Aktuelles

 

Miteinander verbunden bleiben

 

Ab dem 17. Mai 2020 feiern wir sonntags um 10.30 Uhr
wieder Gottesdienst.


Auflagen für unsere Gottesdienste in der Corona-Zeit

- Die Gottesdienstdauer ist auf max. 35 Minuten beschränkt

- Es gilt ein 2-Meter-Abstand beim Betreten der Kirche, im Kirchenraum und beim Verlassen

- Die entsprechende Bestuhlung beschränkt die Besucherzahl auf 35 Einzelbesucher

- Beim Betreten und Verlassen der Kirche sind Mund und Nase zu bedecken

- Während des Gottesdienstes wird das Tragen eines Mund-Nasenschutzes empfohlen

- Verzichten müssen wir vorerst auf das gemeinsame Singen und auf Abendmahlsfeiern

- Wer mit Menschen, die unter Quarantäne stehen, Kontakt hatte oder selbst an Symptomen erkrankt ist,

  die auf Covid-19 hinweisen, ist gebeten, auf den Gottesdienstbesuch verzichten.

Für alle, die lieber zu Hause mitfeiern wollen, stellen wir sonntags weiterhin eine Leseandacht auf der homepage ein.

Gerne werfen wir Ihnen die Andacht auch in den Briefkasten. Bitte geben Sie dazu im Pfarramt Bescheid (Tel. 571485).

Für unsere Gruppen und Kreise ist noch RUHEZEIT.
Das Gemeindezentrum bleibt Mo.- Sa. bis auf Weiteres geschlossen.


      

Andachten

Pfingstmontag

Verbunden durch Liebe und Internet / Pfingstmontag, 2020, Pfr. i.R. Ullrich Koring

GOTT sei mit dir: als Quelle der Liebe; als Gnade, die Mensch wird; als Kraft, die Leben schafft.

Noch spüren wir das Heimweh nach dem vertrauten Kirchenraum, der uns fünf Wochen lang verschlossen war. Hatte das Versammlungs­verbot uns verwehrt, in räumlicher Gemeinschaft Ostern zu feiern, so versetzt uns die unsichtbare Gefahr, zum Wirt und Verbreiter des Virus zu werden, nun zu Pfingsten in ein noch größeres Dilemma. Gerade haben wir gelernt, dass der Atemstrom, der Covid19-Viren verbreitet, andere gefährdet, da hören wir zu Pfingsten vom Gegenteilt: „der Atem Gottes erweckt zum Leben“.

 

Wind kannst du nicht sehen (Wwdl 88)

Wind kannst du nicht sehen, ihn spürt nur das Ohr, flüstern oder brausen wie ein mächt‘ger Chor:
Wind kannst du nicht sehen, doch hör, wie er spricht tief im Herzen Worte voller Trost und Licht.
Geist kannst du nicht sehen, doch wo er will sein, weicht die Angst und strömt die Freude mächtig ein.
Hergesandt aus Welten, die noch niemand sah, kommt der Geist zu uns, und Gott ist selber da. NL 88

Ps 100 Jauchzet dem Herr, alle Welt; dienet dem Herrn mi Freuden,
Kommt vor sein Angesicht mir Frohlocken, erkennt, dass er Gott ist.
Er hat uns geschaffen, ihm gehören wir.
Sein Volk sind wir, Herde auf seiner Weide.

Lesung Wenn der Tröster kommt, wird er der Welt die Augen auftun
über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht. Joh. 16,8

 

Nimm du mich, heiliger Atem (Wwdl 72)

Nimm du mich, heiliger Atem, zünde dein Feuer an, zeig den Weg, gib Antwort, aus der ich leben kann.

Gottesgeist, komm und berühre mein mir verborgenes Ich, lehr es fest zu glauben: Jesus erwartet mich.

Wecke mich, heiliger Atem, mach du mich neu bereit, in den Dienst zu treten gegen die Traurigkeit. NL+72

Überall, wo der neue Anstand des Abstandhaltens nicht zu gewährleisten ist, bedecken wir Nase und Mund. Gewissenhaft befolgen wir die neuen Regeln sogar bis in den Kirchenraum hinein. Doch was bedeutet das? Es wäre fatal, wenn wir Gott gegenüber Distanz hielten und einen Atemschutz trügen. Denn das Pfingstereignis gleicht einer Notfall-Beatmung von Mund zu Mund:
Er hauchte sie an und sprach: Nehmt hin den Heiligen Geist“ (Joh. 20,22).

Leben einhauchen gilt in der Bibel als Wesen und Kern des Schöpfungsaktes. Der Leib als fassbares Gebilde ist leblos wie ein Leichnam. Erst nachdem ihm Leben eingehaucht wird, erwacht die Erdgestalt zum Leben. Der Mensch ist Adam, d.h. erdig, „von Erde genommen, weil er im Tod wieder zur Erde zurückkehrt.“ Bewegen, fühlen und denken, reden und handeln, arbeiten und gestalten werden dadurch möglich, dass der Atemstrom alle Lebensregungen in Gang setzt.

Wer Leben gibt, kann es auch nehmen; der Schöpfungshymnus Psalm 104 sagt:

Nimmst du weg ihren Lebenshauch, so vergehen sie und werden zu Staub.
sendest du deinen Lebenshauch, so erneuerst du das Angesicht der Erde.

Auf diese großartige Poesie greift der Evangelist Johannes zurück und erzählt:

Jesus hauchte sie an und sprach: „Nehmt hin den Heiligen Geist.“

Pfingsten steckt an. Dass der Geist Gottes in die Welt kommt, bedeutet eine globale Infektion. Das ist kein frivoles Wortspiel, sondern beschreibt den Akt göttlicher Heilkunst. Dank ärztlicher Obhut und künstlicher Beatmung konnten tausende Corona-Patienten physisch am Leben erhalten werden. Die Beatmung, die Gott vornimmt, ist die spirituelle Heilbehandlung, die uns Leben, Sinn und Ziel, Halt und Trost, Freiheit und Kraft verleiht.

Das Virus, das rund um die Welt vielen Menschen den Atem raubt, sogar Nieren, Herz und Hirn befällt, spiegelt uns, dass wir mit unserer Art zu leben die ganze Welt krank machen. Wie sich das Virus an keine Grenzen hält, sondern überall ausbreitet, wohin Menschen es tragen, so breiten wir hochindustrialisierte Menschen über alle Grenzen hinweg unseren Hunger aus: die Habgier nach Rohstoffen, nach billigen Arbeitskräften, nach Energie, nach Absatzmärkten, nach Börsengewinnen, den Hunger nach Macht.

