9. Sonntag nach Tr., 9. Aug. 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 9. Sonntag nach Tr., 9. Aug. 2020
Pfr. i.R. Ulrich Koring; Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Deine Gaben setzen das Maß für deine Aufgaben: „Wem viel anvertraut ist, von dem wird man viel fordern.“

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so wie ein Jünger hört. EG452

Gott, du bist mein Gott, den ich suche. * Es dürstet meine Seele nach dir.
Wenn ich mich lege, so denke ich an dich, * wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Du bist mein Helfer, * unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich,
Meine Seele hängt an dir, * deine rechte Hand hält mich. EG 729 Psalm 63

Gott, du hast uns die Erde anvertraut, Verstand und Tatkraft gegeben, Gesundheit und Freude. Vieles läuft falsch in unserer Welt, in vielem haben wir persönlich versagt. Lehre uns, recht umzugehen mit deinen Gaben, auf dein Wort zu hören, damit wir zum Segen werden für die Welt nah und fern. Amen.

Lesung: … Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz…. 1. Kön 3, 5-15

Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben,
ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben. EG 411

Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund… Jer 1, 4-10

Ein Prophet gilt nichts in seiner Stadt; oft gilt er auch nichts zu seiner Zeit. Jeremia war ein solcher Prophet. Seine Zeitgenossen schlugen seine Worte in den Wind - und ernteten Sturm.
41 Jahre wirkte er in Jerusalem. Er begleitete, beriet und kritisierte fünf Könige, er wurde gefangengesetzt, bei der Eroberung Jerusalems befreit und nach Ägypten gebracht.

Jeremia hat ein äußerst dramatisches Leben gehabt. Von 627 an hat er eine große Reform des religiösen Lebens begleitet. Der Geist dieser Reform spricht aus den Reden, die die Einleitung des 5. Buchs Mose bilden. Zugleich hat Jeremia unter seinem Auftrag gelitten. Er hatte es nicht vermocht, die Verantwortlichen zur Umkehr zu bewegen. Der Gang der Ereignisse hat seine Worte bestätigt. Seine Schüler haben sein Wirken mit den Begriffen ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen umschrieben. Sie bekräftigen damit drei Bereiche und Zeitabschnitte seines Wirkens.

  1. Der Auftrag zum Ausreißen und Einreißen spielt auf die Abschaffung der nichtjüdischen Kulte an.

  2. Die Wendung ‘zerstören und verderben’ deutet auf die Zerstörung der Stadt und ihres Tempels hin.

  3. Der tröstliche Auftrag ‘bauen und pflanzen’ erinnert an die Bemühung Jeremias, von Jerusalem aus die nach Babylonien Deportierten zu ermutigen, ihre Verbannung anzunehmen, dort Häuser zu bauen, Gärten anzulegen, und ein neues religiöses Leben zu pflegen.

Diese Sti8chworte zur Biografie Jeremias verdeutlichen, dass ein Prophet mit Leib und Seele in seine Verkündigung hineinverflochten ist. Der Bericht über seine Berufung dient dazu, seine Verkündigung zu legitimieren. Das Unfassliche, das Anstößige, der Trost, die Ermahnung - alles war Gottes Wort.

Gewiss, wir sind nicht Jeremia, doch an seiner Berufung wir erkennen, wie Gott auch uns beruft:
Gott wirbt dich als Mitarbeiter. Er traut dir viel zu. Er hat mir dir viel vor.

(1) Gott handelt durch Worte und Taten von Menschen. Er wirbt um Mitarbeiter, die aufdecken sollen, wie es um uns steht. Er beauftragt sie, die Wahrheit hervor-zusagen. Je nachdem, wie wir es brauchen, sollen sie mahnen, trösten, heilen, befreien. Wer sich von Gott Arbeit geben lässt, übt nicht nur einen Job aus, in dem sich Dienst nach Vorschrift auf Feierabend und Lohntüte reimt.

Wer mit Gott arbeitet, tut dies mit Leib und Seele, mit Kopf, Herz und Hand. Der Herrschaft Gottes ist nicht gedient, wenn einer eigene Interessen verfolgt, egal, ob es sich um den Stuhl des Papstes oder einen Sitz im KGR handelt. Gott beruft nicht in Ämter, um Menschen zu Beamten zu machen. Gott wirbt um Mitarbeiter um des Dienstes willen, damit allen Menschen zum Leben geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gott wirbt um Menschen, die sich entflammen und begeistern lassen - und die deshalb wissen, dass sie nicht aus eigener Kraft selbstgewählte Ziele verwirklichen. Gott wirbt um Mitarbeiter, die sich nicht nur etwas, sondern alles sagen lassen. Das himmlische Unternehmen wäre wirkungslos und ganz und gar ohnmächtig ohne die Menschen.

In einer zerstörten Kirche fand man an dem beschädigten Crucifixus angeheftet mit folgender Aufschrift: Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, Christus hat keine Füße, nur unsere Füße... Strenge Theologen haben dieses Bekenntnis kritisiert: Gottes Macht sei größer als unser Dienst. Gewiss, „mit unsrer Macht ist nichts getan“, das wusste auch jener Schreiber. Aber die Hände Christi sind nicht nur die Hände von Aktivisten. Vielmehr sind Menschenhände überhaupt gemeint. Denn sie sind eben seine Hände.

Gott wirbt Mitarbeiter unter den Menschen, damit das Leben auf Erden menschlich werde, und er findet Mitarbeiter in allen Kulturen, Konfessionen, Gemeinschaften und Altersstufen.

