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Miteinander verbunden bleiben

  Sonntags feiern wir Gottesdienst

von 10.30 - 11.05 Uhr in der Kirche


Auflagen für unsere Gottesdienste in der Corona-Zeit

- Die Gottesdienstdauer ist auf max. 35 Minuten beschränkt

- Es gilt ein 2-Meter-Abstand beim Betreten der Kirche, im Kirchenraum und beim Verlassen

- Die entsprechende Bestuhlung beschränkt die Besucherzahl auf 35 Einzelbesucher

- Beim Betreten und Verlassen der Kirche sind Mund und Nase zu bedecken

-  Singen darf im Gottesdienst, wer dazu den Mund-Nasenschutz trägt

- Verzichten müssen wir vorerst noch auf Abendmahlsfeiern

- Wer mit Menschen, die unter Quarantäne stehen, Kontakt hatte oder selbst an Symptomen erkrankt ist,

  die auf Covid-19 hinweisen, ist gebeten, auf den Gottesdienstbesuch verzichten.

 

Für alle, die lieber zu Hause mitfeiern wollen, stellen wir sonntags weiterhin eine Leseandacht auf der homepage ein.

Gerne werfen wir Ihnen die Andacht auch in den Briefkasten. Bitte geben Sie dazu im Pfarramt Bescheid (Tel. 571485).

 


      

Andachten

9. Sonntag nach Tr., 9. Aug. 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 9. Sonntag nach Tr., 9. Aug. 2020
Pfr. i.R. Ulrich Koring; Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Deine Gaben setzen das Maß für deine Aufgaben: „Wem viel anvertraut ist, von dem wird man viel fordern.“

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

Er spricht wie an dem Tage, da er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so wie ein Jünger hört. EG452

Gott, du bist mein Gott, den ich suche. * Es dürstet meine Seele nach dir.
Wenn ich mich lege, so denke ich an dich, * wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
Du bist mein Helfer, * unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich,
Meine Seele hängt an dir, * deine rechte Hand hält mich. EG 729 Psalm 63

Gott, du hast uns die Erde anvertraut, Verstand und Tatkraft gegeben, Gesundheit und Freude. Vieles läuft falsch in unserer Welt, in vielem haben wir persönlich versagt. Lehre uns, recht umzugehen mit deinen Gaben, auf dein Wort zu hören, damit wir zum Segen werden für die Welt nah und fern. Amen.

Lesung: … Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz…. 1. Kön 3, 5-15

Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben,
ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben. EG 411

Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund… Jer 1, 4-10

Ein Prophet gilt nichts in seiner Stadt; oft gilt er auch nichts zu seiner Zeit. Jeremia war ein solcher Prophet. Seine Zeitgenossen schlugen seine Worte in den Wind - und ernteten Sturm.
41 Jahre wirkte er in Jerusalem. Er begleitete, beriet und kritisierte fünf Könige, er wurde gefangengesetzt, bei der Eroberung Jerusalems befreit und nach Ägypten gebracht.

Jeremia hat ein äußerst dramatisches Leben gehabt. Von 627 an hat er eine große Reform des religiösen Lebens begleitet. Der Geist dieser Reform spricht aus den Reden, die die Einleitung des 5. Buchs Mose bilden. Zugleich hat Jeremia unter seinem Auftrag gelitten. Er hatte es nicht vermocht, die Verantwortlichen zur Umkehr zu bewegen. Der Gang der Ereignisse hat seine Worte bestätigt. Seine Schüler haben sein Wirken mit den Begriffen ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen umschrieben. Sie bekräftigen damit drei Bereiche und Zeitabschnitte seines Wirkens.

  1. Der Auftrag zum Ausreißen und Einreißen spielt auf die Abschaffung der nichtjüdischen Kulte an.

  2. Die Wendung ‘zerstören und verderben’ deutet auf die Zerstörung der Stadt und ihres Tempels hin.

  3. Der tröstliche Auftrag ‘bauen und pflanzen’ erinnert an die Bemühung Jeremias, von Jerusalem aus die nach Babylonien Deportierten zu ermutigen, ihre Verbannung anzunehmen, dort Häuser zu bauen, Gärten anzulegen, und ein neues religiöses Leben zu pflegen.

Diese Sti8chworte zur Biografie Jeremias verdeutlichen, dass ein Prophet mit Leib und Seele in seine Verkündigung hineinverflochten ist. Der Bericht über seine Berufung dient dazu, seine Verkündigung zu legitimieren. Das Unfassliche, das Anstößige, der Trost, die Ermahnung - alles war Gottes Wort.

Gewiss, wir sind nicht Jeremia, doch an seiner Berufung wir erkennen, wie Gott auch uns beruft:
Gott wirbt dich als Mitarbeiter. Er traut dir viel zu. Er hat mir dir viel vor.

(1) Gott handelt durch Worte und Taten von Menschen. Er wirbt um Mitarbeiter, die aufdecken sollen, wie es um uns steht. Er beauftragt sie, die Wahrheit hervor-zusagen. Je nachdem, wie wir es brauchen, sollen sie mahnen, trösten, heilen, befreien. Wer sich von Gott Arbeit geben lässt, übt nicht nur einen Job aus, in dem sich Dienst nach Vorschrift auf Feierabend und Lohntüte reimt.

Wer mit Gott arbeitet, tut dies mit Leib und Seele, mit Kopf, Herz und Hand. Der Herrschaft Gottes ist nicht gedient, wenn einer eigene Interessen verfolgt, egal, ob es sich um den Stuhl des Papstes oder einen Sitz im KGR handelt. Gott beruft nicht in Ämter, um Menschen zu Beamten zu machen. Gott wirbt um Mitarbeiter um des Dienstes willen, damit allen Menschen zum Leben geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gott wirbt um Menschen, die sich entflammen und begeistern lassen - und die deshalb wissen, dass sie nicht aus eigener Kraft selbstgewählte Ziele verwirklichen. Gott wirbt um Mitarbeiter, die sich nicht nur etwas, sondern alles sagen lassen. Das himmlische Unternehmen wäre wirkungslos und ganz und gar ohnmächtig ohne die Menschen.

In einer zerstörten Kirche fand man an dem beschädigten Crucifixus angeheftet mit folgender Aufschrift: Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, Christus hat keine Füße, nur unsere Füße... Strenge Theologen haben dieses Bekenntnis kritisiert: Gottes Macht sei größer als unser Dienst. Gewiss, „mit unsrer Macht ist nichts getan“, das wusste auch jener Schreiber. Aber die Hände Christi sind nicht nur die Hände von Aktivisten. Vielmehr sind Menschenhände überhaupt gemeint. Denn sie sind eben seine Hände.

Gott wirbt Mitarbeiter unter den Menschen, damit das Leben auf Erden menschlich werde, und er findet Mitarbeiter in allen Kulturen, Konfessionen, Gemeinschaften und Altersstufen.

Gottes höchstes Ziel ist es ja, sich zu erniedrigen und Mensch zu werden. Er will nicht ohne Menschen sein und handeln. Deshalb geschieht das Himmelreich auf Erden in den Beziehungen und Bedürfnissen der Menschen. Es ereignet sich dort, wo Menschen Mauern um sich herum bauen und übereinander herfallen. Was muss da alles aufbrechen und zerbrechen, was muss aus- und eingerissen werden, bis Neues gebaut und gepflanzt werden kann!