In unserer Gier entpuppt sich nicht unsere Unmoral – Wirtschaftskriminalität und Korruption gibt es freilich zuhauf. Nein, der Drang zu wachsen ist genauso wie der Verfall dessen, was wir aufgebaut haben, naturgemäß. Zu fragen ist, wie wir ‚gesund‘ wachsen können, wachsen in Respekt, in Gleichachtung, in Fairness, im Schützen und im Teilen, also wachsen in einer Art des Nützens, das nicht egoistisch und auf den schnellen Erfolg ausgerichtet ist. Zu fragen ist nach einem Wachsen und Nützen, das in den Bahnen der Natur, der Nachhaltigkeit, der Nächstenliebe, des Wohlergehens aller verläuft.

Wie können Politik, Konzerninteressen, Börsengewinne mit Nächstenliebe zusammenfinden? Die Wirtschaft, wie wir sie gelernt haben, bietet für Nächstenliebe keinen Raum. Dennoch darf Wirtschaft nicht als moralfreier Raum gedacht werden. Denn das Wirtschaften und die daraus entstehenden Ungleichgewichte sind die primäre Ursache für Kriege.

Nächstenliebe hat nichts mit Nettigkeit und gönnerhafter Nachsicht zu tun, sondern mit Recht und Verlässlichkeit und Schutz der Lebensbedingungen. Zu dem Zweck sind vor 5000 Jahren die Stadtstaaten zwischen Euphrat und Tigris entstanden: gemeinsame Aufgaben lassen sich am besten in gemeinschaftlicher Organisation und Anstrengung lösen – und darin waren sie kontinuierlich erfolgreich.

Astronauten haben vom Weltraum aus wahrgenommen, wie schön, wie einzigartig, wie verletzlich der „blaue Planet“ ist. Reiche und Arme, Mächtige und Ohnmächtige, Bewaffnete und Schutzlose, alle sitzen im selben Boot. Covid19 ist als blinder Passagier mit den modernen Weltreisenden mitgereist und hat in wenigen Wochen fast die ganze Welt erobert. Das Virus konfrontiert uns mit dem Leichtsinn, der Selbstüberschätzung und den Versäumnissen unserer Zeit. Das auferlegte Anhalten vieler Bereiche des öffentlichen Lebens hat uns gezeigt, dass weniger Mobilität, weniger Unrast zwar weniger Umsatz, dafür aber mehr Achtsamkeit, mehr Wertschätzung des Elementaren bedeuten kann.

Auch die beste Politik vermag nicht, durch Überbrückungsgelder den Unternehmen, den Familien, den Kindern und Alten neues Leben einzuhauchen. Zu tief steckt das Virus der Selbstüberschätzung in uns. Die Pandemie stellt alles infrage: Lebensentwürfe, Ansprüche, Gewohnheiten, vor allem Strukturen globaler Ungerechtigkeit. Trockenheit und Überschwemmungen, Missernten und Hunger nehmen zu sowie der Mangel an Trinkwasser. Die Ungleichheit der Chancen und die sich verschärfenden Verteilungskämpfe bilden schon lange eine Pandemie. Doch wir haben der Auszehrung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Systemen zu wenig Beachtung geschenkt. Wir sehen unsere Wunschwelt ausgebreitet zwischen maritimem Sonnenschein und künstlichem Schnee. Dass zwischen den Wendekreisen der Sonne in dramatischem Umfang Lebensräume vernichtet werden, blenden wir oft aus. Doch die lebensfeindlichen Auswirkungen sind uns näher als wir meinen.

Unsere Voreltern, die weitgehend naturgemäß lebten, weil sie sich ihres Eingreifens in die Natur bewusst waren und das natürliche Gleichgewicht so wenig wie möglich störten, hatten einen Ausdruck für das, was Nicht-Welt ist: sie sprachen von Chaos, Tohuwabohu, Durcheinander und kollektivem Gegeneinander. Je größer unsere technische Macht, desto größer das Chaos, das wir anrichten.

Corona offenbart unsere Übertreibungen. Wir sollten alles tun, um das Weltgeschehen auf einen guten Weg zu bringen. Dazu haben wir Verstand und Geld. Was uns fehlt, ist der Lebenshauch, der unser stickiges Denken durchlüftet, der Verzagte ermutigt, Träge in Gang setzt, Verschlafene aufweckt, Niedergeschlagene aufrichtet, Wohlsituierte zum Teilen anleitet.

Dieser Lebenshauch überwindet das Chaos und erschafft eine heile Welt. Lassen wir den Frühlingshauch der Belebung zu. Lassen wir uns gefallen, dass Gott Tag für Tag kommt, um uns zu beatmen: Geist und Sinne zu wecken und dem Leib Frieden zu gewähren.

Das folgende Lied ist zu singen auf die Melodie: Was mein Gott will, das g‘scheh allzeit (EG 364)

Die Erde, die du schufst, ist gut, wer wird sie so bewahren?
Denn was der Mensch vemag und tut, bringt Ängste und Gefahren.
Der Fortschritt unsrer späten Zeit wirft einen schweren Schatten:
das Ende – eine Möglichkeit, die wir vergessen hatten.

Vielleicht ist es noch nicht zu spät, das wir begreifen lernten:
es liegt an uns. Denn was er sät, das wir der Mensch auch ernten.
Wir halten, Herr, erschrocken ein, weil wir uns ändern müssen.
Lass deine Menschheit nicht allein und schärfe die Gewissen.

Der du aus einer Wolke sprachst, erfüll die Luft mit Segen.
Der du das Brot der Erde brachst – komm uns daraus entgegen.
Erlöse von des Abgrunds Rand uns ungetreue Erben
und lass uns nicht durch eigne Hand am Turm zu Babel sterben.

Die Erde, die du schufst, ist dein. Lass uns sie nicht zerstören,
und endlich wach und willig sein, auf dein Gebot zu hören.
Lob sei dir, Vater, Sohn und Geist,, du wirst uns Beistand geben.
Der du den Weg zum Guten weist, du liebst und bist das Leben. (Detlev Block)

Treuer Gott, erbarme dich unser und aller, die nach Trost und Hoffnung lechzen.
Die resignieren, ermutige, neu anzufangen; lass sie die Hilfe erlangen, die sie brauchen.
Lass uns nüchtern auf Tatsachen sehen und keinen Gerüchten trauen.
Hilf uns, denen beizustehen, die bei uns mit ihrem Alltag nicht zurechtkommen.
Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

Komm, göttliches Licht, erleuchte die Erde, erfüll unsre Herzen, nimm Wohnung in uns. EG 575

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.

Pfingstsonntag

Verbunden durch Liebe und Internet / Pfingsten 2020, Pfrin. Anette Prinz

Eingangswort: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit dir.