Gottes höchstes Ziel ist es ja, sich zu erniedrigen und Mensch zu werden. Er will nicht ohne Menschen sein und handeln. Deshalb geschieht das Himmelreich auf Erden in den Beziehungen und Bedürfnissen der Menschen. Es ereignet sich dort, wo Menschen Mauern um sich herum bauen und übereinander herfallen. Was muss da alles aufbrechen und zerbrechen, was muss aus- und eingerissen werden, bis Neues gebaut und gepflanzt werden kann!

Dazu beruft Gott dich und mich, dass wir an unserem Platz tun, was unseres Amtes ist. Deswegen erschrecken wir über Gottes Werben und fragen: „Wie kommst du gerade auf mich? Andere sind doch viel besser geeignet. Ich bin zu jung, zu unerfahren, man wird mich nicht akzeptieren und nicht auf mich hören. Mir fehlt die Begabung, das Geschick, die Geduld, der Mut.“

(2) Gott nimmt deine Einwendungen ernst. Gerade deshalb fügt er auch die Ermutigung hinzu, die du brauchst, und rüstet dich mit den nötigen Fähigkeiten aus: denn er traut dir viel zu.

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Ich lege mein Wort in deinen Mund,
so dass du redest, was ich dir sage, und du gehst, wohin ich dich sende.“

Dass uns einer etwas zutraut, wiegt schwerer als die eigene Befürchtung, wir könnten der Aufgabe nicht gerecht werden. Gott weckt das Vertrauen, dass wir nicht aus eigenem Antrieb unseren Dienst tun.
Vielmehr ist es seine Kraft, die uns stark macht; seine Weisung, die uns weise macht; seine Geduld, die uns den langen Atem gibt. Dieses Zutrauen und diese Zurüstung stehen hinter jeglicher Mitarbeit.
Es kommt darauf an, dass wir dem Zutrauen und der Zurüstung durch Gott Vertrauen schenken.

Am Zutrauen wächst ein Mensch. Wie einst Mutter und Vater uns ermutigt haben, so spart Gott weder am Zutrauen noch an der Zurüstung mit den Fähigkeiten seines Geistes: Siehe, ich lege mein Wort in deinen Mund. Sein Zutrauen in uns weckt unser Vertrauen auf ihn. Das Vertrauen auf Gott bewahrt uns davor, uns auf gelernte Verfahrensweisen zu verlassen oder gar auf Macht und Kompetenz.

Gott legt sein Wort auf unsere Zunge. Das lässt uns sehen, wo Gott Neues wachsen lässt. Wir säen vielleicht nur ein Senfkorn, aber es wächst daraus ein Baum, der Schatten spendet und in dem Vögel nisten können. Wir füllen nur Wasser in unsere Krüge - doch für die, die daraus schöpfen, wird es zum Wein des Himmelreichs. Wir legen einem Menschen nur die Hand auf - und siehe da, Gott richtet ihn auf.

Dazu wirbt Gott um Mitarbeiter. Er traut uns viel zu. (3) Denn er hat mit uns viel vor. Stellen wir uns ihm zur Verfügung? Dass Gott um uns wirbt, schmeichelt uns. Dass er uns viel zutraut, darauf sind wir vielleicht stolz. Sagen wir auch ja, wenn es darum geht, die Arbeit zu tun?

Gott teilt Fähigkeiten zu, um Resignation zu überwinden, Hass in Respekt zu verwandeln, Egoismus in Solidarität. Freilich ist es ein steiniger Weg, auf dem wir gehen, um die Liebe, den Trost und den Frieden zu vermehren. Gott mutet uns schwere Aufgaben zu.
Schwer sind sie deshalb, weil es immer um eine Änderung geht: um die Änderung der Einstellung zu uns selbst, um die Änderung des Verhältnisses zu den Mitmenschen und um die Änderung unserer Beziehung zu Gott. Jesus Christus ist Gottes Vorarbeiter. In ihm empfangen wir, was Gott uns zutraut; in ihm erlangen wir, was Gott mit uns vorhat.

Gilt sein Wort, das er Amos, Hosea, Jesaja, Jeremia auf die Zunge gelegt hat, auch heute? Seit Jahrzehnten warnen wachsame Menschen vor den Folgen unseres Wirtschaftens, vor der Erwärmung der Erdatmosphäre, vor Überflutung und Austrocknung, vor der strukturellen Ungerechtigkeit, vor Hass und Gewalt. Zu Feinstaub und Mikroplastik kommt nun noch Covid19 hinzu. Das bedeutet Arbeit für Generationen: ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen. Gott helfe uns Amen.

Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht … Mit ihr lebst du.

Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht … Von ihm lebst du.

Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht … Für ihn lebst du. EG 629

Treuer Gott, als Licht der Erkenntnis und als Feuer der Liebe bist du uns zugewandt. Dein Wort bietet uns Halt und Trost. Hab Dank für die guten Gaben, die du uns verliehen hast. Statt zu klagen, wie schlecht die Welt ist, hilf uns die Aufgaben anpacken, die du uns vor die Füße legst.

Nah und fern sind Menschen um ihr Leben betrogen: Enttäuschte, Verbitterte, Arbeitslose, Hungernde. Viele hängen bösen Theorien an und neigen dazu, durch Gewalt noch mehr Schaden anzurichten. Lass aus der Wut über Unmenschlichkeit neuen Mut zur Menschlichkeit wachsen.

So hilf uns, im Einklang mit der Schöpfung zu leben, mit Tieren und Pflanzen als Lebewesen umzugehen: Lass uns fair und respektvoll mit allen Menschen umgehen.
Gib Weisheit allen, die uns regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not. EG 347

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden. Amen.