Lese-Gottesdienst am 12. September 2021

Lese-Gottesdienst am 12. September 2021

(Text: Pfr. Koring. Musik-Einspielung: Susanne Weingart-Fink)

 

Gott sei mit euch – in der Gnade, die Jesus Christus, unser Herr, gewährt;
in der Liebe, die Gott schenkt; in der Gemeinschaft, die der Heilige Geist bewirkt.

Jeder möchte etwas aus seinem Leben machen. Den Grund kann keiner selber legen: Gottes Gabe ist es.“

449 Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen
und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!

Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,
das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

Dass Feuerflammen uns nicht allzusammen mit unsern Häusern unversehns gefressen,
das macht's, dass wir in seinem Schoß gesessen. Lobet den Herren!

O treuer Hüter, Brunnen aller Güter, ach lass doch ferner über unser Leben
bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben. Lobet den Herren!

Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen; hilf uns gehorsam wirken deine Werke;
und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke. Lobet den Herren!

NL 919 Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen
Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Vergeblich ist es, dass ihr früh aufsteht und lange sitzt und euer Brot mit Sorgen esst,
denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Gott, wir loben dich für alles Gute, das uns erhält und trägt. Wer auf dich hofft, wird nicht enttäuscht - alle unsere Sorgen werfen wir auf dich. Du sorgst für uns. Christus, unser Herr, du hast auf Gott vertraut und aufmerksam dich um die Schwachen und Bedürftigen gekümmert. Gott, heilige Kraft, die Leben schafft, öffne unsere Augen und Ohren und stärke unsere Hände, damit wir für die sorgen können, die unseren Beistand brauchen. Amen.

Gen 15,1-6 Herr, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Nachkommen. - Sieh gen Himmel und zähle die Sterne – so zahlreich sollen deine Nachkommen sein. Abraham vertraute Gott, das rechnete er ihm als verlässlich an.

656 Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen.

Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen,
Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.

Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet,
Sklaven, die durch das Wasser gehn, das die Herren überflutet. Zeichen und Wunder...

Luk 17,5f Herr, stärke uns den Glauben. Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, könntet ihr zu dem
Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanz dich ins Meer! – er würde euch gehorchen.

Mit anderen verbunden zu sein, sich auf andere verlassen zu können, zu erfahren, dass wir angenommen werden, wie wir sind – das macht uns stark. Wenn Freunde zu uns halten, wächst unser Mut. Gemeinschaft, Freude und Sinn erleben wir als Geschenk. Manchmal stehen wir vor einer schwierigen Aufgabe und fragen uns: Kann ich das bewältigen? Wenn ich an mir selber zweifle, wenn ich gar anderen glaube, die mir nichts zutrauen, werde ich mich scheu zurückziehen. Auch das ist eine Art Glaube, genauer gesagt eine Unart. Dieser lähmende Unglaube ist Misstrauen.

Glaube hingegen bedeutet Vertrauen. Im Vertrauen gehe ich aus mir und meinen Zweifeln heraus und gehe ganz auf einen anderen Menschen ein. Glauben lässt mich gehen, den nötigen Schritt tun, aus Fehlern und Ängsten heraus auf ein großes Ziel zugehen. Wie ein Kind, das laufen lernt, gern in die ausgestreckten Arme von Mutter oder Vater strebt und dabei Sicherheit gewinnt, so bedeutet Glau­ben, dass wir im Vertrauen auf einen Begleiter unsere Schritte tun. Wer geht, kann stolpern und stagnieren. Darum bitten die Jünger: “stärke unseren Glauben“.

Jesus geht auf ihre Bitte ein. Aber er bietet nicht etwa drei gestaffelte Trainingsprogramme an: den kleinen Glauben für den privaten Gebrauch, den Mittelklasse-Glauben für die Herausforderungen in Familie und Beruf, den Spitzenklasse-Glauben mit allen Zusatzleistungen, den Lottogewinn inklusive. Weder den Glauben vom Typ Schaf noch vom Typ Wolf, weder den Stiernacken-Glauben noch den Stoßzahn-Glauben bietet Jesus an. - Seine Antwort fällt ernüchternd aus: Ihr wollt stark sein, wollt große Taten vollbringen? Dann sollt ihr wissen, dass euer Glaube nur klein sein kann. Ein kleiner Glaube genügt, einen anderen gibt es nicht. „Euer Glaube muss nicht größer sein als ein Senfkorn.“