„Schmückt das Fest mit Maien, lasset Blumen streuen, zündet Opfer an; denn der Geist der
Gnaden hat sich eingeladen, machet ihm die Bahn.“ Pfingsten feiern wir den Heiligen Geist.
Er ist der Geburtshelfer der Kirche und Mutmacher für die Menschen dieser Kirche.
Es soll nicht durch Macht oder Gewalt geschehen, sondern durch die Kraft meines Geistes, spricht der HERR, Zebaoth“. (Sach.4,,6)

Psalm 118
Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten.
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen.
Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Gebet
Heiliger Gott, dies ist der Tag, den du gemacht hast, der uns Freude und Fröhlichkeit schenken will. Vertreib alle Schwere aus unserem Herzen, alle Ängstlichkeit, alle Vorbehalte gegeneinander.
Dein Geist schaffe dir Raum in unserer Mitte, er entfache das Feuer des Glaubens neu
und bewege uns zu Veränderungen, die uns und anderen guttun. Amen

 

O Heiliger Geist (EG 131)

♫ O Heiliger Geist, o heiliger Gott, du Tröster wert in aller Not, du bist gesandt vons
Himmels Thron, von Gott dem Vater und dem Sohn. O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott, gib uns die Lieb zu deinem Wort; zünd an in uns
der Liebe Flamm, danach zu lieben allesamt. O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott, mehr unseren Glauben immerfort. An Christus
niemand glauben kann, es sei denn durch dein hilf getan. O Heiliger Geist, o heiliger Gott.

 

Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien bis ans Ende der Erde.“ Mit diesem Wort Jesu im Ohr kehrten die Jüngerinnen und Jünger nach seiner Auffahrt von der Erde nach Jerusalem zurück, trafen sich dort regelmäßig in einer Wohnung, um miteinander zu sprechen und zu beten um das Kommen dieses Geistes . (Vgl. Apg, 1,4-14).

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an
zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“
. (Apg. 2,2-4)

Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Wie schön dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst, singen wir oftmals einem Geburtstagkind, dass uns ans Herz gewachsen ist.
In den vergangen Wochen hatten wir die Gelegenheit zu prüfen, wie sehr uns das heutige Geburtstagskind ans Herz gewachsen ist. Von einem Tag auf den anderen fiel sie aus, die Kirche.

Es gab keine Sonntagsgottesdienste, überhaupt kein Gemeindehausleben mehr. Die Vernunft und die Sorge um die Risikogruppen, die ja gerade auch in unseren Kirchen ein zu Hause haben, ließen uns den Schließungsbeschluss, wenn auch schweren Herzens, mittragen. Gebohrt hat in mir dennoch ein Schmerz, der mit diesen Auflagen einherging. Der Schmerz darüber, dass Kirche mit ihrem Auftrag und ihren Angeboten zumindest auf Gemeindeebene nicht systemrelevant zu sein scheint; was ich mit „unwichtig“ interpretiert habe. Das hat schon etwas mit mir gemacht:

Da ist es doch tröstlich, dass die Pfingstgeschichte uns daran erinnert, dass die Krise, in der sich die Jüngerschaft Jesu befunden hat, nachdem ihr Herr und Meister nicht mehr da war, nicht zum Niedergang der Jesusbewegung geführt hat. Im Gegenteil. Die frühe Jesusgemeinschaft, erzählt Lukas in seinem Apostelbericht, ist gestärkt und ermutig aus dieser Krise erwacht.
Auf einmal war ihre Verzagtheit im Blick auf das, was werden soll im wahrsten Sinne des Wortes wie weggeblasen „von einem gewaltigen Wind“. Ihre Erleuchtung stell ich mir so vor: Die Männer und Frauen waren zunächst geschockt vom Tod Jesu, dann ratlos, was aus dem Reich Gottes, das mit Jesus so hoffnungsvoll begonnen hat, werden soll. Sie saßen zusammen, sie haben diskutiert, geschwiegen, gebetet, wieder hin und her geredet. Vielleicht noch einmal den Himmel um Rat gefragt. Und dann ist es ihnen aufgegangen das Licht, -womöglich allen zugleich:
Sie konnten wieder glauben, dass Gott da ist. Und das sie selbst eine Stimme haben. Dass es wichtig ist, ihre Geschichte zu erzählen. Dass ihre Erfahrung es wert ist, gehört zu werden. Die Freude kehrte zurück. Die Faszination an dem was sie mit Jesus erlebt hatten, war wieder da, dazu Mut, Entschlossenheit, Trotz. Sie fühlten eine innere Stärke, die sie nicht mit ihrer eigenen Kraft erklären konnten. Was da passierte war Gottes Kraft. Jesu Jünger und Jüngerinnen trauten sich wieder hinaus und unter die Leute und sie trauten sich zu reden, von allem was sie mit Jesus erlebt und von ihm erfahren haben. Gottes Geist hat den Worten der jungen Gemeinde Flügel verliehen. Sie haben viele Menschen in diesen Tagen mit ihren Worten erreicht und mit auf Jesu Weg genommen.

Krisen belasten nicht nur. Sie bieten auch Chancen, ja, wir können sogar gestärkt aus ihnen hervorgehen. Das können wir aus der Pfingstgeschichte mitnehmen für uns.
Die Coronakrise hat in meinem Empfinden auch die Kirche in eine Krise geführt.
Vielleicht hat sie auch nur verstärkt, was an Befürchtungen und Ängsten schon lange schwelt.
Wie wichtig ist Kirche eigentlich noch in unseren Tagen? Wie wichtig nehmen wir uns noch selbst? Darum kreisten meine Gedanken in den vergangenen Wochen der Kirchenschließungen. Die Pfingstgeschichte hat mich das Umdenken gelehrt.
Jetzt frage ich mich lieber. Warum braucht es Kirche? Warum braucht es mich, braucht es uns? Die Jünger und Jüngerinnen damals haben es für sich neu gefühlt: #Jesus hat uns zu seinen Zeugen/innen gemacht. Darum braucht es uns#.

Es braucht uns. Mit den ersten Christinnen und Christen können wir uns daran erinnern heute am Pfingstfest: Wenn Jesus uns zu seinen Zeugen/innen bestimmt hat, dann sind wir es, auf die es ankommt. Jeder einzelne von uns ist gefragt. Wir zeigen, dass Jesus mit seinem Geist noch lebendig unter uns ist oder keiner. Wir bauen in seinem Geist am Reich Gottes weiter oder keiner. Wir bezeugen seine Liebe, die allen Menschen gilt und keinen einzigen diskriminiert oder ausgrenzt. Wir bezeugen, dass Jesu Hilfe ganz besonders den Armen, Schwachen und Kranken gilt.
Wir bezeugen, dass wir Teil einer wunderbar gestalteten Schöpfung sind, die Gott uns aufgetragen hat zu bewahren. Wir sprechen, leben und handeln in Gottes Geist. Wir oder keiner.

