gehen hinein in den Lebenskreis anderer, in ihre Erfahrung, in ihre Not und ihre Sehnsucht. Nur so wird das Evangelium ihnen zum Brot werden, das sie zum Leben erweckt. Das Taufwasser allein bewirkt nichts. Die Taufzeugen begleiten die ‚Anfänger im Glauben‘, gehen auf ihre Fragen ein, zeigen Schritte der Nachfolge auf. Denn begleitet zu werden tut gut.

Zum inneren Wachsen ist das tägliche Lernen nötig. Der Lehrmeister ist der Heilige Geist selber. Er lehrt ohne Schulbücher und Lehrpläne. Er gebraucht Menschen, die selber täglich hinzulernen, denn nur gelehrige Menschen können anderen etwas vermitteln. Bei solchen Lehrern macht das Lernen Spaß, weil sie mit den Kindern und manchmal auch von den Kindern lernen.

Mit schöpferischer Kraft seiner Liebe arbeitet Gott an uns weiter: erhellt unser Denken, formt unser Wollen, trainiert unser Tun. Wo wir miteinander lernen, wie Gott durch Güte und Erbarmen die Welt regiert, da wird ein Stück vom Himmel auf Erden wirklich! Wir können keinen Menschen zu einem Jünger Jesu machen. Wir können aufmerksam machen, mitgehen, mitlachen und mitweinen. Der Heilige Geist aber wird die, die er durchs Evangelium beruft, mit seinen Gaben erleuchten. Das ist und bleibt seine Vollmacht. Amen

 

NL 216 Wir feiern deine Himmelfahrt, mit Danken und mit Loben. Gott hat sich machtvoll offenbart, das Kreuz zum Sieg erhoben. Er sprach sein wunderbares Ja. Nun bist du immer für uns da, entgrenzt von Raum und Stunde.

Das Reich, in das du wiederkehrst, ist keine ferne Höhe. Der Himmel, dem du zugehörst, ist Herrschaft und ist Nähe. Präg du uns ein, Herr Jesu Christ: Gott ist nicht, wo der Himmel ist; wo Gott ist, da ist Himmel.

Nimm uns in deinen Machtbereich, gib Kraft zu Tat und Leiden und mach uns deinem Wesen gleich im Wollen und Entscheiden. Wir freuen uns, Herr Jesu Christ, dass da auch ein Stück Himmel ist, wo wir dein Wort bezeugen.

Du hast die Angst der Macht beraubt, das Maß der Welt verwandelt. Die wahre Macht hat nur, wer glaubt und aus dem Glauben handelt. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass dir die Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden.

Du bist bei uns in Ohnmacht und Tatkraft. Du begegnest uns in Menschen, die auf uns achten, die uns trösten.
Lass uns ebenso an die Seite derer treten, die sich einsam und verlassen fühlen und der Hilfe bedürfen.

Lass alle Getauften Freude finden an deinem Wort und Heimat in der Gemeinde. Hilf den Eltern, die Heranwachsenden mit Güte und Geduld zu begleiten. Gib Trost und Zuversicht denen, die um einen Angehörigen trauern.

Lass uns eine Gemeinde werden, wo Niedergeschlagene neue Kraft schöpfen, Verzweifelte neue Gewissheit finden. Hilf, aus Spannungen eine größere Verbundenheit zu entwickeln und die Vielfalt wertschätzen. Lass Achtung und Gemeinsinn wachsen. Hilf uns, die Schöpfung unversehrt und das Leben gesund zu erhalten. Vater unser…

NL 220 Wir wollen aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen,
aufstehen, aufeinander zugehen, und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehen,
Jeder hat was einzubringen, diese Vielfalt, wunderbar,
neue Lieder woll'n wir singen, neue Texte, laut und klar.

Dass aus Fremden Nachbarn werden, das geschieht nicht von allein,
dass aus Nachbarn Freunde werden, dafür setzten wir uns ein.

NL 139 Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen, geh in seinem Frieden, was auch immer du tust …

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände, er gebe dir Frieden. Amen.

Lese-Gottesdienst am 4.Juli 2021

Lese-Gottesdienst am 4.Juli 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Manches haben wir verbockt, manches ist uns gut gelungen. Doch unser Können ist begrenzt. Wo finden wir Halt? Hilfe? Geborgenheit? Wer sagt JA zu uns? Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben.

324 Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

Du nährest uns von Jahr zu Jahr, bleibst immer fromm und treu und stehst uns, wenn wir in Gefahr geraten, treulich bei.