Dazu beruft Gott dich und mich, dass wir an unserem Platz tun, was unseres Amtes ist. Deswegen erschrecken wir über Gottes Werben und fragen: „Wie kommst du gerade auf mich? Andere sind doch viel besser geeignet. Ich bin zu jung, zu unerfahren, man wird mich nicht akzeptieren und nicht auf mich hören. Mir fehlt die Begabung, das Geschick, die Geduld, der Mut.“

(2) Gott nimmt deine Einwendungen ernst. Gerade deshalb fügt er auch die Ermutigung hinzu, die du brauchst, und rüstet dich mit den nötigen Fähigkeiten aus: denn er traut dir viel zu.

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Ich lege mein Wort in deinen Mund,
so dass du redest, was ich dir sage, und du gehst, wohin ich dich sende.“

Dass uns einer etwas zutraut, wiegt schwerer als die eigene Befürchtung, wir könnten der Aufgabe nicht gerecht werden. Gott weckt das Vertrauen, dass wir nicht aus eigenem Antrieb unseren Dienst tun.
Vielmehr ist es seine Kraft, die uns stark macht; seine Weisung, die uns weise macht; seine Geduld, die uns den langen Atem gibt. Dieses Zutrauen und diese Zurüstung stehen hinter jeglicher Mitarbeit.
Es kommt darauf an, dass wir dem Zutrauen und der Zurüstung durch Gott Vertrauen schenken.

Am Zutrauen wächst ein Mensch. Wie einst Mutter und Vater uns ermutigt haben, so spart Gott weder am Zutrauen noch an der Zurüstung mit den Fähigkeiten seines Geistes: Siehe, ich lege mein Wort in deinen Mund. Sein Zutrauen in uns weckt unser Vertrauen auf ihn. Das Vertrauen auf Gott bewahrt uns davor, uns auf gelernte Verfahrensweisen zu verlassen oder gar auf Macht und Kompetenz.

Gott legt sein Wort auf unsere Zunge. Das lässt uns sehen, wo Gott Neues wachsen lässt. Wir säen vielleicht nur ein Senfkorn, aber es wächst daraus ein Baum, der Schatten spendet und in dem Vögel nisten können. Wir füllen nur Wasser in unsere Krüge - doch für die, die daraus schöpfen, wird es zum Wein des Himmelreichs. Wir legen einem Menschen nur die Hand auf - und siehe da, Gott richtet ihn auf.

Dazu wirbt Gott um Mitarbeiter. Er traut uns viel zu. (3) Denn er hat mit uns viel vor. Stellen wir uns ihm zur Verfügung? Dass Gott um uns wirbt, schmeichelt uns. Dass er uns viel zutraut, darauf sind wir vielleicht stolz. Sagen wir auch ja, wenn es darum geht, die Arbeit zu tun?

Gott teilt Fähigkeiten zu, um Resignation zu überwinden, Hass in Respekt zu verwandeln, Egoismus in Solidarität. Freilich ist es ein steiniger Weg, auf dem wir gehen, um die Liebe, den Trost und den Frieden zu vermehren. Gott mutet uns schwere Aufgaben zu.
Schwer sind sie deshalb, weil es immer um eine Änderung geht: um die Änderung der Einstellung zu uns selbst, um die Änderung des Verhältnisses zu den Mitmenschen und um die Änderung unserer Beziehung zu Gott. Jesus Christus ist Gottes Vorarbeiter. In ihm empfangen wir, was Gott uns zutraut; in ihm erlangen wir, was Gott mit uns vorhat.

Gilt sein Wort, das er Amos, Hosea, Jesaja, Jeremia auf die Zunge gelegt hat, auch heute? Seit Jahrzehnten warnen wachsame Menschen vor den Folgen unseres Wirtschaftens, vor der Erwärmung der Erdatmosphäre, vor Überflutung und Austrocknung, vor der strukturellen Ungerechtigkeit, vor Hass und Gewalt. Zu Feinstaub und Mikroplastik kommt nun noch Covid19 hinzu. Das bedeutet Arbeit für Generationen: ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen. Gott helfe uns Amen.

Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht … Mit ihr lebst du.

Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht … Von ihm lebst du.

Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht … Für ihn lebst du. EG 629

Treuer Gott, als Licht der Erkenntnis und als Feuer der Liebe bist du uns zugewandt. Dein Wort bietet uns Halt und Trost. Hab Dank für die guten Gaben, die du uns verliehen hast. Statt zu klagen, wie schlecht die Welt ist, hilf uns die Aufgaben anpacken, die du uns vor die Füße legst.

Nah und fern sind Menschen um ihr Leben betrogen: Enttäuschte, Verbitterte, Arbeitslose, Hungernde. Viele hängen bösen Theorien an und neigen dazu, durch Gewalt noch mehr Schaden anzurichten. Lass aus der Wut über Unmenschlichkeit neuen Mut zur Menschlichkeit wachsen.

So hilf uns, im Einklang mit der Schöpfung zu leben, mit Tieren und Pflanzen als Lebewesen umzugehen: Lass uns fair und respektvoll mit allen Menschen umgehen.
Gib Weisheit allen, die uns regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not. EG 347

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden. Amen.

 

 

8. Sonntag nach Tr., 2. Aug 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 8. Sonntag nach Tr., 2. Aug 2020,
Pfr. i.R. Ulrich Koring, Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Alle Menschen sind Ausländer – fast überall. Doch Gott bietet allen ein Zuhause:
„Durch Christus seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge, sondern Mitbürger und Gottes Hausgenossen.“

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne, bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder, aber nun steh ich bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht. EG 449

Groß ist der Herr und hoch zu rühmen auf seinem heiligen Berge.
Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.
Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden.
Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.
Erzählt den Nachkommen: er ist unser Gott
für immer und ewig ist er es, der uns führt. Psalm 48

Wandelt als Kinder des Lichtes – die Frucht des Lichtes ist lauter Güte, Zurechtbringen und Verlässlichkeit. Habt nichts zu schaffen mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf. Epheser 5

Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann.

Tu der Völker Türen auf; deines Himmelreiches Lauf
hemme keine List noch Macht. Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.

Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut,
und lass reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen sä'n. Erbarm dich, Herr.

Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft
tun, was Heil und Segen schafft. Erbarm dich, Herr. EG 262

es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm … Joh 9, 1-9

Eine merkwürdige Geschichte - ihr Ende zeigt: ein Blinder lernt sehen, die Sehenden erweisen sich als blind. Doch zunächst treffen wir die Verhältnisse so an, wie wir sie kennen: diejenigen mit gesunden Augen haben das Sagen, der nicht sehen kann, hat nichts zu sagen. Ein dunkles Dasein fristet dieser Mensch. Er sieht weder das Sonnenlicht noch das Blütenkleid der Erde. Er sieht nicht das Leuchten der Augen im Angesicht anderer Menschen. Er sieht keinen Sinn in seinem Leben.

Gewiss hat er die Liebe seiner Eltern erfahren, die Mutter hat ihn viel länger als seine Geschwister bei sich getragen. Wie alle Kinder es tun, hat er sich seine Umwelt erobert. Aber weit ist er nicht gekommen. Der Vater hat versucht, seine Fingerfertigkeit zu trainieren. Aber reicht das aus, um einem gesichtslosen Leben Sinn zu verleihen? Immer bleibt er angewiesen auf das Mitleid derer, die ihm ein Almosen zuwerfen, wenn er bettelt.