Ihr kennt vielleicht die Geschichte, wo einer mit Jesus durch Dick und Dünn gehen wollte, ins Gefängnis und sogar in den Tod, und dann kam der Augenblick, wo er seine Treue hätte beweisen müssen, eine kleine Treue nur, doch da hat er ihn verleugnet und verlassen. Im Handumdrehen war sein Glaube weg, nicht ein Hauch davon war übrig. Ein Funke Glaube hätte sich zu einem Feuer entfalten können. Wie aus einem Senfkorn eine Staude hervorwächst, so kann sich ein Körnchen Glaube zu einem standfesten Auftreten entwickeln. Dann ist der Glaube immer noch kein Mammut-Baum, die zarte Staude ist genauso verletzlich wie ein Mensch, es genügt, dass unser Glaube überhaupt da ist, gerade so groß wie ein Senfkorn.

Das kleine Senfkorn entfaltet eine ungeheure Lebenskraft: es bringt Zig-Tausende von neuen Senfkörnern hervor. Dein und mein Glaube kann andere locken, überzeugen und ermutigen, sich ebenfalls Gott anzuvertrauen. Jesus redet hier in der Art eines Weisheitslehrers, er benutzt die sinnbildliche Redeweise der Übertreibung, um die Kraft des Glaubens vor Augen zu malen. In diesem Sinne sagt er: dein Glaube kann bewirken, was dir unmöglich schien.

Unmöglich ist, einem Baum zu befehlen, er solle sich aus dem Erdreich lösen und ins Meer versetzen. Mit dieser Übertreibung macht er deutlich: Es geht nicht darum, großkotzig außergewöhnliche Dinge zu tun.

Vielmehr will er uns die Augen öffnen dafür, dass das Vertrauen an keiner Beschränkung haltmacht. Wo der Verstand keinen Weg sieht, wo das Vorurteil sagt: „Geht nicht“, da findet der Glaube eine Lösung. Wie soll das zugehen? Der Vergleich mit dem Senfkorn zeigt, dass unser Vertrauen wachsen und Erstaunliches bewegen kann.

1 In einem Konfliktfall wird häufig nur nach dem Fehler oder der Unterlassung gesucht; gern weist man die Verantwortung von sich und schiebt dem anderen den Fehler in die Schuhe. Ein Körnchen Vertrauen hingegen öffnet die Herzen, es hilft, die Wahrheit aufzudecken und hält so die Menschen in gegenseitiger Achtung zusammen.

2 Vielen jungen Menschen fehlt Rückhalt und Geborgen­heit. Demzufolge können sie wenig Selbstvertrauen aufbauen. Um ihre Schwäche zu überspielen, setzen sie sich Masken auf: sie geben sich cool, imitieren ein Idol, spielen den starken Hans, doch das alles macht sie innerlich kein bisschen stärker.
Der senfkorn-kleine Glaube geht einen anderen Weg: er fängt mit der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber an. Wer sich selbst anschaut, entdeckt bei sich vieles, was einem nicht gefällt, was aber ein Teil des eigenen Lebens ist, den man nicht einfach abschütteln kann. Jeder Mensch hat eine dunkle Seite: damit meine ich Schwachstellen, die wir gern vor anderen verbergen; schlechte Gewohnheiten, mit denen wir negativ auffallen, Verletzungen in der Seele, die uns misstrauisch, trotzig, vielleicht aggressiv machen.

Auch in dem dunklen Anteil steckt Leben, eben der Teil, der sich nicht hat im Sonnenlicht entfalten können. Wirkt nun ein Hauch Vertrauen in den Schattenbereich ein, so gleicht dies der Keimkraft eines Samenkorns: ungeachtet der widrigen Umstände geht es auf, es wächst und bringt eine neue Lebensweise zur Entfaltung. Neu daran kann sein, dass die Neigung, negativ zu urteilen, einer größeren Offenheit weicht. So kann sich eine schlechte Gewohnheit umkehren oder die zwanghafte Steuerung durch verletzende Erfahrungen sich auflösen. Aus Zweifel wird Zuversicht, aus blinder Aggression umsichtige Tatkraft, aus Trägheit entsteht Mut, aus Gleichgültigkeit Engagement.