Sehr programmatisch habe ich das formuliert. Und weiß es doch besser. Über diesen Geist verfügt keiner von uns von sich aus. „Er weht wo er will“, sagt Jesu im Johannesevangelium ganz lapidar. „Du hörst ein Sausen, aber du weißt nicht woher er kommt und wohin er fährt“. (Joh 3,8)

Wir können um diesen Geist nur immer wieder bitten. Darum bitten, dass er nicht an uns vorbeiweht, sondern uns erkennen lässt, was zur Stunde gilt; dass er uns ermutigt, die Veränderungen, die uns die Corona-Krise auferlegt, uns zum Besten dienen lassen und das er uns dafür viel Kreativität schenkt.
Wir können ihn in dieser schwierigen Zeit, in denen unsere Kirchengemeinschaft arg strapaziert ist, in der gemeinsames Singen und gemeinsames Feiern des Abendmahls noch verboten sind nur bitten, dass er unseren inneren Zusammenhalt schützt und stärkt.

Nur bitten können wir ihn, dass er uns Zeuginnen und Zeugen von Jesu Liebe und Auferstehung in unser Leben sein lässt und dass er uns dafür die richtigen Worte finden und das Richtige tun lässt.

 

Komm, o komm, du Geist des Lebens (EG 134)

♫ Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit! Deine Kraft sei nicht
vergebens, sie erfüll uns jederzeit; so wird Leben, Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein.

Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir ander’s nichts beginnen
als nur, was dein Wille sucht; dein’ Erkenntnis werde groß und mach uns vom Irrtum los.

Ist uns auch um Trost wohl bange, ruft das Herz in Traurigkeit: Ach, mein Gott, mein Gott, wie lange? O so wende unser Leid, sprich der Seele tröstlich zu und gib Mut, Geduld und Ruh.

Gebet:
Wir bitten Herr um deinen Geist. Um den Trost für alle Kranken, um die Kraft für alle, die für
andere sorgen, um die Barmherzigkeit der Gesunden, um den Beistand für unser Gemeindeleben.
Wir bitten Herr um deinen Geist.
Vater unser

 

Schenk uns Weisheit (EG 635)

♫ 1. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut für die Ängste, für die Sorgen,
für das Leben heut und Morgen: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

3. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut für die Zeit in der wir leben,

für die Liebe, die wir geben. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

5. Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut für die vielen kleinen Schritte,

Herr bleib du in unsrer Mitte: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut.

 

Segen: GOTT segne dich und behüte dich; Er lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig; Er bleibe dir zugewandt und gebe dir Frieden.

 

 

Exaudi

 Verbunden durch Liebe und Internet / Exaudi, 24. Mai 2020

GOTT sei mit dir: die Quelle der Liebe; die Gnade, die Mensch wird; die Kraft, die Leben schafft.

„Es geht aufwärts.“ Mit der Wirtschaft blüht der Lebensmut auf. Werden die Starken für die Schwachen zu Partnern werden? Wer wird, wenn die Erträge steigen, das Wohlergehen erhöhen, die Solidarität in Kraft setzen? Arbeit soll satt machen – Barmherzigkeit erhebt und Frieden vereint. Lernen wir von Christus, er spricht: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

♫ Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit, deine Kraft sei nicht vergebens,
sie erfüll uns jederzeit, so wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein. EG 134

Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht, dass wir anders nichts beginnen als nur, was dein Wille sucht; dein Erkenntnis werde groß, und mach uns vom Irrtum los.

Ps 27 Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? EG 714
Sei getrost und unverzagt – harre des Herrn.

Gebet: Gott, Heiliger Geist, du entfaltest deine Liebe in der Vielfalt des Lebendigen. Wir aber geben deiner Liebe wenig Raum, tun einander weh und wälzen Schuld auf andere. Wende unsere Herzen zu dir, dass wir dir mit unserem Wollen und Können dienen.
Du rufst uns auf neue Wege, doch wir bleiben lieber stehen im Gewohnten. Wandle Erstarrung in Bewegung, Furcht in Vertrauen und Abgrenzung in Zuneigung. Amen.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will:
Ich will meine Weisung in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Es wird keiner den andern lehren und sagen: „Erkenne den HERRN“, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. Jer 31, 31-34

War es ein Zeichen von Mut oder Hochmut, Wunschtraum oder Realitätssinn, dass jene Menschen, die an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs glaubten, ihr Dasein und ihr politisches Ergehen von ihrem Gott her verstanden haben, der sie aus der Knechtschaft in die Freiheit geführt hat?
Wir Heutigen sehen den Lauf der Welt, ihr Wohlergehen wie ihre Gefährdung von Menschenhand gemacht. Wir selber sind verantwortlich für das, was wir technisch oder kriegerisch anrichten.
Israel jedoch sagt: Das Land, das uns ernährt, gehört unserem Gott. Die Regeln, nach denen wir leben, hat Gott uns gegeben. Weil wir Ausbeutung am eigenen Leib erlebt haben, sind wir verpflichtet, die Schwachen, Schutzlosen und Fremden würdevoll zu behandeln.

Doch die Alternative bleibt: man kann im Glauben demütig, aber auch hochmütig werden. Das Volk des Sinai-Bundes hatte seine Chance verspielt. Es war aus dem Land vertrieben worden, hat aber im Elend seinen Gott neu gefunden. Es erlebt die zweite Chance als Geburt zu neuem Leben. Neu an der Beziehung zu Gott ist, dass sie vom Äußeren ins Innere wächst. Der neue Bund bietet über Korn, Öl und Wein hinaus Einsicht und Einvernehmen: Gott pflanzt seine Weisung – kurz gesagt: sich selbst – in die Herzen der Gläubigen ein. Die Beziehung zu Gott erfüllt sich nicht im punktgenauen Gehorsam oder im Versuch, Gott zum Erfüllungsgehilfen eigener Wünsche zu machen, an Gott glauben heißt: Gott lieben. Und wen wundert’s? die Liebe gibt eine neue Chance.

Nutzen wir die Chance, die die Liebe uns öffnet? Um uns selbst, unsere Nachbarn im Haus Europa mit Achtung, Demut und Solidarität anzusehen, erst recht die armen Länder, die einen großen Teil unserer Konsumgüter herstellen? Das Corona-Virus hat die ganze Welt zur Vollbremsung gezwungen. Jetzt haben wir die Chance, Wege, Ziele, Gangart und Tempo des Lebens neu zu bestimmen.