Was kann er aus seinem Leben machen? Hat er Begabungen, die in ihm schlummern? Leben also, das noch niemand in seiner Umgebung gesehen hat? Ach, niemand hat ihm die Aussicht auf ein eigenes, in sich selbst wertvolles Leben geschenkt. Ein Anhängsel ist er, eine Belastung für seine Familie, noch dazu ein Diskussionsgegenstand der Neunmalklugen, die mit ihrer verletzenden Neugier fragen: „Wer hat gesündigt?“Denn darin waren sie sich alle einig: seine Blind­heit ist die Strafe für ein verborgenes Vergehen. So wird der Blinde zum Gegenstand der Schaulust der Sehenden - wie makaber ist das.

Sogar in die Liebe der Eltern mischte sich der bittere Beigeschmack der Frage: „Kann dies Gottes Wille sein? Warum hat Gott uns das auferlegt?“ Unlösbar sind diese Fragen, sie machen blind für die Wirklichkeit, blind, weil bitter und hart gegenüber dem Blindgeborenen. Er konnte sich nicht erinnern, dass ihn jemals einer begegnet wäre, ihn als geliebtes Geschöpf Gottes angesehen hätte.

Genau das erlebt der Blinde in dem Augenblick, als Jesus sich ihm zuwendet und in seine lichtlosen Augen schaut. Der Blinde sieht, dass da einer ist, der nicht nur sieht, was vor Augen ist, sondern der das Herz anschaut. Der Blinde sieht, wie er Ansehen gewinnt. Er genießt dieses Ansehen. Dieser, der ihn anschaut, ja durchschaut, trägt nicht die Maske des besserwissenden Vorurteils. Er schaut ihn mit den Augen der Achtung und der Liebe an. Der Blinde sieht, wie dunkel sein Leben ist, dass es durch die lieblose Vernünftelei der Frommen noch um vieles dunkler gemacht wird, als es durch den Mangel des Augenlichtes ohnehin ist.

Was könnte uns Besseres geschehen, als dass wir tun, was Jesus an dem Blinden tut: dass wir uns gegenseitig unser Leben aufhellen durch Zuwendung, Verständnis, durch Achtung und Anteilnahme - um das Bittere, das Schwere erträglicher zu machen. Dann werden auch wir die erneuernde Kraft Gottes an uns spüren, wie sie an dem Blindgeborenen offenbar geworden ist.

Allerdings wäre jeder Arzt entsetzt über die Behandlung, die der Blinde erfährt: Aus Straßenstaub und Speichel rührt Jesus einen Brei an und streicht diesen auf die Augenlider des Blinden.
Das ist aus medizinischer Sicht unsinnig und nutzlos. Offensichtlich will Jesus genau diesen Eindruck erwecken, dass er etwas medizinisch Sinnloses tut, um sich von einem Augenarzt zu unterscheiden.
Jesus tut, was vor ihm die Propheten getan haben; er stellt ihn vor die Entscheidung: Vertraust du mir oder vertraust du mir nicht? Er will den Glauben des Blinden wecken. Die schöpferische Wandlung geschieht also nicht auf der leiblichen, sondern auf der geistigen Ebene, sie vollzieht sich am inneren Auge. Mit dem Staub der Straße offenbart Jesus, was dem Blinden das Lebenslicht raubt: die öffentliche Meinung über den Blinden.

Dazu schminkt er das Gesicht des Blinden, wie man einem Schauspieler eine Maske aufmalt. Dann schickt er den Blinden fort, damit er sich wasche im Teich Siloah.
Mit dieser Inszenierung macht Jesus dem Blinden Mut zu sich selbst. In die Selbständigkeit entlassen geht der Blinde los, längs durch die ganze Stadt, und zeigt jedem, der ihm begegnet, den verkrusteten Schmutz auf seinen Augen. Die verschmierten Augenlider sollen die Frage wecken, ob die Blindheit seiner Augen oder das Vorurteil der Sehenden die Verunreinigung sei. Mit den Krusten der engstirnigen Schuldfrage geht der Blinde zum Wasserspeicher, der für das Leben der Stadt lebenswichtig ist, um sich die aufgelegte Mas­ke vom Gesicht zu waschen.

Er muss das selber tun, denn die Gesellschaft wird ihn immer wieder mit ihren Vorurteilen und mit ihrer Engstirnigkeit diskriminieren, wird nach der Sünde fragen. Indem der Blinde mit dem Straßenstaub auch die verkrusteten Vorurteile von sich abwäscht, reinigt er seine Seele von der sozialen Aussonderung und der Entwertung seines Daseins.

Er tut, wozu Jesus ihn gesandt hat. Er vertraut ihm und befolgt sein Wort. Da geht ihm ein inneres Licht auf.
Er, das blinde Geschöpf, lernt innerlich zu sehen, mit den Augen des Glaubens, frei von der Herabsetzung und Entwürdigung durch das herrschende Denken, das behauptet: „Du bist getrennt von Gott, dein Leben ist wertlos!“ Nein: „Ich bin in Gottes Hand, er liebt mich, das gibt meinem Leben unendlich viel Sinn und Wert.“

An diesem Beispiel sehen wir, was Glauben ist: der Blinde lässt sich auf etwas ein, was dem Verstand verrückt erscheint, und er tut, was Jesus ihm aufträgt - das ist der erste Schritt. Der zweite ist, dass er aus der Erleuchtung seines Herzens kein Hehl macht. Die Begegnung mit Jesus ist es, die seine Seele heilt. Wie der Brunnen die ganze Stadt am Leben erhält, so wird Jesus dem Blinden zur Quelle neuen Lebensmutes. Aus Vertrauen und Befolgen erwächst Heil.

Wir dürfen die körperliche Heilung und das Heil der Seele nicht gegeneinander stellen. Dass allein die leiblichen Augen heil wurden, wird nicht gesagt. Vielmehr hat der Blinde eine neue Sicht auf sein Leben gewonnen, eben Zuversicht – und die gründet, wie man hört, auf neuem Sehen.

Dieses innere Sehen ist es, das die frommen Leute aufschreckt und ihren Glauben durcheinander bringt. Sie forschen nach, woher das Licht im Leben des Blinden komme, und behaupten, der, der seine Augen mit Schmutz bestrichen habe, sei selber ein Sünder und könne deshalb nicht zur Erleuchtung des Herzens verhelfen. So bleibt der Gegensatz zwischen innerem und äußerem Sehen bestehen. Die sehend Blinden drängen den blinden Seher an den Rand.

Unsere Geschichte endet in der fürchterlichen Tat, dass die sehend Blinden diesen Menschen, dem die Augen des Vertrauens geöffnet wurden, verstoßen; sie schließen ihn aus der Gemeinschaft und aus der Güte Gottes aus und machen ihn damit zur Null. Abwendung verletzt, nur Zuwendung heilt - und Vertrauen öffnet die Augen für das Unsichtbare.

Damit wir unserer Herzensblindheit gewahr werden, sollten wir immer wieder einmal unsere Augen schließen, statt auf unser Wissen und Könnens zu starren. Dann erleben wir, wie der Blick nach innen freier, tiefer, klarer wird. Dann werden wir auch des Dunklen in uns gewahr, das wir unter unseren Schauseiten verbergen.
Wenn wir dem Wort Jesu vertrauen: „Geh hin und wasch dich“ - und tun, was er sagt, so wird in uns die Güte Gottes aufscheinen wie ein wunderbarer Sonnenaufgang und wir werden eine neue Sicht auf unser Leben und auf unsere Mitmenschen erlangen.