Hat er dich nicht von Jugend auf versorget und ernährt? Wie manches schweren Unglücks Lauf hat er zurückgekehrt.

Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut. Dein Gott, der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut.

Ps 92 Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster,

des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen.

Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.

Ein Törichter glaubt das nicht, ein Narr begreift es nicht.

Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon.

Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen.

Auch wenn sie alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein,

dass sie verkündigen, wie der Herr es recht macht; er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm. (EG 737)

Oft haben den Kopf voller Sorgen, sind ratlos angesichts des Schrecklichen, das in der Welt geschieht. mutlos angesichts der Entscheidungen, die wir zu treffen haben, hilflos angesichts der Taten, die andere von uns erwarten. Gott, erbarme dich unser. Sprich zu uns durch Jesus, dein Wort möge uns heilen und Hoffnung und Freude schenken hier und heute und allezeit. Lass deine Gnade uns leuchten, so dass unser Licht in der Welt scheine.

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht.

Hört ihr, wie die Weisheit ruft, wie sich die Einsicht mit lauter Stimme Gehör verschafft? Sie steht erhöht und für jeden sichtbar an den Straßen, dort, wo alle Wege sich kreuzen, hat sie sich hingestellt. … Ich weiß guten Rat und schenke Gelingen, ich bin die Einsicht, ich habe Kraft. Durch mich regieren Könige, durch mich erlassen Machthaber gerechte Gesetze. Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich.…“ Sprüche 8

389,4.5 Lass deines guten Geistes Licht und dein hell glänzend Angesicht erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerschöpfter Güt. Und mache dann mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich. Gib Weisheit, Stärke, Rat Verstand aus deiner milden Gnadenhand.

Weisheit ziert den Vernünftigen, Gütigen, Gerechten. Das Urteil, mit dem Salomo den Streit der Frauen um das Kind schlichtet, gilt als Musterbeispiel für Weisheit. Sie gründet auf Aufmerksamkeit und Erfahrung, sie durchschaut Maskerade, sie lässt sich nicht verführen, sie betrachtet die Dinge im Zusammenhang; sie redet nicht zum eigenen Nutzen, sie wirkt Gerechtigkeit und Frieden. Weisheit ist gleichsam die Krone Gottes. Darum wird gesagt: Du hast alles weise geordnet (P 104), du hilfst Menschen und Tieren (P 36). Gott ist barmherzig mit allem, was lebt (Sap 11).

In der gesamten Schöpfung, d.h. In allem, was Gott am Leben erhält, offenbart sich seine von Liebe erfüllte Gestaltungskraft. Weisheit – diesen großen Namen trägt Sophia nicht als Auszeichnung; sie wird dadurch nicht zum supergirl, sondern zur Botschafterin. Sie darf ein lebendiges Echo sein auf Gottes Weisheit. Wir alle sind dazu bestimmt, Spiegelbild und Echo zu sein. Doch was wir idealerweise sein sollen, das sind wir im Alltag oft nicht. Wir Erwachsene sind von dem, was wir an den Kleinen bewundern: wie fröhlich und offenherzig sie sind, oft meilenweit entfernt.

Die Glaubenserfahrung, die uns die Bibel überliefert, bringt das auf eine kurze Formel: was wir nach der Absicht des Schöpfers sein sollen, das müssen wir immer wieder werden. Weise werden wir nicht durch Schulbildung, sondern durch Wandlung. Der symbolische Ausdruck für diese Wandlung ist die Taufe. Sie bildet auf unserem Körper ab, was wir von Jesus Christus erzählen: er lebt und liebt, er stirbt und liebt; er erwacht zu neuem Leben und macht uns einmal mehr der Liebe Gottes gewiss, so dass wir gegen alle Widrigkeiten lieben können.

Jesus, den Gott zum Christus verwandelt hat, der stirbt und lebt, verkörpert er die ganze Weisheit Gottes? Oder zeigt er nicht die tiefe Torheit, durch die Gott sich selber lächerlich macht? Genau das behauptet eine Karikatur aus römischer Zeit, ergänzt durch den Spottvers: Alexamenos glaubt an einen Esel. Hören wir dazu Worte des Paulus:

1.Kor 1,18-25. Weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Predigt vom Kreuz seligzumachen, die glauben. Die göttliche Torheit ist weiser und die göttliche Schwachheit stärker, als die Menschen sind.

