5. Sonntag nach Tr., 12. Juli 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 5. Sonntag nach Tr., 12. Juli 2020,
Pfarrer i.R. Koring, Musikstücke : Susanne Weingart-Fink

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Wir wollen etwas aus uns machen. Aber keiner kann über seinen Schatten springen, wie sehr er sich auch anstrengt. Jesus sagt: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“

♫ Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. EG 302
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht'.
Er liebet alle Frommen, und die ihm günstig sind, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund.

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun. Psalm 73

Gott, wir stehen vor dir – oft ratlos, mutlos, hilflos. Löse uns von Angst und Enttäuschung, öffne uns für dich.

Lesung Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium vom Himmelreich und heilte Krankheiten und Gebrechen. Als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. …Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie heilten Krankheiten und Gebrechen. Mt. 9,35ff

O dass dein Feuer bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn!
Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn.
O Herr der Ernte, siehe doch darein: die Ernt‘ ist groß, die Zahl der Knechte klein. EG 241

„Er lehrte die Menge vom Boot aus. Als er aufgehört hatte, sprach er zu Simon: Fahrt hinaus und werft eure Netze aus! Simon antwortete: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische… Lk 5

„Da hast du einen guten Fang gemacht“ – so beglückwünschen wir einen, der zur rechten Zeit am rechten Ort war und geistesgegenwärtig zugegriffen hat. Ein derart guter Fang wird uns nicht jeden Tag geschenkt; unsere Netze sind oft nur mäßig gefüllt.

Im milden Morgenwind schaukelt der See verträumt vor sich hin. Die Fischer haben ihre Netze ausgebreitet und sind dabei, sie von Tang zu befreien und gerissene Maschen zu verknoten. Doch die Mühe der Nacht ist vergeblich gewesen, leer haben sie die Netze eingeholt. Auf ihren Gesichtern steht die Enttäuschung geschrieben. Netze waschen nach reichem Fang fällt nicht schwer, aber Netze pflegen, wenn man nichts gefangen hat, das ist bitter.

Haben wir nicht Ähnliches erlebt? Tag für Tag mühe ich mich für den Betrieb, und dann macht mir die Krankheit einen Strich durch die Rechnung. Immer habe ich meine Pflicht getan, immer die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt – und jetzt der Herzinfarkt, und ich liege da wie ein gefällter Baum. Wer so heftig erlebt, wie die Kraft versagt, der fürchtet von da an, es könne sich wiederholen: trotz großer Anstrengung kein Erfolg. So trifft Jesus den Petrus an; genauso trifft er oft auch uns an.

Mit einer bescheidenen Bitte fängt alles an: „Fahrt mich ein bisschen vom Ufer. Leiht mir euer Boot, damit ich zu den vielen Leuten reden kann.“ Petrus lässt das Boot hinausgleiten, so weit, dass Jesus sie alle sehen kann, so nahe, dass alle ihn hören können. Jesu Wort braucht einen Ort: hier ist es der Arbeitsplatz der Fischer, das kleine Boot, und der große Kreis der Leute, die nun den Gürtel enger schnallen müssen, die aber noch mehr auf eine Speise warten, die das Herz satt macht. Mit ihnen spricht Jesus:

mit den Männern, denen auf ähnliche Weise der Misserfolg ins Herz sticht; mit den Frauen, die schon manche Hoffnung begraben haben; mit den Kindern, die heute hungrig bleiben; mit den Gebrechlichen und Geknickten, die Hilfe brauchen und doch niemandem zur Last fallen wollen. Sie alle hören erwartungsvoll, ob Jesus für sie ein Wort hat zum Trost, zum Heil, zur Hoffnung.

Lukas erzählt nicht, was Jesus gesagt hat; es wird das gewesen sein, wovon er auch sonst redet: vom Senfkorn Hoffnung: klein fängt sie und wird so groß, dass sie ein Leben trägt; er redet von Menschen, die neue Schritte tun; er erzählt Geschichten, die das Himmelreich vor Augen malen: Gott lädt alle gleichermaßen zu Tisch, damit das Leben zur Freude wird. Manchmal ist eine Geschichte dabei von einem verlorenen Schaf oder von Menschen, die neuen Mut fassen zum Leben.

Es tut gut, Jesus zuzuhören und mit seinen Worten zu träumen von einer Welt, in der das Wirklichkeit wird. Aber wie soll das geschehen? Wie kann die Liebe Gottes unter uns von Mensch zu Mensch erfahren werden? Zuwendung und Mitgefühl müsste uns mit den Schwachen verbinden, mit Kindern und Alten. Die Bereitschaft zu teilen und zu helfen müsste den Alltag regieren. Solange die Welt vom Geld regiert wird, müssen wir fragen: „wer regiert denn das Geld?“

Man müsste die Menschen für die Spielregeln des Himmels gewinnen, das wäre ein Erfolg, der die Welt verändern könnte. Aber wie soll man die Menschen für einen Lebensstil der Achtung, der Demut, der Solidarität und des Sich-genügen-lassens gewinnen, wie soll man sie für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung gewinnen? Ist das nicht genauso aussichtslos wie so mancher Fischzug?