Den Tag, Herr, deines lieben Sohns lass stetig leuchten über uns,
damit, die wir geboren blind, doch werden noch des Tages Kind'

und wandeln, wie's dem wohl ansteht, in dessen Herzen hell aufgeht
der Tag des Heils, die Gnadenzeit, da fern ist alle Dunkelheit.

Die Werk der Finsternis sind grob und dienen nicht zu deinem Lob;
die Werk des Lichtes scheinen klar, dein Ehr sie machen offenbar.

Zuletzt hilf uns zur heilgen Stadt, die weder Nacht noch Tage hat,
da du, Gott, strahlst voll Herrlichkeit, du schönstes Licht in Ewigkeit. EG 441

Treuer Gott, du umfasst alles und bist in allem. Du bist größer als alles, was wir hochhalten, und beugst dich zu denen, die erniedrigt werden. Du lässt keinen einsam sein, sondern bittest auch die herein, die du an den Hecken und Zäunen findest, damit sie alle an Deinem Tisch sitzen. So hilf uns, denen zu helfen, die bei uns Zuflucht und Lebensunterhalt suchen. Vielleicht sind sie deine Boten, die uns unbequeme Fragen stellen nach unserer Gerechtigkeit, nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit? Lass uns hinsehen und hinhören. Anstatt uns zu schützen, zeig uns, wie wir ihnen helfen können. Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun:

  • Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.

  • Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu leben.

  • Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.

  • Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden." Wwdl 172

Segen: GOTT segne dich und behüte dich; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig; GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden. Amen.

 

 

 

7. Sonntag nach Tr., 26. Juli 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 7. Sonntag nach Tr., 26. Juli 2020,
Pfr. i.R Ulrich Koring, Musikstücke: Susanne Weingart-Fink

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Alle Menschen sind Ausländer – fast überall. Doch Gott bietet allen ein Zuhause:
„Durch Christus seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge, sondern Mitbürger und Gottes Hausgenossen.“

Nun lasst uns Gott, dem Herren, danksagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben; dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen.

Wir bitten deine Güte, wollst uns hinfort behüten, uns Große mit den Kleinen; du kannst's nicht böse meinen.

Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch J. Christus. Amen. EG 320

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
So sollen sagen, die der HERR aus der Not erlöst hat,

die er zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.
die irregingen in der Wüste und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,
die zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten

Die sollen dem HERRN danken für seine Güte,
dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem. Psalm 107

Jesus hat sich als Heilsbringer verstanden im Sinne der Propheten (Jesaja 58, 7f):
„Brich dem Hungrigen dein Brot, die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!
Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn.
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte,
und deine Heilung wird schnell voranschreiten."

Brich dem Hungrigen dein Brot. Die im Elend wandern, führe in dein Haus hinein; trag die Last der andern.

Brich dem Hungrigen dein Brot; du hast's auch empfangen. Denen, die in Angst und Not, stille Angst u Bangen.

Der da ist des Lebens Brot, will sich täglich geben, tritt hinein in unsre Not, wird des Lebens Leben. EG 418

Predigt: Bleibt in der Liebe zueinander. Seid gastfrei. Hebr. 13

Was gastfreundlich leben bedeutet, haben wir seinerzeit bei Besuchen in den Partnergemeinden östlich des Eisernen Vorhangs erlebt. Wir aus dem Westen wurden sehnlich erwartet und herzlich aufgenommen. Bei der Bewirtung haben die Gastgeber an nichts gespart, obgleich sie in ihren Läden oft vor leeren Regalen standen.

Gastfreundschaft schafft Freiraum für den Mitmenschen, sie bietet dem Gast Obhut und schützt einen selbst davor, um sich selbst zu kreisen. Gastfreundschaft muss von Herzen kommen, denn „mit dem Gast kommt Gott ins Haus“, sagt ein chassidisches Sprichwort; das wusste auch der Schreiber des Hebräerbriefs. In alter Zeit, als die Apostel von Gemeinde zu Gemeinde zogen, als Händler und Boten weite Strecken unter großen Strapazen zurücklegen mussten, waren Reisende der Hitze und Kälte, dem Hunger und Durst ausgesetzt. Sie konnten sich lebensgefährlich verletzen oder unter die Räuber fallen, wie Jesus eindrücklich erzählt.

Wer mehrere Tagereisen zu Fuß oder mit dem Esel unterwegs war, war auf Hilfe und Herberge angewiesen. Gastfreundschaft zu gewähren war erste Bürgerpflicht. Den unangemeldeten und unbekannten Gast umsorgte man mit allem, was das Haus hergab. Lieber bot man ihm zu viel als zu wenig an und bat ihn, die Weiterreise um einen Tag hinauszuschieben. Ich habe überschwängliche Gastfreundschaft erlebt bei aramäischen Christen im Tur Abdin oder bei einer jüdischen Familie in Eilat, die mich drei Tage gepflegt hat. Auch in deutschen Häusern anlässlich der Teilnahme am Kirchentag. Lang anhaltende Freundschaften sind daraus entstanden.

Heutzutage sind viele eher froh, wenn der Gast bald wieder geht. Manche fürchten, sich zu blamieren, weil sie nicht das Feinste von Feinen aufbieten können. Andere fürchten, sich zu sehr einschränken oder eigene Vorhaben zurückstehen zu müssen. Viele haben noch nie einen fremden Menschen beherbergt und lassen sich deshalb erst gar nicht auf einen Gast ein. So aber machen sie auch nie die Erfahrung, dass sie als Gastgebende selber beschenkt werden mit Aufmerksamkeit, Anteilnahme, Freude, Verständnis und Dankbarkeit.

Regine Hildebrandt, von 1990 bis 99 Ministerin für Arbeit und Soziales in Brandenburg, gern ›Mutter Courage des Ostens‹ genannt, sagte: „Mir sind Gäste zu jeder Tages- und Nachtzeit willkommen; ich mache nicht so viel Aufwand mit ihnen, sondern integriere sie. Sie fügen sich in unser manchmal chaotisch anmutendes Familienleben ein und fühlen sich dabei wohl.“

Gastfreundschaft erwächst aus Lebensfreude, Einfachheit und Bescheidenheit. Sie gehört zu den ältesten Werten der Menschheit. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zu den umherziehenden Jäger und Händlern in der Frühzeit. Der Gast brachte meistens etwas mit: Werkstoffe, Gewürze, Kenntnisse und Fertigkeiten, Kunde aus anderen Ländern. Paulus, der Weltreisende unter den Aposteln, sagte von sich: „ich bin den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche geworden.“ Er ging auf unterschiedliche kulturelle Voraussetzungen und Lebensstile ein – ebenso offen wurde er beherbergt, in Krankheit sogar ärztlich betreut.. Später pflegten die Klöster die Gastfreundschaft: Boten, Pilger und Bettler, auch Könige fanden Obdach und Ruhe und Verpflegung.