Der Apostel trifft in Griechenland auf den Widerstand der akademisch Gebildeten. Sie besitzen eine Weisheit, die aus dem eigenen Denken entwickelt ist: Das von den Dingen zum Wesen vordringende Denken nennen wir Philosophie. Paulus spricht ihr die Fähigkeit ab, den Christus hinter dem Gekreuzigten, das Leben hinter dem Tod zu erkennen. Deshalb sagt er, die Weisheit der Weisen zerschelle an der Torheit des Kreuzes. In dem, was die Philosophie als töricht bewertet, in seiner Schwachheit kommt Gottes Weisheit zum Zuge. Wie sollen wir das verstehen?

Paulus hat etwas kategorial Neues entdeckt. Von dem neuen Standpunkt aus betrachtet sieht die Welt und was darin als groß gilt, klein und jämmerlich aus. Wir können das vergleichen mit der Wiedergabe auf einem Umkehrfilm, der schwarz als weiß und weiß als schwarz wiedergibt.

In der Welt, wie wir sie sehen und gestalten, in der die Mächtigen regieren und die Untergebenen gehorchen, in der die Reichen reicher werden und die Armen arm bleiben, haben Dichter und Philosophen ihre Lebenserfahrung in geflügelten Worten niedergelegt. Sie werden dafür gerühmt. Sie haben Schüler um sich geschart und Theorien formuliert. Sie konkurrieren miteinander um die tieferen Einsichten. Ihnen gemeinsam ist, dass sie vom Kleinen zum Großen, vom Leid zur Glückseligkeit streben. Sie bauen die Welt denkend auf und streben vom Vergänglichen zum Bleibenden. Was die Ägypter mit der unaufhörlichen Verehrung der toten Pharaonen ausgedrückt haben, das kommt bei den griechischen Philosophen in der Vorstellung der ewigen Ideen zum Ausdruck. Das Ziel ist immer ein Gipfel.

Auch Paulus redet vom Tod und vom Leben – aber nicht so, dass wir selber durch Frömmigkeit oder durch gutes Tun ans Ziel gelangen. Paulus geht von der Erfahrung des Scheiterns aus – in der Sprache der Philosophen ausgedrückt: von einem existentiellen Tiefpunkt. Als unglücklichen Zwischenfall kennen wir das: wir hatten uns etwas in den Kopf gesetzt, aber wir kommen damit nicht durch; der Traum platzt. Wir sitzen auf einem Scherbenhaufen. Aber wir können aufstehen, wieder aufbauen. Deshalb sagen wir: „Scherben bringen Glück“.

Das bedeutet: Wenn du scheiterst und neu beginnst, bist du weiser als der, der jammert und aufgibt. Augenblicke des Scheiterns können zu Sternstunden des Glücks werden. Dabei erleben wir eine Verwandlung. Unser Horizont weitet sich. Neben dem Wissen: „Das will ich und das kann ich“ wächst die Einsicht: „Das empfange ich und dazu werde ich.“ Dazu gehört die Erfahrung, dass wir gerade das loslassen müssen, was uns bislang als unverzichtbar erschien: ‚Etwas in mir muss sterben, damit ich leben kann‘.

Die Entdeckung, die Paulus gemacht hat, geht über den Tiefpunkt des Sterbens als Wendepunkt und Ursprungsort von neuem Leben noch weit hinaus. Nicht nur wir Menschen stehen in der Herausforderung, den Tiefpunkt in unser Leben aufzunehmen. Vielmehr taucht Gott höchst persönlich in die tiefste Tiefe der Vergänglichkeit ein – und stirbt den gewaltsamen Tod, den ihm die stolzen und hartherzigen Frommen bereiten. Warum hält Gott sich nicht fern? Weil er uns nahe sein will. Gott will nicht ohne uns sein, sondern mit uns und alles für uns. Der Gott, an den wir glauben, ist nicht der Chef des Universums, unerreichbar wie ferne Galaxien. Im Gegenteil: Gott kommt in die Welt wie ein Liebhaber zu seiner Geliebten, um mit ihr eins zu werden. Der Ursprung aller Dinge verwirklicht sich in seinem Geschöpf, damit einer des anderen Ruf und Echo ist. Gott will werden, was wir sind, damit wir werden, was er ist.

Doch gefällt uns das? Wissen wir nicht aus uns selbst, wie wir sein und was wir aus uns machen wollen? Feilen, schleifen, perfektionieren wollen wir uns – funktionieren und in allem die Besten sein. Wir suchen das Siegertreppchen, wir fürchten den Tiefpunkt, wir meiden die Herzoffenheit, den Austausch mit dem inneren Gegenüber, in dem wir uns wiederkennen wie in einem Spiegel.