♫ 

Die Erde ist des Herrn, geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. EG 659
Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.
Gebrauche deine Kraft, denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen.
Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

Treuer Gott, erbarme dich derer, die aus der Corona-Krise als die Verlierer zurückbleiben. Ermutige sie, neu anzufangen; lass sie von den wirtschaftlich Starken Hilfe erlangen. Stärke auf der ganzen Welt Respekt und Solidarität. Hilf uns, denen beizustehen, die bei uns mit ihrem Alltag nicht zurechtkommen. Gib Weisheit allen, die das Land verwalten und regieren. Mit Zuversicht beten wir: Vater unser

♫ Lass deines guten Geistes Licht und dein hell glänzend Angesicht EG 389
erleuchten mein Herz und Gemüt, o Brunnen unerschöpfter Güt,

Segen: GOTT segne dich und behüte dich;
GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.

Lese GD Himmelfahrt

Predigt zum 21. Mai 2020 über Vatertag und Himmelfahrt

 

Christi Himmelfahrt

Wir feiern deine Himmelfahrt (Neue Lieder 216)

 

1. Wir feiern deine Himmelfahrt mit Danken und mit Loben. Gott hat sich machtvoll offenbart, das Kreuz zum Sieg erhoben.

Er sprach sein wunderbares Ja. Nun bist du immer für uns da, entgrenzt von Raum und Stunde.

 

2. Das Reich, in das du wiederkehrst, ist keine ferne Höhe. Der Himmel, dem du zugehörst, ist Herrschaft und ist Nähe.

Präg du uns ein, Herr Jesu Christ: Gott ist nicht, wo der Himmel ist; wo Gott ist, da ist Himmel.

 

3. Nimm uns in deinen Machtbereich, gib Kraft zu Tat und Leiden und mach uns deinem Wesen gleich im Wollen und Entscheiden.

Wir freuen uns, Herr Jesu Christ, dass da auch ein Stück Himmel ist, wo wir dein Wort bezeugen.

 

4. Du hast die Angst der Macht beraubt, das Maß der Welt verwandelt. Die wahre Macht hat nur, wer glaubt und aus dem Glauben handelt.

Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass dir die Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden.

 

5. Du trittst beim Vater für uns ein, auch wenn wir es nicht sehen. Trotz Widerspruch und Augenschein kann uns doch nichts geschehen,

was deinem Wort, Herr Jesu Christ, und deinem Sieg entgegen ist. Hilf uns darauf vertrauen.

 

6. Wenn diese Welt zu Ende geht, bewahre und errette, was deinem Namen untersteht. Bereite uns die Stätte

und hol uns heim, Herr Jesu Christ, dahin, wo du der König bist, der Friede ohne Ende.

 

Liebe Gemeinde,

die Rede von „Die Krise als Chance“ mag ich nicht so. Die Corona-Krise ist eine riesige

Belastung und wir müssen beten, dass sie bald vorbei ist. Aber auf eine mögliche Veränderung bin ich

gespannt: Ob der heutige Tag wieder mehr zum Himmelfahrtstag wird, nachdem die VatertagsBräuche heute ziemlich eingeschränkt sind. Das wäre zumindest nicht schlecht. Aber so weit liegen

Himmelfahrt und Vatertag ja gar nicht auseinander.

Christus ist an diesem Tag zu seinem Vater im Himmel zurückgekehrt. Der Himmel, das ist ja

nicht das Blaue, was da oben ist. Himmel in der Bibel ist dort, wo Gott an sich ist. Und dorthin, von

wo er kam, ist Christus zurückgekehrt - zu seinem Vater.

Diesen Ausdruck "Vater" für Gott muss man sehr ernst nehmen. Jesus hat Gott als "unseren

Vater im Himmel" bezeichnet. Wörtlich übersetzt müsste das Gebet sogar mit den Worten anfangen:

"Papa unser im Himmel". Jesus verwendet hier einen Kosenamen für Gott. Er meint damit wohl: Gott

ist keine ferne Macht, kein abstraktes Prinzip, kein Welten-Herrscher, sondern Gott ist zu den

Menschen wie ein Vater.

Wie ein guter Vater, muss man wohl genauer sagen, denn manchen wird es zu Recht schwer

fallen, Gott als Vater zu bezeichnen. Es ist ja eine berechtigte Anfrage der Frauen in der Theologie,

welches Bild von Gott gepflegt wird, wenn man ihn als Vater bezeichnet. Schwierig ist dieses Bild für

Gott gewiss für alle jene, die ihren Vater nur als Haustyrann vor Augen haben. Und was soll jemand

mit dem Begriff "Vater" für Gott anfangen, wenn der eigene Vater sich jeder Verantwortung entzogen

hat.

Wo das so ist, da ist es sicherlich keine Schmeichelei für Gott, wenn er als Vater bezeichnet

wird. Genauer gesagt: Das ist sogar eine Gefahr für den Glauben, wenn die Bilder für Gott in die

falsche Richtung führen. Wenn das Bild vom "Vater" aber so negativ besetzt ist, braucht man dann

dieses Bild von Gott als Vater überhaupt? Soll man noch sagen: Wir sind Kinder Gottes, des Vaters im

Himmel?

Nun, zuerst möchte ich darauf auch auf der Ebene des Bildes antworten: Kinder brauchen

Väter! Ich weiß, dass man diesen Satz nicht leichtfertig sagen darf. Schließlich gibt es genügend

Kinder, die nur bei der Mutter aufwachsen. Und vieles, was ich über die Bedeutung der Väter sage,

kann heute bestimmt auch von der Mutter übernommen werden, wo es nötig ist. Am Ende werden Sie

vielleicht sogar denken: Eigentlich sind ja Mütter die besseren Väter.

Aber bleiben wir vorläufig bei diesem Satz, der sich also nicht gegen alleinerziehende Frauen

richten soll, sondern zuerst einmal die Männer meint. Kinder brauchen Väter, die für sie da sind und

für sie sorgen, die sie beschützen und die auch mal mit ihnen spielen.

Mit dem Spielen ist das für manche Männer allerdings so eine Sache. An einem früheren

Wohnort hatte ich einmal einen Nachbarn, der an einem Samstagnachmittag vor meinem Fenster mit

seinem Sohn auf der Straße war. Er zeigte ihm dort, wie man das neue, ferngesteuerte Spielzeugauto

bedient. Ergebnis der Aktion war, dass er sich am Ende mit dem Zehnjährigen darum gestritten hat,

wer die Hebel auf der Funkfernsteuerung nun bedienen darf. Ich sage wohl nichts Neues, wenn ich

feststelle, dass Männer wirklich auch Kindsköpfe sein können! Kinder brauchen aber richtige Väter.