Viele unsrer Zeitgenossen sehen es als Naturrecht an, in ferne Länder zu reisen: Doch den Menschen dort, ihren Freuden und Sorgen, ihrer Kultur, begegnen sie wenig oder gar nicht. Käme es nicht gerade darauf an, hinzusehen, sich berühren zu lassen, sich auf einen Dialog einzulassen? Was haben jene Menschen uns zu sagen, deren Kulturdenkmäler wir fotografieren, deren Speisen wir genießen, deren Löwen, Elefanten, Nashörner von reichen Narzisten getötet werden? Was haben jene uns zu sagen, deren Sorgen wir überhören?

Gastfreundschaft schafft Raum für den Mitmenschen, sie bietet Obhut und bewahrt Gastgeber und Gast vor der Fixierung auf sich selbst. Gastfreundschaft ist also sozial und individuell heilkräftig. Denken wir an Maria und Marta, an Simon, an Levi, an Zachäus. ‚Kumpan der Sünder und Zöllner‘ wurde Jesus beschimpft.

Geradezu mit Fleiß und Vorsatz hat Jesus die Gastfreundschaft gesucht. „Steig eilend herab, ich muss heute dein Gast sein“. Jesus hat sich Zachäus aufgedrängt – nicht weil er mal auf einem Marmorboden laufen und auf einer gepolsterten Liege speisen wollte. Nein, er suchte das Vertrauen des Zachäus. Und er brachte in sein Haus, was alle ringsum ihm vorenthielten: Wertschätzung.

Zachäus war verhasst in der Gegend, weil er den Römern die Steuer des Marktplatzes im Voraus bezahlte und hernach das Geld doppelt und dreifach auf den Märkten abschöpfte. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: Jesus antwortete: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. Und Zachäus erklärte: Was ich zu Unrecht genommen habe, will ich vierfach zurückgeben.

Gelebte Gastfreundschaft lässt die ausgestreckten Arme Gottes erfahren und kann auch heute eine Ahnung vom großen Zuhause aller Menschen wecken. Gott möchte unser Vertrauen gewinnen und nutzt die Tischgemeinschaft als Ort, um in unserem Leben das Verkehrte zum Guten zu wenden. Gott selbst ist gastfreundlich und setzt sich mit denen, die er liebend an sich bindet, an den Tisch. Eine der biblischen Urerfahrungen lautet: „Mose und Aaron, Nadab und Abihu und die 70 Ältesten schauten Gott und aßen und tranken.“

Sogar in prekären Verhältnissen bittet Gott um Herberge und wird selber zum Gastgeber. Es sieht wie eine dreiste Unverschämtheit aus: schon lange lastet die Hungersnot auf dem Land, eine Witwe ist im Begriff, ihr letztes Brot zu backen und dann mit ihrem Sohn zu sterben. Diese Witwe fordert der Prophet Elia in Gottes Namen auf, sie solle den kläglichen Rest Mehl teilen und auch ihm von dem Brot geben. Die Notgemeinschaft bringt eine Überraschung nach der anderen und rettet schließlich allen das Leben.

Der Schreiber des Hebräerbriefs hat die Erzählung vom Besuch der drei Männer bei Abraham und Sara vor Augen gehabt; das Besondere an diesen Gästen ist, dass sie etwas mitbringen, gute Nachricht. Aus der griechischen Übersetzung der Bibel haben wir die Bezeichnung für sie übernommen: Engel. Sie künden Zukunft an, sie sagen, dass Gott einen Schritt weitergeht, um sein Wort wahrzumachen. Ja, mit dem Gast kommt Gott ins Haus. Er hält das gegebene Wort: hier wird Sara schwanger; dort gehen Mehl und Öl nicht zur Neige; und für Zachäus geht in Erfüllung, was sein Name sagt: „Gott gedenkt meiner.“

Andererseits ist uns gesagt: Das Himmelreich besteht nicht in Essen und Trinken, sondern im Zurechtbringen, in Friede und Freude im Heiligen Geist. Wenn Essen und Trinken, Fitness und Wellness Lebensinhalt sind, ist für Nächstenliebe und Solidarität kein Platz; statt Himmelreich findet Egotripp statt. Die Folge ist, dass vielen das Nötigste zum Leben fehlt, während einige in Saus und Braus leben.

Liebe geht durch den Magen, sie kleidet sich gern in Handreichungen. Liebe weicht versteinerte Strukturen auf, sie sucht und findet die Vergessenen. Das Arbeitsfeld der Liebe liegt nicht im Himmel, nicht jenseits aller Bedürfnisse. Der Gestaltungsbereich der Liebe liegt im Alltag der Welt, also im Umgang miteinander.

Bleibt in der Liebe zueinander. Seid gastfrei. Die Kirchen der Frühzeit waren Wohnzimmer. Wer bei sich genügend Platz hatte, lud die Glaubensgeschwister in sein Haus ein, um zu beten, die Botschaft zu hören, das Mahl zu feiern und Hab und Gut miteinander zu teilen. Glaube und Liebe wurzeln in häuslicher Gemeinschaft. Sie haben Hand und Fuß. Wir glauben mit Herzen und Händen; wir tragen und trösten; wir werden überrascht und beschenkt, stets will der Glaube leibhaft werden, so dass Christus unter uns Gestalt annimmt.

Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!

Gottes Macht schützt, was er schuf, den Geplagten gilt sein Ruf.

Gottes Wort ruft Freund und Feind, die sein Geist versöhnt und eint.

Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu. EG 454

Treuer Gott, du umfasst alles und bist in allem. Du bist größer als alles, was wir hochhalten, und beugst dich zu denen, die erniedrigt werden. Du lässt keinen einsam sein, sondern bittest auch die herein, die du an den Hecken und Zäunen findest, damit sie alle an Deinem Tisch sitzen.
So hilf uns, denen zu helfen, die bei uns Zuflucht und Lebensunterhalt suchen. Vielleicht sind sie deine Boten, die uns unbequeme Fragen stellen nach unserer Gerechtigkeit, nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit? Lass uns hinsehen und hinhören. Anstatt uns zu schützen, zeig uns, wie wir ihnen helfen können.
Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

Damit aus Fremden Freunde werden, kommst Du als Mensch in unsre Zeit:
Du gehst den Weg durch Leid und Armut, damit die Botschaft uns erreicht.

Damit aus Fremden Freunde werden, schenkst Du uns Lebensglück und Brot:
Du willst damit den Menschen helfen, retten aus aller Hungersnot.

Damit aus Fremden Freunde werden, gibst Du uns Deinen Heilgen Geist,
der, trotz der vielen Völker Grenzen, den Weg zur Einigkeit uns weist."
EG 657

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden. Amen.

6. Sonntag n. Tr., 19.7. 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 6. So. n. Tr., 19.7. 2020,

Pfrin. Anette Prinz, Musikstücke Susanne Weingart-Fink

Eingangswort: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit dir.

„So spricht der Herr, der dich erschaffen hat: Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein“. (Jes 43,1) Es ist eine schöne Gewissheit zu Gott zu gehören, erlöst zu sein, mit Namen gekannt zu werden. Für Christen ist das Ur-Datum, bei dem uns Gott mit Namen ruft die Taufe.

♫ 1 Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; EG 200,1
Ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt

Psalm 139
Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.
Du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.
Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

Gebet
Heiliger Gott, manchmal weiß ich nicht, wohin ich gehöre, wem ich etwas bedeute, auf wen ich in Krisen zählen kann und wer mir mein Glück wirklich gönnt. Nimm mir unberechtigte Ängste und mach mich gewiss: Ich gehöre zu dir, dir bin ich wichtig. Auf dich ist Verlass zu allen Zeiten.
Du kennst mich durch und durch und hälst an mir fest Du meinst es wahrhaft gut mit mir.