Die Bibel erzählt von der Geburt Gottes im Menschen und von der Taufe, in der wir noch einmal geboren werden aus Wasser und Geist. Jesus steigt in den Jordan, um die innere Wandlung zu besiegeln: „nicht wie ich will, sondern Dein Wille geschehe.“ Das sagt er nicht willenlos, sondern in der größten Kraft, die ein Mensch ausüben kann: das sagt er im Vertrauen, in der erwähnten Herzoffenheit zu Gott; darum sagt er: „Ich und der Vater sind eins.“ Paulus hat auf seinem Glaubensweg entdeckt, dass Gott ebenso oben wie tief unten ist: wie der ursprüngliche Name sagt: „Ich werde, ich bin unterwegs, ich bin ein Prozess.“

In dieser Dynamik der Wandlung finden Gott und Mensch zueinander. Das verkündigt Paulus, davon erzählen auch wir. Daran gemessen erscheint die Philosophie blutleer, abgelöst vom eigenen Leben. Kein Wunder, sie will ja ihre Wahrheit mit den Mitteln der Abstraktion sagen. Paulus aber erzählt von einem Gott, der den Hauch der Sanftmut, den Wind der Zuversicht, das Feuer der Liebe in unsere Herzen bringt. Gerade weil wir so oft das Leben mit den Mitteln des Todes gestalten, es organisieren und verwalten, muss vom Tod am Kreuz und von der Weisheit der Liebe erzählt werden, die weiser ist als alles berechnende und abstrahierende Denken. Friede sei mit euch. Amen.

NL 34 Eines Tages kam einer, der hatte …

  • eine Klarheit in seiner Stimme, eine Wärme in seinen Worten, eine Kraft in seiner Botschaft.

  • eine Hoffnung in seinen Wundern, eine Weite in seinem Wesen, eine Offenheit in seinem Herzen.

  • eine Liebe in seinen Gesten, eine Güte in seinen Blicken, ein Erbarmen in seinen Taten.

  • einen Vater in den Gebeten, einen Helfer in seinen Ängsten, einen Gott in seinem Schreien.

  • einen Geist in seinen Taten, eine Treue in seinen Leiden, einen Sinn in seinem Sterben.

  • einen Schatz in seinem Himmel, ein Leben in seinem Tode, eine Auferstehung aus seinem Grabe.

Wir halten uns für weise und bieten unsere Meinung als Weisheit an, doch oft erweist sie sich als Irrtum oder Halbwahrheit. Oft erleben wir uns ratlos, mutlos, hilflos, verstrickt in Versäumnis und Schuld.
Löse uns aus Angst und Zweifel, öffne uns für deine Gegenwart. Lass uns innehalten, wenn wir uns abrackern.
Ermutige uns, wenn wir verzagen. Gib Zuversicht, um zu tun, wozu du uns sendest.

Tritt zwischen die Streitenden, besänftige die Erregten. Erleuchte die Pessimisten, bring zur Vernunft die Bornierten, führe zur Demut die Stolzen, zum Mitgefühl die Hartherzigen, zur Einsicht die Querdenkenden.
Viele fürchten, an den Rand gedrängt zu werden. Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren.

Viele Christen befürchten, die Kirche werde im Schattenwurf des lockdowns verdorren und verkümmern.
Gib Weisheit allen, die getauft sind, dass sie ihre Wurzeln zum Wasser strecken, grünen und Frucht tragen.
Lass uns fröhliche Boten des Himmelreichs werden.
Baue deine Kirche - und fange bei uns an. Vater unser…

635 Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut
- für die Ängste, für die Sorgen, für das Leben heut und morgen. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

- für die Wahrheit einzustehen und die Not um uns zu sehen. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

- für die Zeit, in der wir leben, für die Liebe, die wir geben. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

- für die vielen kleinen Schritte. Gott, bleib du in unsrer Mitte. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände, er gebe dir Frieden. Amen.

4. Sonntag nach Trinitatis, 27. 6. 2021

Verbunden durch Liebe und Internet/ 4. Sonntag nach Trinitatis, 27. 6. 2021,

Pfarrerin Anette Prinz

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“. Dieser Gedanke aus dem
Galaterbrief leitet dich durch die neue Woche. Manchmal wird uns ja auch ein Mensch zur Last. Wir
ärgern uns über ihn. Sind zornig. Enttäuscht. Manchmal ist Vergebung eine echte Herausforderung.
Viel öfters aber noch steckt echte Befreiung in ihr. So dass wir dann wieder unbelastet singen können.

EG 503
1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.

Psalm 92: Das ist ein köstlichDing, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Denn, Herr, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände. Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief. Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht. … Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon. Die gepflanzt sind im Hause des Herrn, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein, dass sie verkündigen, wie der Herr es recht macht; er ist mein Fels, und kein Unrecht ist an ihm.