Eine klassische Aufgabe des Vaters ist es, dem Kind Möglichkeiten zu eröffnen und Grenzen zu

zeigen. Vater sein heißt, dem Kind Autorität sein, an der es sich reiben kann. Und zugleich muss der

Vater dem Kind deutlich machen, dass er immer für es da sein wird. So müsste wohl ein "richtiger"

Vater aussehen. Es ist nicht einfach, so zu sein.

Ein Blick in die Bibel zeigt, dass Väter wohl zu allen Zeiten schon Schwierigkeiten damit

hatten, richtige Väter zu sein, und dass manche daran auch gescheitert sind.

Über Adam als Vater wissen wir nur wenig. Aber wo ein Brudermord in der Familie vorkommt

wie bei Kain und Abel, dürfte auch unser Urteil über den Vater nicht sonderlich gut ausfallen. Adam -

da sehe ich das Bild eines schwachen Mannes, der nach dem Sündenfall die Verantwortung auf die

Frau schiebt: "Das Weib gab mir vom Baum" sagt er.

Seite 1

Seltsam schwach wirken auch viele andere Väter im Alten Testament: Isaak läßt sich vom

falschen Sohn den Segen abluchsen. Jakob - der große Stärke beim Kampf am Jabook zeigte - ist nicht

in der Lage, zu Hause für das Recht zu sorgen und seinen Sohn Josef vor den Brüdern zu schützen.

Und sein anderer Sohn Juda verweigert seiner Schwiegertochter Tamar ihr Recht.

Andere aus der Bibel wären noch zu nennen. Aber auch bei längerem Nachdenken habe ich

dort keinen fehlerfreien Vater gefunden. Vielleicht ist das ja auch gemeint, dass wir nicht von uns aus

"richtige Väter" sein können, sondern auch dabei auf die Gnade angewiesen sind, um mutig mit

unseren Fehlern Vater sein zu können.

Einer ist noch zu nennen, der häufig Vorbild war. Abraham, der auf Befehl Gottes zuerst seinen

Erstgeborenen Ismael in die Wüste schickte und der dann bereit war, seinen Erben Isaak auf dem Altar

Gott zu opfern. Ich werde nie den Mann vergessen, der mir einmal ausführlich schilderte, warum er

diese Geschichte nicht aushält. Sein Vater war Missionar geworden und hatte - unter Berufung auf

diese Geschichte von Abraham - seine Frau und das gemeinsame kleine Kind, eben den alten Mann,

der mir dies erzählte, alleine in Deutschland zurückgelassen. Im Glauben mag Abraham Vorbild sein,

als Vater sicherlich nicht.

Im Neuen Testament wird uns nur wenig von Vätern erzählt: Josef - ein Mann im Schatten der

Geschichte. Zebedäus - dessen zwei Söhne Jünger Jesu werden, und wir wissen nicht, wie er darauf

reagiert, dass seine Söhne ihn verlassen.

Eine wunderbare Geschichte von einem Vater gibt es in der Bibel, allerdings keine, die von der

Wirklichkeit handelt, sondern ein Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Wir nennen es das Gleichnis vom

verlorenen Sohn, aber für mich ist es eher das Gleichnis vom großartigen Vater. Dessen Sohn will

endlich sein Erbe, um damit sein Glück in der Welt zu machen. Und dieser Vater hat die Größe,

seinem Sohn diesen Schritt in die Freiheit zu gestatten. Und, was noch erstaunlicher ist, er hat auch die

Güte, ihn wieder aufzunehmen, als der Sohn scheitert und "verloren" zurückkehrt.

Für mich ist nach diesem Blick in die Bibel klar, wie es zu verstehen ist, wenn Jesus Gott seinen

"Vater im Himmel" nennt. Jesus wollte damit nicht sagen: Gott ist wie die Väter auf der Erde, sondern

er hat uns damit gesagt, wie ein richtiger Vater zu seinen Kindern sein soll: gütig und fürsorglich. So ist

Gott - und so sollen auch wir Väter sein! Gott selbst, er ist zu uns, zu seinen Kindern, wie ein Vater

und wie eine Mutter. Christus ist zu ihm zurückgekehrt, aber Gott, unser Vater im Himmel ist immer

für uns da. Jeden Tag mit seiner Liebe und Treue.

Amen!

Jesus Christus herrscht als König (EG 123)

 

 

1) Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muß.

2) Fürstentümer und Gewalten,
Mächte, die die Thronwacht halten,
geben ihm die Herrlichkeit;
alle Herrschaft dort im Himmel,
hier im irdischen Getümmel
ist zu seinem Dienst bereit.

3) Gott ist Herr, der Herr ist Einer,
und demselben gleichet keiner,
nur der Sohn, der ist ihm gleich;
dessen Stuhl ist unumstößlich,
dessen Leben unauflöslich,
dessen Reich ein ewig Reich.

4) Gleicher Macht und gleicher Ehren
sitzt er unter lichten Chören
über allen Cherubim;
in der Welt und Himmel Enden
hat er alles in den Händen,
denn der Vater gab es ihm.

6) Jesus Christus ist der Eine,
der gegründet die Gemeine,
die ihn ehrt als teures Haupt.
Er hat sie mit Blut erkaufet,
mit dem Geiste sie getaufet,
und sie lebet, weil sie glaubt.

Allmächtiger Vater im Himmel,

Du hast die Welt geschaffen und uns das Leben geschenkt.

Wir bitten dich um deine Treue in unserem Leben.

Bewahre und behüte uns.

Und wir bitten dich für die Menschen, mit denen wir zusammen leben

in unseren Häusern und Gemeinden und in der ganzen Welt.

Sei du ihnen wie uns ein himmlischer Vater

gnädig und treu, leidvoll und fürsorglich

und immer da

auch wenn wir dich nicht sehen.

 

Amen!

Komm und lobe den Herrn (Neue Lieder 169)

 

Komm und lobe den Herrn, meine Seele, sing, bete den König an. Sing wie niemals zuvor nur für ihn, und bete den König an.

1. Ein neuer Tag und ein neuer Morgen, und wieder bring ich dir mein Lob. Was heut vor mir liegt und was immer auch geschehn mag, lass mich noch singen, wenn der Abend kommt.

Komm und lobe den Herrn, meine Seele, sing, bete den König an. Sing wie niemals zuvor nur für ihn, und bete den König an.

2. Du liebst so sehr und vergibst geduldig, schenkst Gnade, Trost und Barmherzigkeit. Von deiner Güte will ich immer singen: zehntausend Gründe gibst du mir dafür.

Komm und lobe den Herrn, meine Seele, sing, bete den König an. Sing wie niemals zuvor nur für ihn, und bete den König an.

3. Und wenn am Ende die Kräfte schwinden, wenn meine Zeit dann gekommen ist, wird meine Seele dich weiter preisen, zehntausend Jahre und in Ewigkeit.