Erwählt zu sein gibt einem Menschenleben Glanz und Würde. Mose erinnert die Menschen im Volk Israel an ihre Erwählung durch Gott:
„Du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Der HERR hat euch nicht angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker- denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.“ (5.Mose 7,6-9)

 

Ja ich will.“ -Das ist ein Lebensprägender Satz. Ein einziges Versprechen legt mich fest: auf den einen Partner und unser gemeinsames Leben. Ich tue nicht mehr nur das, was ich will, sondern achte auch darauf, was der will, der jetzt an meiner Seite ist. Weil ich einmal gesagt hab: „Ja, ich will.“ Und vor allem, weil ich ihn liebe, meinen Auserwählten.
„Ja, ich will, das sagt auch Gott.
Im Kontext des biblischen Textes sagt er es zunächst zum Volk Israel. Ihr Israeliten gehört zu mir, sagt er. Ihr seid mir heilig. Ich habe mir Euch ausgesucht. Nicht weil Ihr so toll und so bedeutsam seid. Sondern weil ich euch liebe. Ich will euch begleiten, was auch immer kommt. Gott schwört Israel ewige Treue und macht Israel zu seinem auserwählten Volk.

Ja ich will“ - in Freud und Leid. Gott ist es Ernst damit. Sein Volk ist nicht immer so treu. Achtet nicht darauf, was er vielleicht möchte. Vergisst Gott auch und seine Gebote. Aber Gott wäre nicht Gott und sein Liebe keine wirkliche Liebe, wenn die nicht stärke wäre als alle Enttäuschung, die wir Menschen ihm und einander antun können. Wem Gott seine Liebe erklärt, wird niemals aus dieser Liebe herausfallen.

Manchmal denke ich darüber nach, dass dieser Gedanke für die jüdischen Menschen, die in der Geschichte über die Jahrhunderte immer wieder ausgegrenzt, schrecklich traktiert und gequält wurden, dies ein überlebenswichtiger Gedanke war und noch ist, dass Gott einer ist, der zu ihnen hält. Für ihn waren, sind und bleiben sie heilig und wertvoll, auch wenn ihnen Menschen diese Achtung immer wieder entzogen haben.

Ja ich will“- Wenn zwei sich das vor dem Traualtar versprechen. Dann ist das etwas sehr Exklusives. In dieser Liebesgeschichte hat kein Dritter etwas verloren. Zwei die sich versprechen: „Ja ich will“, messen ihre gegenseitige Liebe an diesem Versprechen.
Gottes Liebesgeschichte mit Israel ist nicht exklusiv.
Israel bleibt nicht das einzig auserwählte Volk. Schon die Propheten lassen die Israeliten wissen,
dass andere Völker in den Bund Gottes aufgenommen werden, dass sie Wallfahrten werden zum Heiligen Berg Gottes. Wie könnte Gott auch als Weltumspannende Macht keine, die ganze Welt durchdringende, Liebe haben.
Für uns Christen beginnt seine Liebesgeschichte mit der Erwählung des Zimmermannsohnes Jesus aus Nazareth. Diese Erwählung ersetzt die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel nicht, sondern öffnet sie. Wie er am Sinai zum Volk Israel sagt: "Ich will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein", so sagt er am Jordan zu diesem Jesus: "Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."
In Jesus Christus wird beides sichtbar: Der erwählte Mensch, dem bei seiner Taufe am Jordan gesagt wird: "Du bist mein lieber Sohn" und der erwählende Gott, der zu den Menschen sagt: "Folge mir nach!" Dieser Jesus, der von Gott erwählte Christus erwählt Menschen zu seiner Gemeinde, zu seiner Kirche. „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt“, sagt er.
Das nun ist die Geschichte unserer Erwählung, die in jeder Taufe besiegelt wird. Jetzt gilt uns dasselbe liebevolle Wort Gottes: ‚Du bist heilig dem HERRN, deinem Gott. ER hat dich angenommen und dich erwählt, nicht weil du besser und beeindruckender wärest als andere, sondern weil er dich liebt.‘
Was für ein Wort. Und was für eine Entlastung: Ich muss nicht einzigartig sein, nicht fehlerfrei um geliebt zu werden. Ich werde geliebt und das macht mich zur Auserwählten, macht mich einzigartig. Gott weiß nur zu gut, dass Christen keine besseren Menschen sind. Aber immer noch gilt: Wem Gott seine Liebe erklärt, wird niemals aus dieser Liebe herausfallen.
Die niederländischen Schriftstellerin Corrie ten Boom hat einmal dafür die Worte gefunden:
„In der Welt muss man Prüfungen bestehen, um etwas wert zu sein, vor Gott aber darf man versagen und wird dennoch auserwählt.“

Die Würde und den Glanz, die uns seine Liebe verleihen, kann uns nichts und niemand nehmen.
Geh mit dieser Zusage durch diesen und alle kommenden Tage.

♫ 1. Nun danket Gott, erhebt und preiset die Gnaden, die er euch erweiset, EG 290
und zeiget allen Völkern an die Wunder, die der Herr getan.
O Volk des Herrn, sein Eigentum, besinge deines Gottes Ruhm.
2. Fragt nach dem Herrn und seiner Stärke; der Herr ist groß in seinem Werke.
Sucht doch sein freundlich Angesicht: den, der ihn sucht, verlässt er nicht.
Denkt an die Wunder, die er tat, und sein Mund versprochen hat.

Gebet
Herr, du kennst mich und hast mich auserwählt. Nimm mich also wie ich bin, und zeig mir, wie du mich haben willst. Jeden neuen Tag leite dein Geist meine Gedanken und Worte, deine Hand meine Schritte, dein Willen mein Tun.

♫ Ich verlass dich nicht, verlass dich drauf. Hab dich fest in meiner Hand. NL 161
Deine Schritte gehe ich mit dir. Ich will dich bewahrn, nicht mit Liebe sparn.
Deine Schritte geich mit dir. Gehst auf gutem Land, ich geb es in deine Hand.
Ich verlass dich nicht, verlass dich drauf. Hab dich fest in meiner Hand.

Segen: GOTT segne dich und behüte dich; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.

5. Sonntag nach Tr., 12. Juli 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 5. Sonntag nach Tr., 12. Juli 2020,
Pfarrer i.R. Koring, Musikstücke : Susanne Weingart-Fink

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Wir wollen etwas aus uns machen. Aber keiner kann über seinen Schatten springen, wie sehr er sich auch anstrengt. Jesus sagt: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“

♫ Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. EG 302
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Er weiß viel tausend Weisen, zu retten aus dem Tod, ernährt und gibet Speisen zur Zeit der Hungersnot, macht schöne rote Wangen oft bei geringem Mahl; und die da sind gefangen, die reißt er aus der Qual.

Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht, und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht'.
Er liebet alle Frommen, und die ihm günstig sind, die finden, wenn sie kommen, an ihm den besten Freund.

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet,
so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte
und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun. Psalm 73

Gott, wir stehen vor dir – oft ratlos, mutlos, hilflos. Löse uns von Angst und Enttäuschung, öffne uns für dich.