Gebet: Wie ein Baum möchte ich feststehen im Vertrauen auf dich, Gott. Ich möchte Wurzeln schlagen im Grund deiner Güte. Mein Leben soll fruchtbar sein und andere nähren. Lass mich wachsen unter dem Segen deiner Worte. Lass mich blühen unter deiner Liebe.

NL 212
Wenn ein Mensch auf Gott sein Leben baut, wenn er Tag und Nacht auf ihn vertraut, hat er Zukunft, Hoffnung, Lebenskraft, weiß bei Gott sich ganz geborgen. Er ist wie ein Baum, der am frischen Wasser steht und dessen weitgespanntes Blätterdach niemals mehr vergeht: Er wird leben, blühen, Farben sprühen, Früchte schenken ohne Zahl.

Bibeltext: Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! Aber Josef weinte, als man ihm solches sagte. Und seine Brüder gingen selbst hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes statt? Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen. (1.Mose 50,15-21)

Welche Familie hat eigentlich keine versteckte Leiche im Keller. Ich meine damit einen unbearbeiteten Familienkonflikt, ein schwarzes Schaf, einen Erbstreit und was eine Großfamilie sonst noch so belasten kann. Wie oft kommt es vor, dass nach dem Tod des Familienoberhaupts der Deckel vom Topf fliegt, der schon lange unter Druck stand.

Die Geschichte von Josef und seiner Familie ist eine lohnende Leselektüre für jede Familie. Gemeinsam lesen und drüber reden. Vor allem über die weisheitlichen Schlussgedanken dieses Familiendramas.

Das ist die Frage aller Fragen, wenn wir Menschen über Menschen nachdenken oder sie gar bewerten, wenn wir über Vergeltung nachsinnen oder Vergebung: „Stehe ich denn an Gottes statt?“ Josef hätte allen Grund gehabt, sich zum Richter zu machen. Seine Brüder, die ihn einst mitleidslos in die Sklaverei verkauft hatten, fürchten genau das nach dem Tod ihres Vaters. Aber Josef nimmt diesen Platz nicht ein. Er verzichtet auf Rache. Dabei verneint er nicht das Böse, das ihm seine Brüder angetan haben, er ignoriert nicht, dass Menschen zu Schrecklichem fähig sind und dass es Böses in der Welt gibt. Doch er erkennt, dass Gott das Böse zum Guten wenden kann. Josefs eigenes Leben ist ein Beispiel dafür.

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Das könnte auch über dem Leben des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas stehen. Jahrzehnte saß Nelson Mandela unter der weißen Apartheitsregierung im Gefängnis. Als die zerbrach und Mandela zum neuen Regierungschef gewählt wurde, rief er die Wahrheitskommission ins Leben und setzte Opfer und Täter an einen Tisch - weil er wusste: keine Richtersprüche, sondern nur das einander ins Gesicht sehen und sich aussprechen werden der Versöhnung im Land dienen.

Stehe ich denn an Gottes Stelle? Für mich ist es eine Schlüsselfrage: Bin ich bereit, Dinge loszulassen und abzugeben, die weder ich noch ein anderer Mensch lösen kann. Ein Glaubenssatz ist es, der ausdrückt: Ich traue auf Gott der Stelle, an der ich selbst das Unheil nur größer machen würde.

Fehler und Schuld können wir benennen - am Besten zuerst bei uns. Aber richten? Den Stab brechen, wie man sagt? Einen anderen womöglich lebenslang auf seine Schuld festnageln, ihm Türe und Wege versperren? Josef lehnt das ab. Jesus übrigens auch. Gott ist größer als jedes menschliche Urteil. Josef verzichtet darauf, nachzutreten. Es ist große Weisheit, die ihn dabei leitet. Eine rächende Vergeltung verschafft ihm selbst vielleicht (für kurze Zeit) Genugtuung. Aber sie hilft nicht wirklich beiden Seiten. Hilft nicht, die Leiche im Keller zu bergen und in Würde zu beerdigen. Josef vergilt in Güte. Nicht in
Rache. Das ist seine Entscheidung.

Es gibt hier keine für alle Gelegenheiten gültige Antwort. Es ist aber auch nicht hilfreich, einfach immer nur den Gesetzen der Welt zu folgen. Ein Vergeltungskreislauf schafft Unheil, das am Anfang kaum auszumalen ist. Er hinterlässt das, was man sehr treffend „verbrannte Erde“ nennt. Verbrannte Erde in der Seele, sozusagen. Es hilft mehr, wenn wir Josefs kluge Frage im Herzen bewahren und bewegen:
Stehe ich denn an Gottes statt? Stehe ich nicht. Wohl denen, die das wissen und danach leben.