Komm und lobe den Herrn, meine Seele, sing, bete den König an. Sing wie niemals zuvor nur für ihn, und bete den König an. Bete den König an, bete den König an.

Rogate 17. Mai

Verbunden durch Liebe und Internet / Rogate, 17. Mai 2020, Pfrin. Anette Prinz

Eingangswort: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit dir.

Sonntag Rogate. Betet! Beten heißt sich Gott zuwenden und mit ihm reden über alles, was mich beschäftigt. Beten heißt auch: sich für den Mitmenschen vor Gott einsetzen. Beten heißt: Gott um den Hals fallen, weil ich dankbar bin oder damit sich alles zum Guten wendet. Im Wort für diese Woche heißt es: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Psalm 95 W+ 913
Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.
Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.
Denn sein ist das Meer, und er hat‘s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.
Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.
Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Gebet Großer Gott, manchmal führst du unser Leben in große Höhen von Glück und Erfolg.
Lass uns dadurch nicht hochmütig werden. Und wenn uns Unglück, Ohnmacht oder Versagen
in Verzweiflung stürzen: Lass uns nicht darin verharren. Schütze uns vor bösen Gedanken, die die uns die Lust am Leben nehmen. In alle Bereiche unseres Lebens und Denkens reicht deine Macht. Leite uns durch die Höhen und Tiefen dieser Tage immer wieder hin zu dir. Stille.

  

♫ 1 Lobet den Herren alle, die ihn ehren; lasst uns mit Freuden seinem Namen singen EG 447
und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Lobet den Herren!
2 Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket
und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket: Lobet den Herren!
3 Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und
Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!
7 Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen
und überall in deiner Gnade stehen. Lobet den Herren!

Bibeltext: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. (Mt 6,5-8)

Damals zu Jesu Zeit war das also so: Man hat öffentlich gezeigt, wie fromm man ist und sich ein langes Gebet ausgedacht. Nach dem Motto: Um so länger, um so gewisser findet man bei Gott Gehör. Und Jesus sagt zu Beidem: „Nein, so stimmt es nicht. Niemand braucht beim Beten gesehen zu werden. Und viele Worte braucht ihr auch nicht zu machen. Gott weiß doch, was ihr nötig habt.
Heute haben wir eher das umgekehrte Problem: Vor anderen zugeben, dass zu meinem Leben das Beten dazu gehört, ist peinlich. Wer betet, gibt etwas von sich preis und zeigt sich -vor Gott und sich selbst als angewiesen und hilfsbedürftig. So etwas öffentlich zu tun ist uncool. Angewiesensein ist Schwäche und Bedürftigkeit zeigt man nicht. Obwohl doch jeder mal Hilfe braucht.
Und jeder weiß doch auch, wie gut es tut Gefühle wie Angst, Hoffnung, Freude oder Trauer teilen und mitteilen zu dürfen. Das kann ich aber nur bei einem Menschen, dem ich vertraue, jemand, der nicht ausnutzt, wenn ich mein Innerstes nach außen kehre.
Wer betet, sieht in Gott dieses verlässliche Gegenüber und hat in ihm einen Beistand, der mehr sieht als wir selbst im Moment des Gebets erkennen oder begreifen.
Für mich persönlich ist das Gebet ein Kraftraum. So wie ich ein reales Fitnessstudio in der Hoffnung betrete mir dort Kraft antrainieren zu können, betrete ich auch den Kraftraum des Gebets. spreche aus, was mich beschäftigt; befreie mich von Gedanken, die mich belasten. Das allein löst schon viel. In diesem Raum habe ich Zeit nachzudenken, mich zu konzentrieren, zu meditieren. Oder anders gesagt: Ich höre in mein Innerstes. Und hier wird Gott Kraft für mich spürbar. Je nachdem was mich bewegt, schenkt mir seine Kraft Mut oder Trost oder Ruhe. Und wenn ich ein Dankgebet spreche, spüre ich, wie sich mein Dank und meine Freude vertiefen.

Vielleicht gehörst du zu den die sagen: „Beten nutzt doch nichts!“ „Ich hab‘s probiert. Aber nichts ist anders geworden. Nichts habe ich gespürt.“ Dann denk nochmal an das Fitnessstudio. Du wirst kein Kraftprotz, wenn du es einmal in deinem Leben oder alle paar Monate mal betrittst. Du musst dran bleiben. Du muss üben. Das gilt auch fürs Beten. Auch die Kraft, die uns aus dem Gebet zuwachsen kann, baut sich nach und nach auf. Und sie bleibt, wenn du dran bleibst am Beten.

Jemand hat einmal gesagt: „Wer betet hat Wurzeln bei Gott“. Das klingt schön und verlässlich.
Mit jedem Gebet nähren wir diese Wurzeln neu. Das ist für mich der Grund, warum ich das Gebet nie lassen würde und was mich frei nach Paulus sagen lässt: „Ich schäme mich des Betens nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die stark macht alle, die daran glauben“.

♫ 1. Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst. Der trotz all seiner Größe W+ 8
immer ansprechbar ist. Refrain: Vater, unser Vater, alle Ehre deinem Namen.
Vater, unser Vater, bis ans Ende der Zeiten. Amen.
2. Deine Herrschaft soll kommen, das, was du willst, geschehn. Auf der Erde, im
Himmel sollen alle es sehn. …
3. Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heut unser Brot. Und vergib uns den
Aufstand gegen dich und dein Gebot. …
4. Lehre uns, zu vergeben, so wie du uns vergibst. Lass uns treu zu dir stehen,
so wie du immer liebst. …
5. Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort. Mach uns frei von dem
Bösen durch dein mächtiges Wort. …
6. Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf. Bist ein herrlicher Herrscher,
und dein Reich hört nie auf. …

 

Gebet
Wir bitten dich, gnädiger Gott: Hilf den Menschen, die mit dem Coronavirus überfordert sind.
Gib uns Kraft und Geduld, den Virus zu bekämpfen. Vieles macht uns jetzt Angst. Auch die Maskenpflicht, die nur erlaubt, die Augen eines anderen zu sehen und nicht sein wunderbares Lächeln. Bitte hilf den Menschen, die wegen des Virus viel aufgeben mussten: Ihre Hobbys, ihre Arbeit,
ihren gewohnten Alltag. Hilf denen, die jetzt alleine sind und Nähe und Zuneigung vermissen.
Behüte ganz besonders die alten und schwachen Menschen vor der Ansteckung
So schön wäre es, wenn wir bald wieder eine Kirche voller glücklicher und gesunder Menschen hätten, wenn wir uns wieder umarmen und tröstend die Hände geben könnten. Festhalten können wir uns an dir. Bleib uns zugewandt mit deiner Gnade, mit deinem Schutz, mit deiner Treue.
Vater unser

 

♫ Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in deiner Hand, denn du schützt mich, Herr. W+ 123
Wann immer mich Angst befällt, traue ich auf dich. Ja, ich trau auf dich, und ich sage:
„Ich bin stark in der Kraft meines Herrn.”