Lesung Jesus zog umher in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium vom Himmelreich und heilte Krankheiten und Gebrechen. Als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. …Da rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie heilten Krankheiten und Gebrechen. Mt. 9,35ff

O dass dein Feuer bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn!
Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn.
O Herr der Ernte, siehe doch darein: die Ernt‘ ist groß, die Zahl der Knechte klein. EG 241

„Er lehrte die Menge vom Boot aus. Als er aufgehört hatte, sprach er zu Simon: Fahrt hinaus und werft eure Netze aus! Simon antwortete: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische… Lk 5

„Da hast du einen guten Fang gemacht“ – so beglückwünschen wir einen, der zur rechten Zeit am rechten Ort war und geistesgegenwärtig zugegriffen hat. Ein derart guter Fang wird uns nicht jeden Tag geschenkt; unsere Netze sind oft nur mäßig gefüllt.

Im milden Morgenwind schaukelt der See verträumt vor sich hin. Die Fischer haben ihre Netze ausgebreitet und sind dabei, sie von Tang zu befreien und gerissene Maschen zu verknoten. Doch die Mühe der Nacht ist vergeblich gewesen, leer haben sie die Netze eingeholt. Auf ihren Gesichtern steht die Enttäuschung geschrieben. Netze waschen nach reichem Fang fällt nicht schwer, aber Netze pflegen, wenn man nichts gefangen hat, das ist bitter.

Haben wir nicht Ähnliches erlebt? Tag für Tag mühe ich mich für den Betrieb, und dann macht mir die Krankheit einen Strich durch die Rechnung. Immer habe ich meine Pflicht getan, immer die eigenen Bedürfnisse zurückgestellt – und jetzt der Herzinfarkt, und ich liege da wie ein gefällter Baum. Wer so heftig erlebt, wie die Kraft versagt, der fürchtet von da an, es könne sich wiederholen: trotz großer Anstrengung kein Erfolg. So trifft Jesus den Petrus an; genauso trifft er oft auch uns an.

Mit einer bescheidenen Bitte fängt alles an: „Fahrt mich ein bisschen vom Ufer. Leiht mir euer Boot, damit ich zu den vielen Leuten reden kann.“ Petrus lässt das Boot hinausgleiten, so weit, dass Jesus sie alle sehen kann, so nahe, dass alle ihn hören können. Jesu Wort braucht einen Ort: hier ist es der Arbeitsplatz der Fischer, das kleine Boot, und der große Kreis der Leute, die nun den Gürtel enger schnallen müssen, die aber noch mehr auf eine Speise warten, die das Herz satt macht. Mit ihnen spricht Jesus:

mit den Männern, denen auf ähnliche Weise der Misserfolg ins Herz sticht; mit den Frauen, die schon manche Hoffnung begraben haben; mit den Kindern, die heute hungrig bleiben; mit den Gebrechlichen und Geknickten, die Hilfe brauchen und doch niemandem zur Last fallen wollen. Sie alle hören erwartungsvoll, ob Jesus für sie ein Wort hat zum Trost, zum Heil, zur Hoffnung.

Lukas erzählt nicht, was Jesus gesagt hat; es wird das gewesen sein, wovon er auch sonst redet: vom Senfkorn Hoffnung: klein fängt sie und wird so groß, dass sie ein Leben trägt; er redet von Menschen, die neue Schritte tun; er erzählt Geschichten, die das Himmelreich vor Augen malen: Gott lädt alle gleichermaßen zu Tisch, damit das Leben zur Freude wird. Manchmal ist eine Geschichte dabei von einem verlorenen Schaf oder von Menschen, die neuen Mut fassen zum Leben.

Es tut gut, Jesus zuzuhören und mit seinen Worten zu träumen von einer Welt, in der das Wirklichkeit wird. Aber wie soll das geschehen? Wie kann die Liebe Gottes unter uns von Mensch zu Mensch erfahren werden? Zuwendung und Mitgefühl müsste uns mit den Schwachen verbinden, mit Kindern und Alten. Die Bereitschaft zu teilen und zu helfen müsste den Alltag regieren. Solange die Welt vom Geld regiert wird, müssen wir fragen: „wer regiert denn das Geld?“

Man müsste die Menschen für die Spielregeln des Himmels gewinnen, das wäre ein Erfolg, der die Welt verändern könnte. Aber wie soll man die Menschen für einen Lebensstil der Achtung, der Demut, der Solidarität und des Sich-genügen-lassens gewinnen, wie soll man sie für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung gewinnen? Ist das nicht genauso aussichtslos wie so mancher Fischzug?

Während Petrus, Jakobus und Johannes diesen Fragen nachsinnen, spricht Jesus sie an: Fahrt mitten auf den See und werft eure Netze aus, damit ihr einen Fang tut.“ Petrus erschrickt. Keiner wirft die Netze aus, wenn die Sonne im Zenit steht und der Schatten die Fische vertreibt. Doch „auf dein Wort hin“ fährt er hinaus – so hält er sich im Fall des Scheiterns die passende Entschuldigung offen: „Du hast es so gewollt. Du trägst darum die Verantwortung.“

Tatsächlich, Jesus trägt für dieses Unternehmen die Verantwortung. Genauso ist Jesus verantwortlich, wenn wir im Vertrauen auf sein Wort handeln und eine hilfreiche Tat und ein befreiendes Wort wie ein Netz über die Menschen auswerfen, denen wir begegnen.

Jesu Wort gibt uns eine erstaunliche Freiheit, die Freiheit eines Narren: Wir tun etwas, was gegen alle Regeln der Erfahrung ist. Wir handeln auf die Gefahr hin, uns lächerlich zu machen; wir handeln im Vertrauen auf die Verantwortung unseres Auftraggebers. Das macht uns dem Narren gleich: frei von uns selbst. Dann die Überraschung: das Vertrauen zeigt Wirkung, die Netze sind zum Bersten voll.
Jetzt fühlt sich Petrus selber wie ein Fisch im Netz. Er selbst ist Jesus ins Netz gegangen, ergriffen vom Wort, das närrisch frei macht und Herz und Hände mit Segen füllt.

Verflogen die Nacht der Vergänglichkeit, verflogen sind Zweifel, Enttäuschung, Sorgen. Petrus ist überwältigt von dem, was Jesus durch ihn und an ihm getan hat. Er ist überwältigt, weil er sich von Gott angerührt weiß: mitten im Leben. Darüber erschrickt Petrus – wir werden nicht weniger erschrecken, wenn Gottes Kraft und Segen in unserem Leben hervorbrechen wie die Morgenröte aus dunkler Nacht. Wir erschrecken und fragen uns: Wie kann das zugehen, dass Gott an mir sein Wort erfüllt?