Während Petrus, Jakobus und Johannes diesen Fragen nachsinnen, spricht Jesus sie an: Fahrt mitten auf den See und werft eure Netze aus, damit ihr einen Fang tut.“ Petrus erschrickt. Keiner wirft die Netze aus, wenn die Sonne im Zenit steht und der Schatten die Fische vertreibt. Doch „auf dein Wort hin“ fährt er hinaus – so hält er sich im Fall des Scheiterns die passende Entschuldigung offen: „Du hast es so gewollt. Du trägst darum die Verantwortung.“

Tatsächlich, Jesus trägt für dieses Unternehmen die Verantwortung. Genauso ist Jesus verantwortlich, wenn wir im Vertrauen auf sein Wort handeln und eine hilfreiche Tat und ein befreiendes Wort wie ein Netz über die Menschen auswerfen, denen wir begegnen.

Jesu Wort gibt uns eine erstaunliche Freiheit, die Freiheit eines Narren: Wir tun etwas, was gegen alle Regeln der Erfahrung ist. Wir handeln auf die Gefahr hin, uns lächerlich zu machen; wir handeln im Vertrauen auf die Verantwortung unseres Auftraggebers. Das macht uns dem Narren gleich: frei von uns selbst. Dann die Überraschung: das Vertrauen zeigt Wirkung, die Netze sind zum Bersten voll.
Jetzt fühlt sich Petrus selber wie ein Fisch im Netz. Er selbst ist Jesus ins Netz gegangen, ergriffen vom Wort, das närrisch frei macht und Herz und Hände mit Segen füllt.

Verflogen die Nacht der Vergänglichkeit, verflogen sind Zweifel, Enttäuschung, Sorgen. Petrus ist überwältigt von dem, was Jesus durch ihn und an ihm getan hat. Er ist überwältigt, weil er sich von Gott angerührt weiß: mitten im Leben. Darüber erschrickt Petrus – wir werden nicht weniger erschrecken, wenn Gottes Kraft und Segen in unserem Leben hervorbrechen wie die Morgenröte aus dunkler Nacht. Wir erschrecken und fragen uns: Wie kann das zugehen, dass Gott an mir sein Wort erfüllt?

Die Hände, die die Ruder bewegen und die Netze ziehen, haben vorab dem Wort Jesu vertraut, noch nicht das Herz. Darum ist die Bestürzung und Scham so groß. Fixiert auf das Machbare, gefangen im Misstrauen erlebt Petrus die überströmende Kraft Gottes. So antwortet er: “Lass ab von mir, ich bin gefangen in mir selbst, in Zweifeln und Ängsten und Enttäuschungen.“ Aber Jesus überlässt ihn nicht seinem Erschrecken, er zieht ihn noch mehr in seine heilvolle Gegenwart hinein: „Fürchte dich nicht“. Du hast meine Nähe erfahren, nun verschließ dich nicht vor mir. Ich bin für dich da. Noch mehr: ich will, dass auch du für mich da bist – ich für dich, du für mich. Komm heraus aus deiner Bitterkeit und Enge. Von jetzt an sollst du Menschen gewinnen für die Freiheit des Herzens und die Regeln des Himmels. Wirf das Wort aus, so wirst du einen guten Fang tun. Hier wird einer aus seiner Angst und Bitterkeit gefischt, damit er andere zum Leben führe. Ein Wort bewegt. Vertrauen weist vorwärts. Ermutigung bietet Halt. Das Wort erreicht sein Ziel: es erreicht uns. Es erzählt nicht nur die Geschichte des Petrus, sondern unsere Geschichte mit Jesus. Darin erkennen wir unser vergebliches Mühen und das Wunder prall gefüllter Netze. Jesu Ruf ermutigt uns, durch Offenheit und Vertrauen Menschen zu gewinnen fürs Evangelium, damit Achtung und Gerechtigkeit sich mehren, Wahrheit und Friede unter uns wachsen. Amen.

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret; EG 494
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut und kann uns auch gedeihen.

Gott ist's, der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen;
er gibt uns Segen, Mut und Kraft und lässt das Werk gelingen;
ist er mit uns und sein Gedeihn, so muss der Zug gesegnet sein, dass wir die Fülle haben.

Gott, du siehst uns oft ratlos, mutlos, hilflos. Löse uns von Angst und Enttäuschung, öffne uns für deine Gegenwart, Festige unser Vertrauen, „auf dein Wort hin“ zu handeln.
Ermutige alle, die sich abrackern, jedoch am Sinn ihrer Arbeit zweifeln. Richte auf die Verzagten, erleuchte die Pessimisten. Lass uns barmherzig werden und Gerechtigkeit und Bescheidenheit üben, so dass die Menschlichkeit zunehme. Gib Offenheit und Mut, um zu tun, wozu du uns sendest.
Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

♫ Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

♫ Herr Christ, um deines Namens Ehr halt uns in deinem Frieden,
den Glauben stärk, die Liebe mehr', dein Gnad sei uns beschieden;
gib Hoffnung uns in dieser Zeit, führ uns zu deiner Herrlichkeit. Dir sei Lob, Preis und Ehre! EG 356,2

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.