 

Segen: GOTT segne dich und behüte dich; Er lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig; Er bleibe dir zugewandt und gebe dir Frieden.

 

 

 

Kantate 10. Mai 2020

Verbunden durch Liebe und Internet / Kantate / Muttertag, 10. Mai 2020, Pfr. Koring

GOTT sei mit dir: die Quelle der Liebe; die Gnade, die Mensch wird; die Kraft, die Leben schafft.

Muttertag – ein Alibi, um 364mal die Mütterlichkeit vergessen zu dürfen? Nicht die Väterlichkeit, sondern eine fragwürdige Männlichkeit, die selber unmütterlich handelt, bildet den Gegenpol. Ob wir herstellen oder verbrauchen, verwalten oder regieren, es gilt, mütterlich und väterlich zu handeln. Das ist systemrelevant. Statt Ausbeutung und Artensterben, statt durch Hass und Habgier Tod zu verbreiten soll das Leben blühen. Dann „singen wir Gott ein neues Lied, denn er tut Wunder “ (Psalm 98).

Du, meine Seele, singe, (Psalmlied: EG 302)

    

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

4) Hier sind die treuen Sinnen, / die niemand Unrecht tun,
all denen Gutes gönnen, / die in der Treu beruhn.
Gott hält sein Wort mit Freuden, / und was Er spricht, geschicht,
und wer Gewalt muß leiden, / den schützt Er im Gericht.

8) Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen Seinen Ruhm;
der Herr allein ist König, / ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in Sein Zelt,
ist´s billig, daß ich mehre / Sein Lob vor aller Welt.

 

  Gebet: Gott, schaffe Heil, wo wir Unheil anrichten. Gedenke an deine Gnade und Treue.
Tag für Tag lässt du uns Deine Güte erfahren. Wir sind bewahrt geblieben.
Wir haben in kargen Tagen viel Schönes erlebt. Wir danken dir. Amen.

Bei den Leviten, die zu ihren Zimbeln, Psaltern und Harfen sangen, standen die Priester, die mit Trompeten bliesen. Es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken: „Gott ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“ 2. Chr. 5, 14

Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied; eine Gesellschaft so rücksichtsvoll, so verantwortungsbewusst, so engagiert wie ihre Bürger. Das ist die Lektion, die wir und alle Welt in diesem Jahr zu lernen haben. Vorsprung, Vorrecht, Vorteil - das allein hilft nicht zu leben. Gerade an den Schwachstellen, den Bruchstellen kommt es auf etwas anderes an: auf Güte und Erbarmen.
Es ist verführerisch einfach, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Die das tun, zählen sich selbst – wen wundert‘s – zu den Guten. Es spricht vieles dafür, dass dieses Sortieren schon im Ansatz, erst recht im Ergebnis böse ist. „Gott ist - in seiner Güte - groß“, das ist in Hass umgekehrt und zum Schlachtruf geworden. Dass die eigene Nation Vorrang habe und ‚groß zu machen’ sei, darin verrät sich der gleiche Wahnsinn.

Das Einteilen in Gut und Böse schafft Ungerechtigkeit und ermutigt zu Gewalttaten. Es macht Diskussion und Verständigung überflüssig, vor allem macht es Selbstprüfung unmöglich: Wie bin ich selbst? Ich sehe mich, wie ich sein möchte; andere erleben mich auch kantig und grantig, auch engherzig oder gleichgültig, sie kennen auch die Seiten, die nicht glänzen. Glanz und Schatten, wir sind beides. Schluss mit Einteilen. Manchmal verbündet sich das Sortieren in Gut und Böse mit religiös aufgeladenen Bildern: für die einen ist ein Platz im Himmel bereitet, während auf die anderen die Hölle wartet.

Wer so denkt, gibt Gott eine gütig lohnende und eine zornig strafende Hand. Dem widerspricht die Bibel; sie nennt Gott barmherzig und langmütig, geduldig und von großer Güte. D.h. vor allem, in allem, nach allem soll Güte walten. Im Kleinen wir im Großen kommt es auf Barmherzigkeit an.

In Gute und Erbarmen walten mütterliche Kräfte. Die Neugeborenen und die Sterbenden brauchen diese Mütterlichkeit, genauso die Schwerkranken, Trostbedürftigen, Verzweifelten – und die Gesunden, die Starken, die Genuss Verschlingenden - auch sie leben davon. Mütterlich sind zuerst und vor allem Frauen. Sie sind für alle Lebensbereiche systemrelevant.

Für eine Mutter gibt es nicht gute und schlechte Kinder; sie verteilt ihre Liebe nicht nach Leistung und Wohlgefallen. Gerade das Kind, das große Sorge bereitet, braucht Liebe, die mit den Problemen wächst. Liebe umgibt uns wie die Luft, die wir atmen. Jeder Mensch ist der Liebe würdig.
Denn die Quelle aller Liebe ist Gott. Der Liebe, die wir schenken, geht immer schon die Liebe voraus, die wir erfahren. Wir sind um Gottes willen Geliebte. Darum geht es, wenn wir Gott loben. Unsere Mütter bezeugen das „wie mit einem Mund.“

Was haben wir zuerst und zuletzt zu erwarten? Güte und Barmherzigkeit.
Was brauchen wir in Arbeit und Erfolg gleich wie in Ohnmacht und Existenzangst? Güte und Barmherzigkeit.

Ich sing dir mein Lied (Wwdl 56, Wochenlied)

♫ Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben. Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde, du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in Ihm klingt mein Leben. Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden, du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben. Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied. (Wwdl 56)

Treuer Gott, erbarme dich derer, die in Angst und Trauer stecken und dich nicht loben können.

Bewahre uns davor, Wertschätzung, Wohlwollen, Hilfe abzumessen. Lass uns in allen Lebensbereichen dankbar und pfleglich umgehen mit Menschen, Tieren und Pflanzen. Hilf uns, der Ansteckung nicht allein durch Verbot zu wehren, sondern ebenso gewissenhaft wie gelassen uns gegenseitig zu schützen. Mit Dank und Freude beten wir: Vater unser

Gottes Segen behüte dich nun (Wwdl 146)

♫ Gottes Segen behüte dich nun, Gottes Frieden in all deinem Tun.
Geh gesegnet, getröstet, gestärkt und geliebt, in der Freude die Gott dir heut gibt.

Segen: GOTT segne dich und behüte dich; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig; GOTT schaue liebend zu dir hin und gebe dir Frieden.