Gebet: ♫ EG 649
1. Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt. Lass mich auf deine Brücken trauen, und wenn ich gehe, geh du mit. 2. Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehn. Ich möchte hinter Zäune schauen und über hohe Mauern gehn. 3. Ich möchte gern dort Hände
reichen, wo jemand harte Fäuste ballt. Ich suche unablässig Zeichen des Friedens zwischen Jung und Alt. 5. Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt. Lass mich auf deine Brücken trauen, und wenn ich gehe, geh du mit. Vater unser

NL 140
Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung die uns trägt. Er bleibt treu. Wir danken für jeden Schritt, der Grenzen überwindet. Wir bitten, lenke unsern Blick auf das, was uns verbindet. Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung die uns trägt. Er bleibt treu.

Segen: Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse es leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott schaue liebend auf dich und schenke dir und aller Welt seinen Frieden.

Lese-Gottesdienst am 20. Juni 2021

Lese-Gottesdienst am 20. Juni 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Standen Sie schon mal vor Ihrer Haustür und hatten den Schlüssel nicht zur Hand? Oder waren gestürzt und konnten sich nicht mehr rühren? Wie gut, wenn jemand kommt und hilft. Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.

302 Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

Ps 103 Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn ehr-fürchten. EG 742

Wer das Gute vergisst, löscht die Sonne aus. Darum beten wir: Gott, voll Freude und Dank gedenken wir dessen, was du uns Gutes getan hast. Wir haben Bewahrung erlebt, Beistand erfahren, Trost empfangen. Du gehst uns nach, wenn wir dich verlassen. Du findest uns, wenn wir uns verrannt haben. Lass uns allezeit geborgen sein in dir.

Micha 7, 18-20 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!
Er wird sich unser erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten, unsere Sünden ins tiefste Meer werfen. Du wirst uns die Treue halten, den Kindern Abrahams Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

 

611 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst damit ich frei bin. Kv: Ehre sei Gott auf der Erde, in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen, bis das Lied zu Himmel steigt. Ehre sei Gott und den Menschen Frieden (3x), Frieden auf Erden.

Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle; ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede. Kv: Ehre sei Gott….

Ich lobe meinen Gott, der mir die Tränen trocknet, damit ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme. Kv: Ehre sei Gott …

Luk 15, 1-10 Es nahten sich Jesus alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten: Er nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Jesus sagte ihnen dieses Gleichnis: Wer ist unter euch, der … Genauso ist Freude im Himmel über einen Sünder, der umkehrt.

Es nahten sich Jesus Zöllner und Sünder. Das gäbe ein Raunen und Rut­schen, wenn jetzt die Penner und Fixer, die Prostituierten und ihre Zuhälter, die Steuerflüchtigen und Schwarzarbeiter - wenn die alle uns jetzt nahen würden. Sie tun es nicht. Auch damals traten sie nicht an die Frommen heran, sie nahten sich Jesus.

Zöllner waren reiche Leute, die tief in die Tasche greifen konnten, um im Voraus den Römern die geschätzte Steuersumme zu bezahlen, die an einem Marktplatz zu erheben erwartbar schien. Es war nur folgerichtig, dass diese Steuerkaufleute anschließend auch den Händlern tief in die Tasche griffen, um sich selber schadlos zu halten. Steuer eintreiben war ein schmutziges Geschäft. Darin fanden die Zöllner nicht das Heil, aber ihren Vorteil.

Ihnen gegenüber treten die Pharisäer auf. Sie erwarten, dass Jesus sie wegen ihrer Korrektheit lobt, die Zöllner aber verurteilt. Doch Jesus gibt den Außenseitern Raum.

Was macht Jesus attraktiv? Er hat keine Berührungsangst, sie haben keine Schwellenangst. Er fordert nichts von ihnen. Sie müssen keine moralische Säuberung durchlaufen, nicht erst bibelfest und bekenntnistreu werden. Es genügt, dass sie da sind - mit ihrer Sünde.
Das Gesetz des Mose verlangt Absonderung:
„Schafft die Sünde aus eurer Mitte fort, macht nicht gemeinsame Sache mit den Sündern.“ Das bedeutet: Folgt nicht schlechtem Beispiel, geht nicht krumme Wege. So kommt es zum Eklat: Die als fromm gelten wollen, halten andere für gottlos. Doch Jesus macht ihnen einen Strich durch die Rechnung und zeigt seine Frömmigkeit darin, dass er den Sündern sein Herz öffnet.