Die Hände, die die Ruder bewegen und die Netze ziehen, haben vorab dem Wort Jesu vertraut, noch nicht das Herz. Darum ist die Bestürzung und Scham so groß. Fixiert auf das Machbare, gefangen im Misstrauen erlebt Petrus die überströmende Kraft Gottes. So antwortet er: “Lass ab von mir, ich bin gefangen in mir selbst, in Zweifeln und Ängsten und Enttäuschungen.“ Aber Jesus überlässt ihn nicht seinem Erschrecken, er zieht ihn noch mehr in seine heilvolle Gegenwart hinein: „Fürchte dich nicht“. Du hast meine Nähe erfahren, nun verschließ dich nicht vor mir. Ich bin für dich da. Noch mehr: ich will, dass auch du für mich da bist – ich für dich, du für mich. Komm heraus aus deiner Bitterkeit und Enge. Von jetzt an sollst du Menschen gewinnen für die Freiheit des Herzens und die Regeln des Himmels. Wirf das Wort aus, so wirst du einen guten Fang tun. Hier wird einer aus seiner Angst und Bitterkeit gefischt, damit er andere zum Leben führe. Ein Wort bewegt. Vertrauen weist vorwärts. Ermutigung bietet Halt. Das Wort erreicht sein Ziel: es erreicht uns. Es erzählt nicht nur die Geschichte des Petrus, sondern unsere Geschichte mit Jesus. Darin erkennen wir unser vergebliches Mühen und das Wunder prall gefüllter Netze. Jesu Ruf ermutigt uns, durch Offenheit und Vertrauen Menschen zu gewinnen fürs Evangelium, damit Achtung und Gerechtigkeit sich mehren, Wahrheit und Friede unter uns wachsen. Amen.

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret; EG 494
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut und kann uns auch gedeihen.

Gott ist's, der das Vermögen schafft, was Gutes zu vollbringen;
er gibt uns Segen, Mut und Kraft und lässt das Werk gelingen;
ist er mit uns und sein Gedeihn, so muss der Zug gesegnet sein, dass wir die Fülle haben.

Gott, du siehst uns oft ratlos, mutlos, hilflos. Löse uns von Angst und Enttäuschung, öffne uns für deine Gegenwart, Festige unser Vertrauen, „auf dein Wort hin“ zu handeln.
Ermutige alle, die sich abrackern, jedoch am Sinn ihrer Arbeit zweifeln. Richte auf die Verzagten, erleuchte die Pessimisten. Lass uns barmherzig werden und Gerechtigkeit und Bescheidenheit üben, so dass die Menschlichkeit zunehme. Gib Offenheit und Mut, um zu tun, wozu du uns sendest.
Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

♫ Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

♫ Herr Christ, um deines Namens Ehr halt uns in deinem Frieden,
den Glauben stärk, die Liebe mehr', dein Gnad sei uns beschieden;
gib Hoffnung uns in dieser Zeit, führ uns zu deiner Herrlichkeit. Dir sei Lob, Preis und Ehre! EG 356,2

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.

 

 

4. Sonntag n. Trinitate, 5.7. 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / 4.So. n. Tr., 5.7. 2020,

Pfrin. Anette Prinz, Musikstücke Susanne Weingart-Fink

 

Eingangswort: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit dir.

Sich aufeinander verlassen können, gibt Sicherheit. Wie gut wenn das die Grundlage einer Ehe oder Freundschaft ist. Wie gut auch wenn wir das als Glieder der Gemeinde Jesu aneinander tun. Paulus sagt im Wochenspruch: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ ( Gal. 6,2)

Psalm 112
Halleluja! Glücklich die Menschen, die Gott in Ehrfurcht begegnen, die große Freude haben an seinen Weisungen …Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich Wohl denen, die barmherzig sind und gerne leihen und das Ihre tun, wie es recht ist! Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis gnädig, barmherzig und gerecht. Denn sie werden niemals wanken; die Gerechten werden nimmermehr vergessen. … Unerschütterlich ist ihr Herz, Sie fürchten sich nicht, auch wenn sie die sehen, die sie bedrängen. …Ihre Gerechtigkeit ist verlässlich immerzu. Ihre Macht ragt in Würde heraus.

Gebet: ‚Einer trage des anderen Last‘, so rät es uns dein Wort, mein Gott. Mach uns frei, einander
vertrauensvoll zu begegnen, um Hilfe zu bieten und Hilfe zu bieten, so wie es dran ist.
Übe uns ein in Gegenseitigkeit.

♫ 1. Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt. EG 651
2. Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt. Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
3. Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt. Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.
4. Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht. Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. … Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Röm. 12,17-21 (gekürzt)

Wissen Sie, was ich denke, was das Schwerste an diesen Sätzen ist: sie sind so richtig. Paulus Worte treffen uns an den Nervenenden unseres Christseins. Wir stimmen seinen Worten zu. Und gleichzeitig prägt uns das Wissen und die Erfahrung, dass unser Alltag mit diesen guten, christlichen Grundsätzen doch nicht so leicht in den Griff zu kriegen ist- beim besten Willen nicht. Und das macht diese richtigen Sätze so schwer.
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“ In seinen Betrachtungen zum Römerbrief nennt der Neutestamentler Klaus Berger diesen Vers den „Sieg des Lächelns“ und schreibt: „Paulus meint: einmal den Anfang machen und Böses nicht mit Schlagabtausch vergelten. Einmal das Eis brechen lassen. Das ist eigentlich etwas Gewaltiges; aber in der Umsetzung ist es vielleicht etwas Zartes, vielleicht ein Lächeln“. Mir gefällt dieses Bild vom Sieg des Lächelns. Solches Lächeln kommt aus dem tiefsten Inneren. Von dort, wo auch die Freiheit sitzt, die Ebene zu wechseln, ganz anders zu antworten, als wir empfangen haben; mit Lächeln zu antworten. Wer lässt ein Lächeln schon gern gefrieren? Die meisten Menschen beantworten es. Und so gibt es so etwas wie eine neue Abfolge von Wort und Antwort. Der Sieg des Lächelns. - Ich erzähle Ihnen eine kleine Geschichte dazu: Ein Mensch erhielt eines Tages einen Brief, der von handfesten Beleidigungen nur so strotzte. Seine Freunde rieten ihm, den Briefeschreiber zu verklagen. Höflichkeit hat schließlich ihre Grenzen. Der Mensch aber wollte davon nichts wissen. Er schickte den Brief an den Absender zurück und fügte ihm folgende Worte hinzu: „Gestern wurde mir beiliegender Brief zugestellt. Ich sende Ihnen den Brief zu, da Sie als angesehener Bürger wissen müssen, dass irgendein unverschämter Mensch in Ihrem Namen beleidigende Briefe verschickt.

♫ 2. Du Versöhner, mach auch uns versöhnlich. Dulder, mach uns dir im Dulden ähnlich, EG 415
dass Wort und Taten wahren Dank für deine Huld verraten.
3. Du Erbarmer, lehr auch uns Erbarmen.Lehr uns milde sein, du Freund der Armen.
O lehr uns eilen, liebevoll der Nächsten Not zu teilen.
4. Lehr uns auch der Feinde Bestes suchen; lehr uns segnen, die uns schmähn und fluchen,
mit deiner Milde. O gestalt uns dir zum Ebenbilde.

Gebet: Gott, gib mir die Freiheit über mich selbst lachen zu können,
schenke mir ein großes Herz, um die zu respektieren, die anders sind als ich,
gib mir Humor, damit ich streiten kann, ohne zu verletzen,
gib mir die Größe anderen die Hand zum Frieden zu reichen.

♫ 1. Mit dir, o Herr, die Grenzen überschreiten, mit deinem Geist die engen Herzen weiten. NL 70
Herr Jesus Christ, gib uns in deiner Gnad, dass wir dich ehrn mit Worten und mit Tat.
//:Halleluja! Lobet den Herrn! Halleluja! Halleluja! Lobet den Herrn! Halleluja! ://

Segen: GOTT segne dich und behüte dich; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.