3 Manche jungen Menschen fühlen sich, obwohl sie keinen Mangel leiden und sich alles kaufen können, um ihr Leben betrogen, denn sie wissen nicht, wozu sie da sind auf der Welt. Ihr Wunsch, feucht-fröhlich zu feiern, zeigt, dass sie ihre Fähigkeiten nicht mit dem Bedarf in der Gesellschaft zusammenbringen. Vielen fehlt es an Motivation und Ausdauer, um Durststrecken zu überwinden und durch Ausbildung und Erfahrung gute Grundlagen fürs Leben zu erlangen. Die, mit denen man sich die Zeit vertreibt, helfen einem nicht – allein der Glaube sagt: „Dennoch bleibe ich stets an dir. Zeige mir deinen Weg.“ Selbstbewusst-demütig können wir ‚Ich‘ sagen, weil ein großes Du das Ich umgreift: Du bist mir wichtig. Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir.

Das ist die Zusage, die wir bei der Taufe erhalten haben. Die uns von Kindes Beinen an begleiten, die Grenzen ziehen und Türen öffnen, erleben wir als Verstärkung dieses Du. Sie sprechen das Du, wie wenn es aus dem Mund Gottes käme, sie sprechen es als sein Wort, weil es für uns lebenswichtig ist.
Glauben bedeutet: sich mit Gott anfreunden, sich ihm mit Leib und Seele anvertrauen. Lassen wir Gott unseren Freund sein. In seiner Nähe kann das Senfkorn Vertrauen zu einer stattlichen Staude emporwachsen. Mit Gottvertrauen und Ichstärke könnt ihr Probleme lösen, die unüberwindlich scheinen.

Der Maulbeerbaum, Sinnbild des Unmöglichen, von dem Jesus redet, hat feste und tiefe Wurzeln, mit denen er sich im karstigen Boden das Wasser heraufholen kann. So hartnäckig wie der Maulbeerbaum wurzeln die Erfahrungen und Prägungen in uns,. Doch gerade dem Senfkorn-Glauben traut Jesus zu, den beharrlichen Problem-Baum zu entwurzeln.

Glauben heißt nicht: den Egoismus mit anderen Mitteln fortsetzen. Das ist kein Glaube, wenn ich mit Gott – noch besser als ohne Gott – meine Wünsche zu er­füllen strebe. Der Glaube führt mich immer an die Schwelle, wo ich bete: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst. Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Glauben bedeutet letztlich: Jesus Christus ähnlich werden. Gerade dadurch wachsen wir dem Ziel entgegen, wir selbst zu sein.

Bewahre uns, dass wir uns nicht aufblähen und anderen Menschen mit unserem Egoismus wehtun. Bewahre uns in fröhlicher Demut, damit wir uns an deiner Gnade genügen lassen und deine Kraft in uns mächtig ist. Amen.

NL 86 Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht, und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt
Dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt
Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht In der Liebe die alles umfängt ...

Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält, und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt ...

Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist, und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt ...

Gott, der du die Lilien auf dem Feld kleidest und die Vögel unter dem Himmel ernährst, wir bitten für alle, die akut bedroht sind durch Ideologie und Waffengewalt, durch Hunger und Obdachlosigkeit: für Frauen und Kinder in Afghanistan und Iran, in Libanon, Syrien, Türkei, in den Konfliktgebieten in Afrika: Lass Hilfe finden, die fliehen konnten.

Gib Geduld denen, die in einem Engpass stecken. Hilf uns, Überfluss und Mangel in unserem Land auszugleichen. Gib neuen Lebensmut den Schwachen, dass sie sich selbst achten und so gut als möglich für sich selbst sorgen.

Wir bitten für uns selbst und unsere Angehörigen, dass unsere Sorgen nicht größer werden als das Vertrauen
Gott, wer auf dich hofft, wird nicht enttäuscht - alle unsere Sorgen werfen wir auf dich. . Vater unser

665 Gelobt sei deine Treu, die jeden Morgen neu uns in den Mantel deiner Liebe hüllt,
die jeden Abend wieder, wenn schwer die Augenlider, das schwache Herz mit Frieden füllt.

Kleidung und Brot gibst du, der Nächte Ruh dazu, und stellst am Morgen über jedes Dach
des Taggestirn, das helle; und mit der güldnen Welle des Lichts nimmst du das Ungemach.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott segne dein Ja zu allem, was lebt. und dein Nein gegen das Unrecht.
Gott segne die Demut deines Herzens, die Klarheit deiner Worte, die Kraft deiner Hände, er gebe dir Frieden. Amen.