Lang, lang ist’s her, dass in den Schlafzimmern der Urgroßeltern ein Bild vom röhrenden Hirsch oder vom guten Hirten hing – das eine Symbol des erotischen Begehrens, das andere ein Spiegel der Verletzlichkeit von Leib und Seele und des Angewiesenseins auf Mitgefühl und Getragenwerden. Auch wenn weder Hirsch- noch Heilandsbilder unseren Geschmack treffen, vermochten sie eine Botschaft in die Gefühlswelt jener Zeit zu tragen.

Im Gedächtnis klingt uns noch das Lied: „Weil ich Jesu Schäflein bin“. Henriette Luise von Hayn, leitende Mitarbeiterin der Herrnhuter Brüdergemeine, hat Psalm 23 nachgedichtet und einer Freundin zum Geburtstag geschenkt. Christian Gregor, Waisenkind und Kantor in Herrnhut, hat die Melodie hinzugefügt.

Uns Heutigen fehlt die Vertrautheit mit Schafen, wir wollen selbstbestimmte Individuen sein - dennoch laufen viele vermeintlich Selbstbestimmte als follower ihren influencern nach. Erst recht würde niemand sein Haus auf den Kopf stellen, um eine verlorene Münze zu suchen. Dennoch liegt ein Trost darin, den Trostbedürftige auch heute empfinden: ich bin angenommen, obwohl es mir schwerfällt, mich selber anzunehmen; mein Retter ist da.

In diesem subjektiven Verstehen kommt freilich nur der individuelle Blickwinkel zu Wort: Welche Einflüsse sind so stark, dass ich mich selber aus den Augen verliere wie eine Münze, die wegrollt und irgendwo verschlupft? Wodurch kann ich meiner Selbstsorge entgleiten? Wieso verheddere ich mich im Gestrüpp meiner Erwartungen?

Doch die Frage ist grundsätzlich zu stellen: Wo kann Leben verloren gehen? Wo geht es vor die Hunde?
Wenn wir das Leben aller betrachten und die Gefahren, denen wir und alles mit uns ausgesetzt sind, erst dann können wir ermessen, warum die Freude über die Rettung eines Verlorenen bis in den Himmel reicht.

Bevor Jesus von Umkehr und Heilung redet, handelt er heilsam. Um das zu erklären, erzählt er von einer Frau, die ihr bisschen Geld verloren hat, sucht und wiederfindet. Er erzählt von einem Schaf, das verloren geht. Aber der Verlust fällt erst am Abend auf, wenn der Hirte die Herde für die Nacht vor Raubtieren in Sicherheit bringt. Das verlorene Schaf kann ungeschützt nicht überleben. Der Hirte muss es suchen und heimbringen.

Aber wie können Sünder am Himmelreich teilhaben? Jesus sagt: Ein Sünder, der umkehrt, löst einen Wirbelsturm der Freude aus: mehr Freude wird sein über einen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen.

Wir sehen: es steht das Leben auf dem Spiel, es geht um Verfehlung oder Erfüllung des Lebens. Es geht um Erstarrung, Hass und soziale Spaltung. Um diese tödliche Atmosphäre zu überwinden, geht Jesus daran, erstarrte Denkweisen aufzubrechen: Wer ist Sünder, also abgesondert vom Leben - wer ist gerecht?

Man muss kein Verbrecher sein, um sein Leben zu verfehlen. Wir alle wissen davon zu erzählen, wo wir einem schweren Irrtum aufgesessen sind, wo wir eine falsche Entscheidung getroffen, eine Chance vertan, einen Menschen verletzt haben.

Doch viel dramatischer sind die Nöte, in die wir hineingeboren und hineingezogen werden: Katastrophen wie die Vergiftung des Ozeans durch die Ladung des havarierten Tankers vor Sri Lanka, die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, die Angriffe auf Computeranlagen, die antidemokratischen Netzwerke, die hasserfüllte Willkür der Meinungsäußerung, die Menschen schmäht und tötet, wie Öl und Plastik Meere und Strände verseuchen – wir stecken in einer Vielzahl von Pandemien.

Manche Menschen tragen ohne ihr Zutun eine Lebenslast mit sich: Ängste und Zwänge oder Fehlprägungen, die aus vorenthaltener Liebe entstanden sind. Ich denke an einen jungen Mann: er hat eine erschütternde Drogenkarriere hinter sich, er lebt wieder normal, und doch ganz anders, denn er empfindet nichts, weder Freude noch Traurigkeit, er kann nicht weinen, er ist wie eine Blume ohne Farbe, ohne Duft, wie ein Lied ohne Klang.

Er weiß, dass er selbst dafür verantwortlich ist, dass er Drogen konsumiert hat. Obwohl er die Sucht nach Leben, die ab-sondert vom Leben, überwunden hat, ist er erst halb dem Unheil entronnen. Seine Gefühllosigkeit ist das Ergebnis einer früheren Ab-sonderung, denn er ist ohne Gefühle aufgewachsen. Gefühle wurden im Keim erstickt statt ernährt und gelebt.

Er möchte ja fühlen, aber er kann nicht. Insofern erfährt er sich wie abgeschnitten vom Leben, abgesondertgefangen in Sünde. Er braucht Menschen, die in der Art Jesu behutsam auf ihn ein- und mit ihm umgehen. Er braucht eine gute Hirtin für seine Seele, die dem Empfinden Raum und Nahrung gibt und die ihn fühlen lehrt.

Für ihn wäre es Gift und kein Evangelium, wenn man ihm sagt: Jesus ist für dich gestorben, sein Blut heilt alles, was an dir versäumt wurde. Dadurch kommt er dem Leben nicht näher, sondern ein unheilvoller Spalt tut sich auf: Jesus, voller Liebe, dort – er, ohne erfahrene Liebe, hier. Der junge Mann sagt uns: Die Entscheidung über Tod und Leben muss in meiner Seele fallen. Ich brauche Begegnung, frisch erfahrbare Liebe.

Das ist der Kern des Evangelium: Nicht weil Jesus gestorben ist, sondern obwohl er getötet wurde, ist Jesus der sprechende Beweis dafür, dass Gott uns liebt. Was der ‚Mann ohne Gefühle‘ nötig braucht, das brauchen auch wir: Liebe, Zuwendung, Solidarität, Trost.
Das finden wir im Evangelium – und das Evangelium findet uns. Kehren wir um zum Leben. Wer es empfängt, hat allen Grund zur Freude. Amen.

619 Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben, wer Dir Vertrauen schenkt, für den bist Du das Licht.
Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben, ewiges Leben, wie Dein Wort es verspricht. ://

Das Brot bist Du für den, der Lebenshunger hat. Und wenn er zu Dir kommt, machst Du ihn wirklich satt.

Die Tür bist Du für den, der an sich selbst verzagt. Du machst ihn frei, wenn er ein Leben mit Dir wagt.

Der Hirte bist Du dem, den Lebensangst verwirrt. Begleitest ihn nach Haus, dass er sich nicht verirrt.

Der Weinstock bist Du dem, der Kraft zum Leben sucht. Wenn er ganz bei Dir bleibt, dann bringt er gute Frucht.

  • Wir danken dir, dass du niemanden verloren gibst. Du lenkst unsere Wege und lässt uns bei dir das Leben finden.
    Die in die falsche Richtung gehen - bringe sie zurück. Die nicht mehr miteinander reden - führe sie zusammen.

  • Unser Überfluss macht uns krank und arm an Sinn und Zusammenhalt. Lass uns behutsam leben und reich werden an Achtung, Mitgefühl und Toleranz. Leite die Politiker, dem Wohl aller und dem Schutz der Bedürftigen zu dienen. Lass die Wirtschaftsmächte den Schwächeren helfen, für sich selbst zu sorgen.

  • Hilf uns Christen, Vergangenes loszulassen und in den Problemen unserer Tage uns für Dein Kommen zu öffnen..
    Lass die Religionen ihre Glaubenserfahrung teilen, Achtung und Verständigung üben und im Guten wetteifern.

  • Lass Hilfe erfahren, die unterdrückt werden: ethnische Minderheiten, inhaftierte Journalisten, gefolterte Kritiker.
    Bewahre die Verstorbenen in deinem Frieden; erfülle mit Trost und Zuversicht, die um sie trauern. Vater unser…

356 Es ist in keinem andern Heil, kein Name sonst gegeben, in dem uns Gnade wird zuteil und Fried und ewges Leben, als nur der Name Jesus Christ, der selig macht und Retter ist: Ihm sei Lob, Preis und Ehre!

Herr Christ, um deines Namens Ehr halt uns in deinem Frieden, den Glauben stärk, die Liebe mehr', dein Gnad sei uns beschieden; gib Hoffnung uns in dieser Zeit, führ uns zu deiner Herrlichkeit. Dir sei Lob, Preis und Ehre!

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände, er gebe dir Frieden. Amen.